Über Jahrzehnte staubten sie vor sich hin: jahrhundertealte Schriftstücke aus der Pfarrei Sankt Johannes in Unterhohenried. Das ändert sich gerade. Nach und nach werten Mitarbeiter des Diözesanarchivs die Funde aus. "Für uns sind solche Dachboden-Funde aus alten Pfarrhäusern ein wahrer Schatz", erklärt Nikola Willner vom Archiv und der Bibliothek des Bistums Würzburg. Die Schriftstücke sind Zeitzeugen; sie vermitteln einen Eindruck, wie Pfarrer damals ihre Gemeindearbeit gestaltet haben.

Wurden vor Monaten kartonweise Schriftstücke der Pfarrei Sankt Johannes der Täufer vom Diözesanarchiv Würzburg nach Unterhohenried gebracht, geordnet und in einem Findbuch zugänglich gemacht, so wurden in den letzten Wochen weitere Schriftstücke ausgewertet. Diese lagerten jahrzehntelang unbeachtet im Dachboden des Pfarrhauses im heutigen Haßfurter Stadtteil.

Die Pfarrbibliothek Unterhohenried wurde wohl nach 1773 eingeführt. Viele Priester verfügten nicht über die finanziellen Mittel, um sich notwendige theologische Literatur zu beschaffen. So war den Seelsorgern überlassene Literatur aus säkularisiertem Klosterbestand, aus Stiftungen und Nachlässen zur Information und Weiterbildung willkommen. Das zeigt auch ein Blick auf die Thematik und Herkunft der etwa 70 Titel.

Der Schwerpunkt des Entstehungszeitraumes liegt im 18. Jahrhundert, nämlich 39 Titel. Zwei Drucke zeigen ein hohes Alter: 1584 und 1528, also 16. Jahrhundert. Sprachlich sind die Bücher vorwiegend in Deutsch zu lesen, dann folgt Latein - teilweise mit Übersetzungen - und zunächst überraschend auch einige in Französisch.

"Leichtfassliche Predigten"

In der Thematik des Bestandes steht mit 15 Werken die Theologie: praktische Anleitungen und Hilfen, Bibelausgaben sowie Kirchenordnungen und Gesetzestexte. Auch "Leichtfassliche Predigten" zu verschiedensten Anlässen sind zu lesen. Das waren sicherlich Hilfen für den Alltag in der Seelsorge.

Die Eigentumsnachweise lassen handschriftliche Vermerke, Pfarreistempel und vor allem den Nachweis des Benediktinerklosters Weißenohe lesen. War doch der erste Pfarrer in Unterhohenried, Ildefons Hellerich, Ordensgeistlicher in Weißenohe in Oberfranken und dann im Kloster Theres, bevor er die neugegründete Pfarrei an der Nassach übernahm. Als Autor zeichnet er auch handschriftlich für einige theologische Abhandlungen (Traktate) in Latein verantwortlich. Des Weiteren sind sechs Breviere für Ordensgeistliche der Benediktiner zu zählen.

In brauchbarem Zustand

Die Bücher hatten in den zurückliegenden Jahrzehnten, auch wohl Jahrhunderten, schlechte bis sehr schlechte Lagerungsbedingungen einigermaßen gut überstanden. Sie waren sehr verschmutzt, jedoch sind sie jetzt nach der Reinigung im Allgemeinen in einem brauchbaren Zustand. Einige Bücher sind vom Holzwurm angefressen, Wasserschäden sind nur vereinzelt festzustellen. Ein Ordnungssystem zur Pfarrbibliothek wurde nicht gefunden.

Ein besonders bemerkenswertes Buch von 1671 mit dem Titel "Rituale sive Agenda ad Usum Ecclesiarum" aus der Pfarrbibliothek erzählt örtliche Kirchengeschichte in einem handschriftlichen Schenkungsvermerk des in Sylbach 1732 geborenen Dr. Johann Georg Kisling. Er hatte sein Vermögen 1808 kurz vor seinem Tod zum Kirchneubau vermacht.

"Ad usum Parochia Unterhohenriedensis ex Donatione J. G. Kisling Cath. Ecclesia Wirceburgensis Vicarii et Subcustoria Parochi" - die Widmung des Domvikars und stellvertretenden Dombaumeisters aus der Bischofsstadt Würzburg bedeutet, dass dieses Buch mit Texten zur Sakramentenspendung (Ritualien) und Segensgebeten (Benediktionen) ein Geschenk ist zum Gebrauch des Seelsorgers in Unterhohenried. Diese liturgischen Handlungen sind nicht im Messbuch (Missale) zu finden. Hier gilt die Ordnung für Sonn-, Fest- und Werktagsgottesdienste. In Würzburg (Herbipolis) wurde dieses Ritualienbuch unter Bischof Johann Philipp von Schönborn (1605 bis 1673) herausgegeben. Er hatte zeitweise neben Würzburg auch den Erzbischofsstuhl von Mainz (Moguntia) und den Bischofsstuhl von Worms (Wormatia) inne.

Nach dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) gelang es ihm, diese drei Diözesen trotz aller Verschiedenheit in den rituellen Handlungen auf einen Nenner zu bringen. Ergebnis: das beschriebene verbindliche Ritualienbuch von 1671.

Inhaltlich sind zahlreiche Großbuchstaben als Initialen ausgeführt, der Text meist lateinisch verfasst, dazwischen auch Kapitel in Deutsch. Zahlreiche Noten, meist schwarz, sind in Hufnagelschrift ausgeführt. Der Bucheinband aus Holzplatten ist mit geprägtem Schweinsleder überzogen. Zwei Schließen - im Ansatz noch sichtbar - hielten den über 300 Seiten starken Band zusammen.

Noch gut zu wissen: Das frühere Dekanat Haßfurt errichtete 1812 eine Dekanatsbibliothek für benachbarte Dekanate. Sie war im Haßfurter Pfarrhaus untergebracht. Im September 2005 übernahm das Diözesanarchiv die Unterlagen. Mittlerweile wurden die Archivalien durch Nikola Willer, die Leiterin für bibliotheksfachliche Aufgaben in Würzburg, im Ansatz erschlossen und ausgewertet.