Nicht von ungefähr präsentiert Waltraud Caroline Keyn ihre aktuelle Einzelausstellung in den nächsten zwei Wochen in der Akademie für Neue Medien. Mit diesen beschäftigt sich die Kulmbacher Künstlerin nämlich in jüngster Zeit fast nur noch ausschließlich. Konkret bearbeitet sie Fotos aus der Natur vor der Haustür.

Keyn verändert, verfremdet manchmal sogar, die banalen Motive zu grob strukturierten Farbclustern. Die erinnern zwar noch an ihre früheren abstrakten und farbintensiven Gemälde, lassen aber das Ursprungsmotiv nach wie vor erkennen, wenigstens jedoch erahnen.

Diese, ihre "neue" Kunst sieht sie zudem auch pädagogisch: "Mit digitaler Bearbeitung von Fotografien kann man junge Leute heute wahrscheinlich leichter an bildende Kunst heranführen," sagte sie bei der Vernissage ihrer Ausstellung in den Räumen der Akademie.

Waltraud Keyn ist in Sanspareil geboren, studierte später in Augsburg und war 29 Jahre Lehrerin für Kunst und technisches Werken bis sie für 17 Jahre nach Italien auswanderte. Seither widmet sie sich nur noch ihrer Kunst und stellte bislang weltweit meist großformatige abstrakte Bilder aus: "Malerei mit der Farbe als dominierendes Element", wie sie diese selbst charakterisiert. Vor einigen Jahren wieder zurück in der alten Heimat hat sie ihre künstlerische Motivation nun praktisch aber umgekehrt. "Während ich die meiste Zeit der abstrakten, atmosphärischen und farbigen Gestaltung mit symbolhaftem Bezug zur Realtität widmete, gehe ich seit zwei Jahren von der realen Außenwelt aus," beschreibt sie diesen Wechsel. "Mein Anliegen ist es nun, auch die Technik der Fotografie und der neuen Computermedien mit in meine künstlerische Arbeit einzubeziehen."

Sie male nun mit der Computer-Maus, banalisiert das Handwerk ihrer künstlerischen Arbeiten. Hundert Bilder habe sie im vergangenen halben Jahr in dieser Weise geschaffen, berichtet Keyn. 40 davon hatte sie für die Ausstellung vorgesehen. "25 waren in der Akademie leider nur unterzubringen" - in den niedrigen Räumen zumeist die kleineren Formate. Bis auf das auf Seide gedruckte großformatige Schneckenhaus, das sie bereits in der jüngsten Ausstellung des Kulmbacher Kunstvereins gezeigt hatte. Dem gab sie den Titel "Wenn du nicht raus kannst, dann geh nach innen", womit sie ihren Vorschlag im Umgang mit der Corona-Pandemie symbolisierte.

Für Akademie-Leiter Thomas Nagel war die Ausstellung ein positives Zeichen dafür, dass es mit dem künstlerischen Leben wieder weitergeht. Estefania Rodriguez aus Coburg verlieh der Vernissage mit dezenten Songs und Chansons zur Gitarre musikalisch Farbe.

Die Ausstellung ist bis 25. September werktags von 9 bis 17 Uhr in der Akademie für Neue Medien, Rentamtsgäßchen 2, 1. Stock, zu besichtigen.