Roland Schönmüller Bei der mundartlichen Betrachtung ist besonders der siedlungsgeschichtliche Gesichtspunkt von Bedeutung. In der Vorzeit war der Frankenwald ein Durchgangsgebiet: Vorgeschichtliche Funde weisen darauf hin. Während der Völkerwanderungszeit ließ sich im Raum Würzburg - Bamberg - Bayreuth eine vorfränkische, germanische Bevölkerung nieder, die vor allem aus dem Stamm der elbgermanischen Sweben stammte.

Seit dem sechsten nachchristlichen Jahrhundert wurden diese Elbgermanen von einer fränkischen Führungsschicht zwar beherrscht, aber nicht verdrängt. Vereinzelte slawische Gruppen - die Sorben - wanderten in der Zeit vom achten bis zum zwölften Jahrhundert in das Waldgebirge ein.

Staatlich-kirchliche Veränderungen vollzogen sich im Hochmittelalter: Thüringen wurde vom fränkischen Herrschaftsbereich losgelöst. Bamberg übernahm durch die Gründung eines eigenen Bistums im Jahr 1007 die von Würzburg begonnene Christianisierung und Kolonisierung der Gegend am Obermain.

Land-Ausbau im Hochmittelalter

Zwei Siedlungsbewegungen führten zum hochmittelalterlichen Landesausbau des Frankenwaldes, die eine kam von Norden (aus Thüringen), die andere von Süden (aus Franken). Weltliche und kirchliche Grundherren leiteten die Rodetätigkeit. Die auf den Hochflächen entstandenen Dörfer betrieben nur Landwirtschaft.

Allmählich wurden die kleineren edelfreien Geschlechter, die die grundlegenden Rodungsarbeiten geleistet hatten, verdrängt von zwei Territorialherren, die das Gebiet des Frankenwaldes weitgehend unter sich aufteilten: dem Bischof von Bamberg und den Burggrafen von Nürnberg. Neuzeitliche Siedlungen - zum Beispiel Wilhelmsthal ab 1730 - wurden nach 1750 keine mehr gegründet.

Mundart-Relikte

Die wesentlichen Merkmale der hiesigen Mundarträume dürften sich schon im Hochmittelalter ausgebildet haben. Entscheidend aber blieb die Erhaltung der elbgermanischen Grundlage für diesen ostfränkischen Sprachraum.

Die am stärksten hervortretende Mundartgrenze zeigt sich am Rennsteig: Er ist nicht nur Sprachgrenze (Ostfranken und Thüringen), sondern auch natürliche, territoriale und konfessionelle Grenze (Wasserscheide; fränkische und thüringische Stämme und Herrschaften; bambergisch- würzburgisches beziehungsweise mainzisch-erfurtisches Einflussgebiet; katholischer und protestantischer Glaube).

Sprach-Insel Hesselbach

Die Mundart in den Dörfern von Hesselbach, Lahm, Effelter, Birnbaum und Neufang gehört zum Teuschnitzer Sprachgebiet. Natürliche, verkehrsräumliche und territorialgeschichtliche Gegebenheiten sind die Gründe für die enge Bindung an diesen Raum: Dörfer auf gemeinsamer Hochfläche bildeten eine Verkehrsgemeinschaft mit Teuschnitz, das einen Verwaltungs- und Wirtschaftsmittelpunkt darstellte ("Eigen von Teuschnitz", "Oberamt Teuschnitz").

Lautliche Besonderheiten

Hesselbach und Lahm wiederum bilden in diesem Teuschnitzer Sprachgebiet eine Reliktinsel mit lautlichen Eigenheiten (Bewahrung der mittelhochdeutschen Laute e, o, oe), die sie deutlich von umliegenden Orten (Hebung der Laute) unterscheidet. Hierbei handelt es sich um alte Formen, die noch keine Angleichung an das Neuhochdeutsche erfahren haben: "Nicht" heißt zum Beispiel in Lahm/Hesselbach "ne", im Raum Effelter/Birnbaum "ni" und im Gebiet Wilhelmsthal /Steinberg "nije".

Rätselhaft bleibt, wie zwei Dörfer - Hesselbach und Lahm - wohl über 600 Jahre alten Neuerungen ihrer Umgebung widerstehen konnten.

Vom Geschichtlichen her lässt sich keine bündige Erklärung dafür finden. Die Lahmer Pfarrei umfasste außer Hesselbach noch andere Orte und der Rittersitz in Hesselbach kann diese merkwürdige Erscheinung auch nicht erklären.

Beide Orte liegen verkehrsräumlich jedoch zwischen zwei Verkehrsausrichtungen: die eine nach Norden (Teuschnitz) wurde schon angesprochen, die andere weist nach Süden zur Kreisstadt Kronach. Offenbar hat sich durch die zu weite Entfernung von beiden Einflussgebieten diese Sprachinsel erhalten.