Johannes Schlereth

Der Mountainbike Rundweg 2 führt über Oberbach zum Lösershag bis auf die Höhe 832 - den Gipfel des Feuerbergs - und anschließend über das alte Basaltwerk zurück nach Oberbach. Die Touristiker der Rhön GmbH in Oberbach stufen den Rundkurs von der Schwierigkeit als "mittel" ein. Von den Höhenmetern und der Distanz her gesehen, scheint es sich - verglichen mit den übrigen Strecken - um die einfachste Tour zu handeln. So zumindest meine Einschätzung als durchaus trainierter 26-jähriger Biker. Aber der Redaktionstest zeigt: Die Verantwortlichen haben es etwas zu gut gemeint.

Ausgangspunkt ist laut dem Freizeitportal Outdooractive, mit dem die Initiatoren zusammenarbeiten, das Haus der Schwarzen Berge in Oberbach. Von dort gibt es theoretisch zwei Möglichkeiten, die Rundtour zu bestreiten. Aber wie man es dreht und wendet: Beide führen zunächst bergauf. Ein weiterer Einstieg wäre das Basaltwerk oberhalb von Gefäll. Andreas Schubert aus Platz, der bei der Streckenplanung beteiligt war, verweist darauf, dass es sinnvoll ist, die Tour in Richtung des Lösershags zu fahren. Dabei geht es um das Entschärfen des Wanderer-Biker Konflikts. "Es sollte vermieden werden, die steile Passage vom Lösershag nach Oberbach talwärts fahren zu müssen." Die Trasse der Mountainbike-Strecke deckt sich dort mit einer Extratour des Hochrhöners.

Steile Bergeshänge

Die Aussicht auf die bevorstehende Tour macht mir klar, warum die Schwarzen Berge ihren Namen zu recht tragen. Der Blick aus dem Oberbacher Tal lässt das Basaltmassiv des Lösershag gen Himmel emporwachsen.

Bereits am Ortsausgang wartet die erste Herausforderung: Auf 500 Metern Strecke müssen 100 Höhenmeter bezwungen werden. Der Start in die entgegengesetzte Richtung, zum Basaltwerk, wäre noch heftiger: Auf 900 Meter Strecke sind es 120 Höhenmeter - ein Königreich für ein E-Bike. Aber ich fahre ein normales Mountainbike. Die Folge: Jeder Meter kostet Energie, handelt es sich doch um einen Wiesenweg.

Die Schönheit der Landschaft lässt sich mit pfeifender Lunge nur bedingt genießen. Menschen sind nicht unterwegs. Ich leide alleine unter der Sonne und dem Anstieg. Der Schweiß läuft, wie die in einem Rhöner Spruch erwähnten drei Brunnen Jerusalems.

Entspannter geht es erst ab der Infotafel des Naturwaldreservats Lösershag weiter. Hier böte sich eine kurze Wanderung an, um die seit etwa 60 Jahren unberührte Natur zu genießen. Aber: Fahrradständer oder eine Sitzgruppe gibt es dort leider nicht. Deshalb geht es auf der Schotterpiste weiter, lediglich die Stimme des Navis im Ohr.

Hin und wieder schweift der Blick durch den Wald. Zwischen dem Buchenbestand zeichnet sich rechts und links des Weges der Bergkamm der Schwarzen Berge ab. Bärlauchduft liegt in der warmen Frühlingsluft. Auf dem Weg zum Kellerstein ärgert es mich: Ein wunderschöner schmaler Trail führt den Berg empor. Reizvoll wäre es jedoch, ihn bergab fahren zu dürfen. Aber: Dieses Highlight lässt sich nur auf der Tour 1 mitnehmen. Im Umfeld des Trails kommt die Navigation an ihre Grenzen. Alle zehn Sekunden mahnt die Stimme: " Sie haben die Route verlassen", gefolgt von "Die Route liegt 40 Meter links von Ihnen, bitte wenden". Es folgen regelmäßige Stopps, bei denen ich die Strecke mit den GPX-Daten abgleiche.

