In Sterpersdorf ist FT-Leser Karl Schwandner ein ausgezeichneter Zeitzeuge. Er berichtet, dass er am 14. April 1945 - die US-Truppen besetzten gerade Höchstadt und einige Wehrmachtssoldaten hatten in Sterpersdorf Quartier bezogen - als 13-Jähriger zusammen mit seinen Schulfreunden Schützengräben für die Soldaten ausheben musste. Als sie die Anweisung erhielten, Baumstämme und Stroh für die Überdachung der Schützenlöcher zu organisieren, setzten sie sich auf Anweisung von Pfarrer Georg Krapp ab. Am nächsten Tag begann um 8 Uhr der Angriff der US-Soldaten. Die Familie brachte sich in dem nahe gelegenen Keller in Sicherheit, während die deutschen Soldaten anfangs Widerstand leisteten. Drei Scheunen wurden in Brand geschossen, bis sich die Soldaten in einen Steinbruch bei Weidendorf zurückzogen.

Schwandner erinnert sich auch noch gut an seine Schulzeit. Der Lehrer sei eine Nazi gewesen und hatte wenig Hemmungen, körperliche Züchtigungen vorzunehmen. Der Unterricht begann jeweils mit einem "Heil Hitler!". Auf Druck der Eltern wurde er versetzt. Anschließend kam Lehrerin Else Müller aus Hof mit dem Fahrrad zum Dienstbeginn. Sie musste 120 Kinder unterrichten, darunter viele Flüchtlingskinder, und war sehr beliebt. Der Tagesablauf des Schülers Karl Schwandner sah so aus: 6 Uhr Stallarbeit, 7 Uhr Ministrantendienst (werktags), 8 Uhr Schule.

Hoffnung auf ein Wiedersehen

Während der Kriegszeit waren vier französische Kriegsgefangene in Sterpersdorf eingesetzt. Der Kontakt war, so Schwandner, sehr gut. Mit den Sterpersdorfer Jugendlichen haben sie gemeinsam in den Weihern "schwarz" geangelt. In seiner Familie war der Franzose "wie das Kind im Haus". Er wollte später wiederkommen. Leider sei er nicht mehr gekommen. Vermutlich sei er in Vietnam in dem damaligen Kolonialkrieg der Franzosen gefallen. Eine weitere Fremdarbeiterin, so erinnert sich Schwandner, betätigte sich in den Familien als Friseuse.

Karl Schwandner wurde nach den Kriegshandlungen beim Bau der Holzbrücke über die Aisch in Höchstadt eingesetzt. Wegen der losen Balken wurde sie im Volksmund "Ochsenklavier" getauft. Anschließend war er Bauarbeiter beim Höchstadter "Hungerturm", dem inzwischen abgerissenen hohen Lagerhaus der Baywa. Heute ist dort der Schaeffler-Parkplatz. Das Wirtschaftswunder begann auch in Höchstadt seine Spuren zu hinterlassen. Aber die Nachkriegszeit und der unglaubliche Wirtschaftsaufschwung sind eine andere Geschichte.