Einer der prägenden Mittelpunkte der Stadt ist der Marktplatz, aus dessen malerischen Fachwerkfassaden vor allem das historische Rathaus herausragt. Dieser Platz war über viele Jahre hinweg auch für seine Gastwirtstradition bekannt.

Manches Wappen ist heute noch an den Hausfassaden sichtbar, und nur die älteren Mitbürger erinnern sich noch daran, dass bei etlichen Häusern die prägenden fränkischen Fachwerkfassaden viele Jahre hinter einem Außenputz verschwunden waren. Genauso vielseitig erwies sich die Gastronomie, und auf- und um den Marktplatz war mehr als halbes Dutzend an Einkehrstätten vorhanden. Mächtige Fässer vor den Häusern, das nahe gelegene Brauhaus und natürlich die vielen Bierzeiger verliehen diesem Stadtbereich immer ein besonderes Bild. Eng standen die Wirtshäuser neben der Kirche und im Umfeld des Rathauses.

Dass Glaube und die Frömmigkeit bei den Menschen einen besonderen Stellenwert einnehmen, beweisen die Heiligenfiguren an den Fassaden. Eine davon - in einer ansprechenden Darstellung der Madonna mit Kind - befindet sich an der ehemaligen Gastwirtschaft Graßmann (früher Hausnummer 47) dem heutigen Anwesen Marktplatz 24, das sich jetzt im Besitz von Alexander Heußner befindet. Nach der Auffassung von Geschichtskennern dürfte diese figürlich geschnitzte Immaculata (Fichten-/Kiefernholz) aus dem 17. Jahrhundert stammen und in etwa damit das gleiche Alter wie das Fachwerkhaus selbst haben. In unmittelbarer Nähe zur Kirche, auf der Ostseite des historischen Marktplatzes, ist damit dieses Haus auch ein Zeuge des christlichen Glaubens und gleichsam wichtiges Bauwerk des Marktplatzumfeldes selbst. Denn bewusst wurde im Gebälk der Fachwerkfassade eine Nische mit einbezogen, die dafür sorgt, dass die Madonna mit dem Kind einen wichtigen Platz einnehmen kann. Oft musste sie sicherlich schon ausgebessert und mehrfach übermalt werden, denn die Witterung hat im Laufe der Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen. Besonders deutlich wurde dies Dieter Weberpals, als er sich der Renovierung angenommen hat. Mit Akribie besserte er die beschädigten Stellen aus, schnitzte kleinere Teile nach und verleimte sich fachgerecht. Erst danach konnten die Schleifarbeiten beginnen und die markante Figur erhielt wieder eine stilgerechte Bemalung. Dies war zwar zeitraubend, wie sich im Nachhinein herausstellte - aber lohnenswert. Als Dieter Weberpals und Günter Heußner gemeinsam mit Unterstützung der Stadtbediensteten von Burgkunstadt die Madonna wieder an ihrem Platz anbringen konnten, merkte man ihnen die Freude über ein gelungenes Werk an.

Erst vor Kurzem war an dem Gebäude sogar der Bierzeiger restauriert worden - er erinnert nun an die einstige Gastwirtstradition des im Volksmund als Graßmann-Haus bezeichneten Gebäudes. Dieter Radziej