Gertrud Glössner-Möschk

Die erste Ausgabe des Fränkischen Tags ist den Lesern am 8. Januar 1946 völlig ungefragt ins Haus geflattert. Niemand hatte die Zeitung bestellt, und wahrscheinlich haben nur wenige gewusst, dass es sie überhaupt gibt.
Die Austräger haben ganz einfach allen, die vorher eine Zeitung abonniert hatten, den Fränkischen Tag zugestellt. "Und als der Januar vorüber war, haben wir kassiert", berichtete die Forchheimer Zeitzeugin Margareta Mainusch, als sie vor 20 Jahren für die Sonderbeilage zum 50. Jubiläum des FT interviewt wurde.
Den Preis von weniger als 2 Mark für ein Monatsabo und von 20 Pfennig für ein Einzelexemplar haben viele Bürger gerne aufgebracht. Nach Jahren der Propaganda und nach vielen Monaten ganz ohne Zeitung waren sie gierig auf die Nachrichten und Kommentare einer modernen, unabhängigen Zeitung. Der Fränkische Tag trug damals den programmatischen Untertitel "Demokratische Warte für das Regnitz-Main-Gebiet". Ab März gab es eine eigene Lokalausgabe für die Landkreise Forchheim, Höchstadt und Ebermannstadt.
Der Fränkische Tag war die 13. Tageszeitung, die von der amerikanischen Militärregierung in Bayern lizenziert wurde. Willy Heckel, langjähriger Lokalchef der Bamberger FT-Ausgabe, beschrieb die Anfänge so: "Im Oktober 1945 hatten die Amerikaner damit begonnen, politisch unbelastete und fachlich geeignete Personen mit dem Aufbau einer neuen, einer demokratischen Presse zu beauftragen. Beginnend mit der ,Süddeutschen Zeitung' entstanden in den wichtigsten und größten Städten Bayerns neue Blätter. Die Lizenz Nr. 13 für die Herausgabe des Fränkischen Tags erhielten der frühere Redakteur August Hans Brey (47), dem die Nazis das Schreiben verboten hatten, der (Verlags)Kaufmann Georg Wirth (49) und der Buchdruckermeister und Faktor Walter Meiß (57), alle drei Bamberger Bürger. "
Gedruckt wurde im Verlagsgebäude der früheren Bamberger Zeitung, des "Bamberger Tagblattes". Die Lizenznehmer mussten Räume und Druckmaschine pachten, denn sie besaßen ja keine eigene Druckerei. Erst Jahre später sollten sich die Lizenznehmer mit den Alteigentümern zusammenschließen und gemeinsam eine GmbH gründen. Bis auf den heutigen Tag hat sich an den Besitzverhältnissen nichts geändert.


Übergabe im Rathaus

Die Lizenz wurde einen Tag vor Erscheinen des ersten "Fränkischen Tags", am 7. Januar 1946, im Sitzungssaal des Bamberger Rathauses an die neuen Zeitungsmacher übergeben. Nach der Feier gingen die Beteiligten die wenigen Schritte bis zum Verlagshaus in der Fleischstraße an der Nordseite des Maxplatzes. Dort setzte Oberstleutnant Irving Dilliard, kommandierender Offizier der amerikanischen Nachrichtenkontrolle, die Zeitungsrotation in Gang. Die Startauflage betrug 60 000 Exemplare.
Willy Heckel beschreibt die neue Zeitung als erstaunlich modern: "Klar im Erscheinungsbild, gut ,umbrochene' Seiten, deutliche Trennung von Nachricht und Meinung, ebensolche Gliederung, flotte Schreibe, statt Protokollen ,richtige' Berichte mit dem Wichtigsten voran, originelle Vorspänne (statt ,monotoner' Einleitungen), Lokales und ,große weite Welt' ebenbürtig nebeneinander."


Bessere Versorgungslage

In der ersten Ausgabe gab es einen Bericht über die Wiederaufnahme des Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesses, im Lokalen beschrieb Thomas Dehler den "Opfergang Hans Wölfels", jenem Bamberger Rechtsanwalt, der von den Nazis hingerichtet worden war. Im ersten Leitartikel von Hans Brey, dem Herausgeber und Chefredakteur, hieß es: "Niemals dürfen wir vergessen, daß Hitler siegte, indem er die politisch Uninteressierten mobilisierte. Sie fielen am ersten den Flötentönen des Rattenfängers zum Opfer." Außerdem gab es in der ersten Ausgabe Hinweise auf den Schulbeginn in den Mittelschulen, auf die Gemeindewahlen am 27. Januar 1946, und auf die Versorgungslage der Stadt, die sich zu dieser Zeit ein wenig gebessert haben soll.