Navigation führt zu Frustration

Das Ergebnis: Ich bin auf der richtigen Route - ungeachtet aller GPS-Warnungen. Auf Dauer nervt das. Es empfiehlt sich daher, den Schildern zu vertrauen und auf das Navi zu verzichten. An den korrekten GPX-Daten liegt es nicht. Wohl eher an der Routing Funktion des Navis, das dadurch selbstständig nach Wegen sucht - und mangels bekannter Trassen scheitert. Optisch gibt es seit dem Lösershag wenig bemerkenswertes zu erwähnen. Die Schotterwege führen nach wie vor durch relativ unspektakulären Laubwald.

Die Plackerei im Sattel endet am Kellerstein. Dort lässt es sich aushalten. Eine Schutzhütte mit Sitzgelegenheit lädt zur Rast ein. Für Wissbegierige findet sich gleich um die Ecke eine Wetterstation der Bayerischen Staatsforsten mit Infotafel. Die Rundtour führt von da an erstmals merklich bergab. Ein schmaler Waldweg, Steine und Wurzeln - da kommt Freude auf. Sattel hydraulisch einfahren, Dämpfer auf und los geht die wilde Fahrt. Leider hält das Abfahrtglück nicht lange an: Nach nur gut 400 Metern kommt - wer hätte es gedacht - der nächste Anstieg.

Hier braucht es als Grundlage Fahrtechnik, sonst steigt das Vorderrad nur zu leicht empor. Das heißt: In Richtung der Sattelspitze rutschen, Ellenbogen beugen und einen runden Tritt finden. Wem der Anstieg zu heftig ist, hat auf einer Bank am Waldrand die Möglichkeit, die Aussicht auf den heiligen Berg der Franken zu genießen.

Treten, treten und noch mal treten

32 Höhenmeter gilt es von da an bis zum höchsten Punkt der Strecke noch zu bezwingen. Nachdem der Biker den Wald hinter sich gelassen hat, zeigt sich das Land der Offenen Fernen erstmals in seiner ganzen Pracht. Auf dem Gipfel findet sich eine Tafel, die Geografie-Unkundigen die Berge am Horizont erklärt. Hier lohnt es sich zu verweilen, um Luft und Aussicht zu genießen, bevor die schöne Seite der Tour beginnt.

Über die Loipe führt mich die Trasse abwärts hin zum Basaltwerk am Eisernen Kreuz. Weicher Waldboden und fliegende Erdbrocken zaubern ein Lächeln ins Gesicht, dass alle Mühen vergessen macht. Der Blick in die Untiefen des Basaltsees lohnt. Über die KG45 geht es schließlich über eine Wiese gen Tal. Landschaftlich beeindruckt diese Hälfte der Tour um Weiten mehr, als das andere Teilstück.

Eintauchen in eine andere Welt

Surrealistisch wirken Stille, Licht und Bäume in einem alten Buchenbestand. Für mich ein absoluter Gänsehaut-Moment der Strecke. Wenn der Weg sich schließlich aus dem Wald schwingt, scheint man in eine andere Welt getaucht zu sein. Statt in der Rhön wähne ich mich im Allgäu. Sanfte Hügel schwingen ihre Hänge entlang der Horizontlinie. Auf mit verwitterten Holzpfosten eingezäunten Koppeln weiden Pferde in der Sonne. Hie und da duckt sich eine Feldscheune in die Landschaft. Hinter jeder Kurve sollten Sportler damit rechnen, dem übergroßen Bärenmaskottchen einer Milchmarke und glücklichen Kühen zu begegnen.

Vollschuss talwärts

Ist der Willenstöpfelküppel oberhalb Oberbachs passiert, gilt es wieder: Sattel runter, Kurbel waagrecht, Beine beugen, Arme abwinkeln und den Körperschwerpunkt hinter dem Sitz halten. Volle Kraft voraus. Die 50 km/h sind leicht geknackt. Beim Ausrollen werfe ich den Blick ein letztes mal nach oben auf die Schwarzen Berge. Was für ein Ritt!

Die GPX-Daten zur Runde um den Lösershag gibt es durch das Scannen des QR-Codes oder über die URL: https://bit.ly/3vMBCp2