Alles hatte bei der Hauptversammlung des Musikvereins vor einem Jahr so gut begonnen, als das Vereinsjubiläum 2020 bereits in den Mittelpunkt rückte. Denn immerhin galt es, das 50-jährige Bestehen zu feiern, und dies sollte in einem würdigen Rahmen geschehen ...

Lange bevor der Musikverein gegründet wurde, gab es in Altenkunstadt musikalische Betätigungen. Ein besonderer Wunsch des späteren Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Emil Skupsch war es dabei immer, eine Jugendblaskapelle aufzubauen. Unablässig lag er damit den Bürgermeistern und Gemeinderäten mit diesem Anliegen in den Ohren. Und sein Tatendrang fand Gehör, denn im März 1970 bewilligte die Gemeinde einen beträchtlichen Zuschuss von 10 000 DM, womit die Voraussetzungen für den Ankauf von Instrumenten geschaffen waren.

Vereinsgründung Ende 1970

Emil Skupsch ging mit seinen Mitstreitern sogleich daran, mit der Ausbildung von Jugendlichen zu beginnen. Von dem Dirigenten Georg Hügerich erhielt er dabei kräftige Unterstützung. Im Frühjahr 1970 stellte Skupsch bereits mehr als 20 Mädchen und Jungen vor, die bereit waren, ein Instrument zu erlernen.

Die Vereinsgründung wurde am 16. Dezember 1970 in der damaligen Gastschaft Zeulner vollzogen. 31 Personen trugen sich als Gründungsmitglieder ein. Sie wählten Emil Skupsch zu ihrem Vorsitzenden. Dessen Stellvertreter wurde Franz Pechtl, als Schriftführerin fungierte Vera Karl, während Lorenz Baier das Amt des Musikwartes übernahm. Schatzmeister wurde Wenzel Vollmuth.

Ausbilder wurden ebenfalls gefunden, und so konnte damit begonnen werden, einen Klangkörper zusammenzustellen. Daneben bestanden bereits eine Akkordeongruppe, die Zithergruppe sowie die Gitarren- und Mandolinengruppe.

Nach nicht einmal einem Jahr gab es bereits die ersten öffentlichen Auftritte der Blaskapelle. Der Musikverein erhielt weiterhin die Unterstützung der Gemeinde Altenkunstadt, die im Dachgeschoss der Grundschule einen Probenraum zur Verfügung stellte. Und der Erfolg blieb nicht aus, denn bald gab es Spielverpflichtungen weit über die Gemeindegrenzen hinaus.

1980 feierte der Verein, mittlerweile auch Ausrichter des Kirchweihfestes, das zehnjährige Bestehen. Die Verantwortlichen und Mitwirkenden in den einzelnen Klangkörpern sahen es als ihr besonderes Anliegen, den Mitmenschen mit ansprechender Musik gute Unterhaltung zu bieten. Nicht von ungefähr bezeichneten viele den Musikerverein als die "klingende Seele von Altenkunstadt". Stets fanden sich dabei ehrenamtliche Mitglieder und Ausbilder, denen die Vereinsarbeit und die Ausbildung, die mittlerweile schon bei den Kleinkindern wie in der Jugendgruppe "Brassbini" begonnen wurde, am Herzen lagen.

Nach einem Musik- und Ehrungsabend zum 20-jährigen Bestehen wurde die 25-Jahr-Feier mit einer Festveranstaltung in der Kordigasthalle begangen. Der Auftritt eines Massenchores bildete dabei das glanzvolle Finale. Das 30-jährige Bestehen wurde ebenso wie "40 Jahre Musikverein Altenkunstadt" mit einem Musikabend und Ehrungen gefeiert. Zwischenzeitlich hatte sich ein weiterer Klangkörper innerhalb des Vereins etabliert, der in Anlehnung an den Hausberg von Altenkunstadt den Namen "Korches Brass" trägt.

Und dann kam Corona

Bei der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr galt das besondere Augenmerk im Verein dem 50-jährigen Bestehen. Die Spielverpflichtungen für das Fest erfolgten frühzeitig, Landrat Christian Meißner erklärte sich bereit, die Schirmherrschaft zu übernehmen, und mit der Vergabe des Kreismusikfestes nach Altenkunstadt waren weitere Grundvoraussetzungen für dieses Jubiläum geschaffen, das vom 4. bis 7. September auf dem Festplatz im Schul- und Sportzentrum stattfinden sollte. Im Frühjahr dieses Jahres wurde des Jubiläum mit einem Fest- und Ehrungsabend in der Dreifachturnhalle eingeleitet. Viele treue Mitglieder, sogar noch einige Gründungsmitglieder, Ehrengäste und Vertreter der befreundeten Vereine von Altenkunstadt erwiesen dabei den Musikfreunden die Ehre.

Doch wenig später erfolgte die Ernüchterung: Corona erfasste alle Lebensbereiche, das Vereinsleben genauso wie alle öffentlichen und kulturellen Veranstaltungen. Sie alle wurden über den Haufen geworfen und die Planungen zunichtegemacht. Zwar wurde erwogen, das Jubiläum in das nächste Jahr zu verschieben, doch konnte dafür kein geeigneter Termin mehr gefunden werden: Einerseits hatte der Musikverein Altenkunstadt selbst schon eine Vielzahl von Spielterminen zugesagt und andererseits war auch der Terminkalender der befreunden Kapellen schon ausgefüllt. Daher blieb dem jungen Vorsitzenden des Musikvereins Altenkunstadt, Simon Löffler, keine andere Wahl, als den Beschluss des Vorstandes und der Festleitung zu verkünden, wonach alle weiteren Veranstaltungen des Jubiläumsjahres abgesagt wurden. Viele Musikfreunde erfüllte dies mit Wehmut, doch ließ die anhaltende schwierige Situation der Musikerfamilie keine andere Wahl. dr