Auch das Bestattungswesen ist dem Wandel der Zeit unterworfen. Deswegen soll auf dem städtischen Friedhof im Lohhof-Gebiet ein weiteres Urnengrabfeld für 130 Urnen angelegt und von einem Bachlauf durchzogen werden. Die Landschaftsarchitektin Christine Orel vom Büro Orel + Heidrich präsentierte dem Planungsausschuss des Herzogenauracher Stadtrats eine Ideensammlung sowie eine Entwurfsplanung, die von den Ausschussmitgliedern sehr positiv aufgenommen wurden.
Nach der ausführlichen Diskussion wurde die Verwaltung einstimmig beauftragt, die weiteren Schritte zur Umsetzung der Maßnahme zu veranlassen. Die Landschaftsarchitektin Orel plant, auf der vorgesehenen Fläche Röhren in den Boden einzulassen und jeweils mit Findlingen abzudecken, in denen der Name des Verstorbenen gefräst wird. Pflaster- und Kieselsteine sollen ein Bachbett mit etwa zehn Zentimetern Tiefe bilden.
Auf Nachfrage erklärte die Verwaltung, dass in den Rohren eine oder zwei Urnen untergebracht werden können und dass außer dem Findling keinerlei Grabschmuck zugelassen wird. Für Grablichter oder Kerzen sowie Blumen soll ein eigener Bereich angelegt werden, an dem Angehörige in aller Stille der Verstorbenen gedenken können.
Curd Blank (SPD) fand wie auch alle übrigen Ausschussmitglieder die Präsentation sehr gelungen, und die Architektin konnte auch die Frage nach der Barrierefreiheit und der Herkunft des Wassers beantworten. Alle Urnenröhren seien der Planung zufolge auch für Personen mit Rollator zu erreichen, die Querung des Wasserlaufs sei über eine breite Steinplatte möglich. Das Wasser für den Bach will Orel aus der Wasserleitung nehmen und davon rund fünf Kubikmeter speichern. Es wird dann mittels einer Pumpe immer wieder zurückgeführt, und nur das verdunstete Wasser müsse ersetzt werden.
Auf Nachfrage von Bernhard Schwab (CSU) erklärte die Planerin, dass die Bepflanzung in fröhlichen und bunten Farben, aber trotzdem pflegeleicht gestaltet werden soll.
Erich Petratschek, im Hauptberuf Bestatter, wies darauf hin, dass der Trend immer mehr zur Urnenbestattung gehe. "Solche Anlagen wie die geplante sind gefragt, weil auch keine Grabpflege anfällt", erklärte der SPD-Stadtrat.


Solarmodule wären unpassend

"Der Vorschlag ist sehr gelungen, und ich glaube, eine solche Anlage hilft auch den Trauernden, weil es eine gewisse Ruhe ausstrahlt. Wasser gehört ebenso zum Leben wie das Sterben", lobte Franz-Josef Lang (CSU) die vorgestellte Planung. Retta Müller-Schimmel (Grüne) hätte lieber gesehen, wenn die Pumpe durch Solarmodule angetrieben würde und kein Trinkwasser verwendet werden würde. Dem wollte Bürgermeister German Hacker (SPD) nicht zustimmen, so würden Solarmodule ebenso wenig auf den Friedhof passen wie die notwendigen Speichergeräte, schließlich soll der Bach auch fließen, wenn die Sonne nicht scheint.
Weitere Sitzgelegenheiten können selbstverständlich integriert werden, antwortete Christine Orel auf die Frage von Kurt Zollhöfer (CSU), das sei im Grunde nur eine reine Kostenfrage. Nach dem vorgestellten Entwurf bezifferte die Planerin die Kosten auf rund 100 000 Euro. Darin sei aber die gesamte Maßnahme einschließlich der erforderlichen Technik enthalten.