Fast gleichzeitig mit der Wiedereröffnung des aufwendig sanierten Kaisersaals der Neuen Residenz in Bamberg erwarb die Oberfrankenstiftung jüngst zwei Zeichnungen, die Teile der Scheinarchitektur eines barocken Deckengemäldes zeigen. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um Entwürfe, die der Freskenmaler Melchior Steidl (1657 - 1727) für den Bamberger Festsaal vorlegte. Für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich sind die Zeichnungen nun in der Staatsbibliothek Bamberg, der sie als Leihgaben überlassen wurden. Die Bibliothek hat die Entwürfe eigenen Angaben zufolge bereits digitalisiert und in ihrem Portal "Bamberger Schätze" online gestellt.

Melchior Steidl malte den Bamberger Kaisersaal von 1707 bis 1709 aus und erreichte damit einen Höhepunkt seiner Laufbahn. Allerdings unterscheiden sich sowohl der größere Entwurf, versehen mit der Signatur OFS.G S 1, als auch der zweite Entwurf mit der Signatur OFS.G S 2 in mehreren Elementen vom letztlich ausgeführten Deckengemälde. Die auf den Blättern eingetragenen Maße stimmen jedoch mit dem Bamberger Saal überein. Dies lässt darauf schließen, dass Steidl die Entwürfe nochmals überarbeitete. Es ist bekannt, dass der Auftraggeber, Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn, selbst Änderungen forderte.

Dank moderner Technik lassen sich die in den Bamberger Schätzen online einsehbaren Entwürfe mit den ausgeführten Gemälden vergleichen, wenn man sich auf eine virtuelle Entdeckungstour durch den Kaisersaal im Rahmen des Digitalisierungsprojekts "Bayern 3D - Heimat Digital" begibt.

Triumphzug der Weisheit

Die zentrale Deckenmalerei im Kaisersaal, die sich über 640 Quadratmeter ausdehnt, zeigt den Triumphzug der Weisheit als Allegorie der guten Herrschaft. Durch die illusionistische Erweiterung der Architektur in den Deckenhimmel hinein entfaltet der zwar große, aber sehr niedrige Raum eine enorme Wirkung. Steidl freskierte den Saal außerdem mit überlebensgroßen Kaiserbildnissen sowie mit Allegorien der vier antiken Weltreiche.

Der in Innsbruck geborene Steidl hatte sein Handwerk beim Münchener Hofmaler Johann Anton Gumpp erlernt (1654 - 1719) und gilt als einer der bedeutendsten Freskenmaler des süddeutschen Barocks. Steidls italienisch geschulter Stil traf den Geschmack vieler kirchlicher Auftraggeber in Österreich, Bayern, Franken, Hessen und Schwaben, die ihm Aufträge für Deckengemälde erteilten. Aufwendige illusionistische Architekturen sind ebenso wie hart konturierte Figuren mit meist typisierten Gesichtern charakteristisch für sein Werk. red