Christian Reuther Wie jedes Jahr warten die Knetzgauer zum 11. November gespannt auf die Lüftung des größten Geheimnisses: Wer wird das diesjährige Prinzenpaar des Knetzgauer Carnevalsvereins (KCV)? Bedingt durch die aktuellen Corona-Auflagen war eine öffentliche Prinzenpaarproklamation im Kultursaal nicht möglich. Daher wendet sich das neue Prinzenpaar des Carnevalsvereins virtuell an sein närrisches Volk, wie auf der Homepage des Vereins in einem Video zu sehen ist.

Ein Prinzenpaar? Nein, eine ganze Schar von Regierenden gibt es in diesem außergewöhnlichen Faschingsjahr: Die Hexen übernehmen das Zepter in der närrischen Zeit. Sie nehmen es genau, deshalb gibt es auch nur ein "virtuelles Helau".

"Heimlich und still"

Silke Haubner, die sich neben Sieglinde Holgersson und Christina Geuß im Vorstandsteam des Vereins engagiert, übernahm symbolisch das Zepter. Das letztjährige Prinzenpaar, Tamara I. und Michael II., wurde aus seinem Amt entlassen. "Die Übergabe war heimlich und still, weils die Regierung wegen Corona leider so will", wird bei der medialen Proklamation verkündet. "Die Dorfhexen werden keine Mühen scheuen, um im Rahmen der Möglichkeiten heitere Stunden in der Faschingszeit zu bereiten", erklärt die KCV-Beisitzerin Eva Scheufler am Telefon.

Überraschungen

Den Kopf in den Sand stecken, das gibt es bei den Knetzgauer Narren nicht, die immer für eine Überraschung zu haben sind. Wurde doch vor zwei Jahren das erste gleichgeschlechtliche Prinzessinnenpaar gekürt.

Die Hexen machen es spannend und verraten vorerst nicht, was möglich sein wird und was sie sich für ihre Amtszeit ausdenken. Auf "eine kleine Sause" spekulieren die Hexen schon insgeheim. Seit annähernd 20 Jahren bereichern die als Hexen verkleideten Frauen die Faschingszeit in Knetzgau.

Das närrische Volk ließ es sich all die Jahre auch nicht nehmen, am Altweiberfasching das Rathaus zu stürmen. Dies wird in dieser Faschingssession wohl ebenfalls Corona zum Opfer fallen. Die Hexen haben sich vorgenommen, trotz allem in der Faschingszeit präsent zu bleiben, auch wenn die Büttensitzungen wegfallen werden.

Ziel des Vereins

Sinn des KCV ist die Förderung und Erhaltung des traditionellen Brauchtums. Dazu zählen der Karneval und insbesondere die fränkische Fastnacht. Außerdem hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, den Gardetanzsport zu fördern. Dadurch sind die Tanzgruppen nicht mehr nur an die Faschingszeit zwischen dem 11. 11. und dem Aschermittwoch gebunden. Die Tänzerinnen können nun auch außerhalb dieser Zeit Tanzveranstaltungen organisieren, soweit es Corona zulässt.

Kreative Köpfe des Vereins, seien es die Vorstandschaft oder auch die Trainerinnen im Gardebereich, arbeiten an Lösungen, wie sie trotz allem ein bisschen Spaß und Freude verbreiten können. Der Trainingsbetrieb der Garden ist momentan komplett eingestellt. In den Sommermonaten war der Trainingsbetrieb eingeschränkt möglich.

Die Situation ist nicht einfach. So musste der Verein schon erste Kündigungen der Gardemädchen hinnehmen. Momentan wäre die "Hoch-Zeit" der Trainingsphase. Geplante Auftritte, denen die Gardemädchen das ganze Jahr über entgegenfiebern, fallen jetzt erst einmal komplett weg. Eine im Frühjahr geplante und auf den Sommer verschobene Tanzgala musste gestrichen werden. Die bereits erworbenen Karten kamen den Tanzgarden als Spende zugute. Davon wurden Sportmatten für jede einzelne Tänzerin angeschafft. Dadurch war es überhaupt erst möglich, in den Sommermonaten ein eingeschränktes Training anzusetzen.

Mit Zuversicht in die Zukunft

Trotz aller Schwierigkeiten, die Corona mit sich bringt, blickt der Verein zuversichtlich und hoffnungsvoll nach vorne. Geplant ist im nächsten Sommer - sofern es möglich ist - eine größere Veranstaltung, bei der die Gardemädchen ihr Können demonstrieren. Die Theatervorstellungen, die zu den Höhepunkten im Vereinsleben zählen, finden coronabedingt auch nicht statt. Die Hoffnung ist bei den Verantwortlichen groß, dass im nächsten Jahr wie gewohnt alles stattfinden kann. "Darauf arbeiten wir hin", zeigt sich Eva Scheufler zuversichtlich.