Das Verständnis und das Verstehen des Todes Jesu am Kreuz ist seit jeher umstritten und einem steten Wandel unterworfen. Auch ich selbst bin damit eigentlich seit Kindertagen nicht "fertig", immer wieder neu versuche ich, das "Warum" und das "Wozu" zu verstehen.
Ein für mich sehr wichtiger Aspekt ist das Verhältnis der Handelnden: Auf der einen Seite die (vorgeblich) mächtigen Menschen: Römer, Tempelhierarchie, Volk. Und auf der anderen Seite Gott. Die Menschen schlagen nämlich nicht nur irgendeinen missliebigen Typen ans Kreuz. Nein, sie kreuzigen eine Idee: Die Idee von liebevollem Umgang miteinander, mit Gott und der Schöpfung. Die Idee von gegenseitigem Verstehen und Respekt. Die Idee von Vergebung und Heilwerden. Letztendlich wird also die Verkörperung von Gottes Liebe in einem zornigen Furioso vernichtet.
Und dann handelt Gott: Mit der Auferweckung Jesu überbietet Gott diese große, diese maximal mögliche Sünde, diesen Super-GAU der Menschen, und setzt ein für allemal den Auferstandenen als Garant für die eben genannte Idee ein. Jesus lebt. Und damit bleiben auch die Liebe, der Respekt, die Vergebung am Leben.
Was wäre, wenn es diesen Karfreitag und Ostern nicht gegeben hätte? Dann wäre Jesus einer von vielen guten Menschen gewesen, den wir dann nicht im Religions-, sondern (vielleicht!) im Geschichtsunterricht kennengelernt - und wieder vergessen - hätten.
So aber, mit dem Kreuzestod, bleibt Jesus für alle Zeiten im kollektiven Gedächtnis und Gott benutzt das Böse zum Guten: Die Bösen wollten die Liebe töten - und haben genau das Gegenteil erreicht. Allein mit dem Namen "Jesus", mit ihm als Lebenspartner und Lebensmotto sind Millionen und Abermillionen Christen bereit, weiter für das Gute einzustehen, dem Hass und der Vernichtung entgegen zu stehen.
Die Islamisten, die am Palmsonntag koptische Christen und andere Unschuldige töteten, alle anderen, die es ihnen gleich tun wollen, erreichen das Gegenteil: Sie stärken unseren Glauben und schwächen den angeblich von ihnen verteidigten Islam.
Märtyrer (wörtlich übersetzt: "Zeugen") sind nie die Täter, sondern immer die Opfer. Zeugen eines guten Gottes, der Friede will. Jesus lebt. Die Liebe lebt. Die Menschen gedachten, es böse zu machen. Gott aber gedachte, es gut zu machen: Karfreitag.