Wenn jemand plötzlich einen Erfolgsschub hat, dann sagen wir gerne: "Das war Wasser auf seinen Mühlen" oder "Der hat Oberwasser". Anhand der Frischenmühle in Unterzettlitz möchten wir dem Ursprung dieser Redensarten auf den Grund gehen.

Mit den Römern kam auch die Technik des Wassermühlenbaues zu uns. Man unterscheidet dabei oberschlächtige und unterschlächtige Mühlen. Unterschlächtige Mühlen sind ohne große wasserbautechnische Maßnahmen häufig direkt an das Gewässer gebaut, das Mühlrad wird lediglich von dem vorbeifließenden Wasser angetrieben.

Staubecken nötig

Weil sie nur an starken Fließgewässern und mit extra breiten Mühlrädern halbwegs effektiv betrieben werden konnten, haben sich mehr und mehr die oberschlächtigen Mühlen durchgesetzt. Damit das Wasser von oben über das Mühlrad abfließen konnte, musste ein Staubecken gebaut werden. Hatte sich darin genug Wasser angesammelt, dann hatte der Müller "Oberwasser". Bei Bedarf konnte er die Schützen öffnen und die Mühle betreiben. Es lief also richtig gut für den Müller.

Die Mahlmühle in Nydernzettlitz wird erstmals urkundlich erwähnt im Landbuch der Herrschaft Plassenburg von 1398. Damals trug sie noch keinen Namen. Erst im Jahr 1695 wird ein Friedrich Frisch als Eigentümer genannt. Von diesem dürfte sie auch den Namen bekommen haben, der allerdings erst im 19. Jahrhundert als "Frischmühle" (heute Frischenmühle) in Unterzettlitz amtlich übernommen wurde.

Ende des 19. Jahrhunderts war Johann Konrad Preußinger Besitzer der Frischenmühle. Als er im Ersten Weltkrieg fiel, heiratete seine Witwe Babette, eine geborene Felbinger aus Heubsch, erneut. Die Ehe mit Peter Preußinger (nicht mit Johann Konrad Preußinger verwandt) blieb kinderlos.

Bis 1982 wurde Mehl gemahlen

Bei der Suche nach einem Erben für das Anwesen fiel die Wahl auf die in Heubsch lebende Nichte Linda Kolb. Zusammen mit ihrem Ehemann Heinrich übernahm sie die Frischenmühle 1950. Weil Heinrich Kolb bis dato nur in der Landwirtschaft tätig war, lernte er den Beruf des Müllers und legte mit 52 Jahren noch die Fachprüfung im Müllerhandwerk ab.

Bis zu seinem Tod 1982 wurde in der Frischenmühle Mehl für verschiedene Bäckereien in Melkendorf und in Kulmbach oder auch für Bauern aus der Umgebung gemahlen. Sein Sohn Hartmut Kolb hat dann die Mühle auf Stromerzeugung umgestellt. Produzierte er zunächst nur für den Eigenbedarf, hat er ab 1988 auch in das öffentliche Netz eingespeist.

Allerdings hat sich schnell gezeigt, dass die von Experten prognostizierten 20 Kilowatt pro Stunde nicht erreicht wurden. Lediglich zwei Kilowatt wurden erzeugt.

Eher durch Zufall stieß Hartmut Kolb auf den "Hobbymühlenbauer" Leo Gick aus Marktzeuln. Was die Fachleute nicht schafften, hat er richten können. Die Umdrehungszahl der Turbine wurde von 36 pro Minute auf 19 abgebremst, die Transmission wurde neu ausgerichtet und die Riemenscheiben angepasst. So konnte die Leistung auf 17 Kilowatt pro Stunde erhöht werden.

Turbine aus Vorarlberg

So ganz zufrieden war Hartmut Kolb allerdings auch damit nicht. Als Tüftler und Handwerker hat er vom Verkauf einer moderneren "Francis"-Turbine in Vorarlberg gehört, und im eisigen Januar 1996 hat er diese zusammen mit Freunden ausgebaut und in der Frischenmühle installiert.

Ab März dieses Jahres lief dann die neue Anlage und erzeugte 30 Kilowatt an Strom pro Stunde, die in das öffentliche Stromnetz eingespeist wurden. Im Jahr 2010 hat man der Mühle allerdings buchstäblich "das Wasser abgegraben", zumindest einen Teil. Um den Main für Fische durchgängig zu machen, musste Kolb ein Umgehungsgerinne bauen. Damit waren der Mühle 150 Liter Wasser pro Sekunde entzogen.

Aber weil der Besitzer selbst sehr umweltbewusst ist, hat er es ohne Murren hingenommen. Laut Hartmut Kolb sind diese Kleinkraftwerke ein wichtiger Teil der Energieversorgung. Nach seiner Berechnung könnte er 50 bis 60 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen. Große Stromtrassen, die Strom von den Windparks in Norddeutschland bis zu uns leiten, wären vielleicht nicht in dem Maß erforderlich, wenn die regionale Stromerzeugung verstärkt genutzt würde.