Herzogenaurach — Dass die Stadt eine oder zwei neue Turnhallen braucht, blieb bei der Sitzung mehrheitlich unbestritten. Von dem ursprünglichen Traum, dem Bau einer doppelten zweistöckigen Turnhalle, scheint man sich inzwischen verabschiedet zu haben, sondern favorisiert eher den Bau zweier einfacher Dreifachturnhallen mit Zuschauerbereichen auf dem Gymnasiumgelände.
Für den separaten Bau einer neuen Halle müssten die erforderlichen Flächen zur Verfügung stehen, und die lägen eventuell nicht zentral genug, um diese Halle auch für den Schulsport intensiv nutzen zu können, was wiederum einen negativen Einfluss auf mögliche Fördergelder hätte.
Sport- und Ehrenamtskoordinatorin Katja Heil präsentierte dem Ausschuss ihren Prüfauftrag mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse vom Mai und August 2016 und einer Stadtortanalyse sowie eine Berechnung der Stellflächen.
Damit wurden im Grunde zwar alle Fragen beantwortet und der Ausschuss war sich mehrheitlich nur einig, dass eine neue Halle nur in Schulnähe errichtet werden soll.
In die Analyse von Katja Heil flossen Hallenauslastung ebenso ein wie die hohe Belegungsdichten und der prognostizierte Bevölkerungszuwachs sowie steigende Schülerzahlen und ein Wachstum im Vereins- und Betriebssport. Damit kommt Katja Heil zu dem Ergebnis, dass der Hallenbedarf in der Praxis noch höher sei als rechnerisch ermittelt. Somit fehlen zwei Halleneinheiten. Die Nähe zum Gymnasium sei letztlich auch der Erkenntnis geschuldet, dass durch die Wiedereinführung des G9 die Schülerzahl am Gymnasiumsteigen wird.
Zudem werden bestehende Anforderungen an Dreifachturnhallen in der Stadt aktuell weder trainings- noch wettkampftechnisch erfüllt. Das wirkt sich auch auf zuschauerrelevante Sportveranstaltungen aus.


Sanierung wenig sinnvoll

Nach der Analyse von Katja Heil beseitigen auch weitere Optimierungsansätze keinesfalls das Hallendefizit. Nach Auffassung von Bürgermeister German Hacker und der Verwaltung sowie von Fachbüros scheidet eine Sanierung der im Jahr 1984 errichteten Gymnasiumsporthalle, die rund 4,5 Millionen Euro kosten würde, eigentlich aus. Damit lägen die Kosten in der Größenordnung eines Neubaus, was Walter Drebinger (CSU) den Kopf schütteln ließ.
Hacker erklärte dazu, die Wärmedämmung entspreche keinesfalls dem heutigen Stand einer Bauausführung. "Und die Dämmung hinter den vorgehängten Waschbetonplatten hat teilweise wegen Tierfraß Komplettausfälle."
Dazu komme eine Warmluftheizung ohne Wärmerückgewinnung. Bei einer Ertüchtigung der Halle mit Heizung und Lüftungsanlage wisse man nicht, wie sich das auf die Dachkonstruktion auswirkt.
Deshalb sei es sinnvoll, am Gymnasium eine neue Halle zu bauen und dann könne überlegt werden, was mit dem Bestandsgebäude passiert: Sanierung oder Abriss und Neubau. Der Bürgermeister gab auch zu bedenken, dass bei einer Sanierung der alten Sporthalle über Monate kein Hallensport betrieben werden kann, es sei denn, die Stadt mietet eine geeignete Traglufthalle.
"Rund 13 Millionen Euro für zwei Hallen; eine Halle reicht für den Schulsport", merkte Drebinger an. "Schon beim Bau der Halle an der Realschule hätte man der CSU folgen sollen und die Halle damals woanders errichten sollen. Und bei 13 Millionen wird es nicht bleiben, zwei Hallen mit allem Drum und Dran kosten locker 20 Millionen Euro", prognostizierte Bernhard Schwab. So brauche die Stadt auch eine Mehrzweckhalle, schließlich gebe es in der Stadt auch noch andere Vereine, schob der CSU-Stadtrat hinterher.


Beides geht nicht

"Bei der Realschule war das die einzige Möglichkeit, hätte es eine andere gegeben, wir hätten sie genutzt", nahm der Bürgermeister etwas ungehalten Stellung. Und zur Mehrzweckhalle erklärte das Stadtoberhaupt: "Mehrzweckhalle oder Sporthalle? Beides geht nicht."
Für Kurt Zollhöfer (CSU) war damit das Thema noch nicht beendet. Wenn die Realschule noch weiter wachse, habe die Stadt nicht nur ein Hallen- sondern auch ein Raumproblem, denn rund um die Schule gebe es keinen Platz mehr.
Der CSU-Stadtrat erklärte aber auch, dass die Stadt eine weitere Halle brauche. "Aber ich hätte gerne die Förderfähigkeit nachgewiesen."
Hauptverwaltungsleiter Gerhard Höfler erklärte, dass es eine Förderung für Hallen nur geben werde, wenn diese in Schulnähe gebaut und auch von den Schulen genutzt werde. Außerdem würde er einer zweiten Halle nur zustimmen, wenn sichergestellt sei, dass diese tagsüber keinen Leerstand habe. "Wenn es nach den Wünschen der Vereine geht, brauchen wir auch noch eine Leichtathletikhalle", meinte Zollhöfer.
Nach Meinung von Peter Simon und Retta Müller-Schimmel sowie Georgius Halkias müssen wettkampftaugliche Hallen gebaut werden. Wie Simon erklärte, könne in der jetzigen Situation kein Sport wie vorgegeben durchgeführt werden. "Lange genug geredet, wir brauchen eine Halle unabhängig von den Fördermitteln, die für Wettkämpfe geeignet ist und auch über ausreichend Zuschauerplätze verfügt", forderte Zweite Bürgermeisterin Renate Schroff.
Es gab keinen Empfehlungsbeschluss an den Stadtrat, sondern die Bitte von Bürgermeister German Hacker, über das Gehörte nachzudenken.