von unserem Mitarbeiter Thomas Weichert

Köttweinsdorf — Die 90 Jahre alte Köttweinsdorf-Gruppe wird aufgelöst und an die Juragruppe angeschlossen. Die Juragruppe übernimmt auch das Wasserkraftwerk der Köttweinsdorf-Gruppe im oberen Wiesenttal und betreibt es weiter. Laut Hans Hümmer, Geschäftsführer der Juragruppe, wird die Juragruppe etwa 200 000 Euro in das Wasserwerk investieren.
Mit diesem Geld soll es der Nachwelt erhalten bleiben. Gebaut werden soll zum Beispiel noch eine Fischaufstiegshilfe, die auch die Einspeisevergütung des erzeugten Stroms erhöhen wird.

Freistaat schießt zu

Der Beschluss zum Anschluss an die Juragruppe fiel auf einer gemeinsamen Sitzung der Gemeindeparlamente aus Waischenfeld, dem Ahorntal und Gößweinstein.
Etwa drei Millionen Euro wird der Anschluss und einige Leitungserneuerungen der Ortschaften der bisherigen Köttweinsdorf-Gruppe in diesen drei Gemeinden an die Juragruppe kosten. Was die Baumaßnahmen, deren Schlussrechnung bis spätestens 31. Dezember 2015 beim Wasserwirtschaftsamt Hof eingereicht sein muss, tatsächlich kosten werden, wird erst die Ausschreibung ergeben.
Fest steht jedoch, dass die bisherigen Wasserkunden der Köttweinsdorf-Gruppe, dies sind 230 Haushalte mit 667 Einwohnern, dazu nur eine Million Euro als Herstellungsbeiträge an die Juragruppe bezahlen müssen. Wie Waischenfelds Bürgermeister Edmund Pirkelmann (BBS), der auch Zweiter Vorsitzender der Juragruppe ist, erklärte, "ist ein neues Sonderförderprogramm in der Region Franken Alb geradezu zu einem Glücksfall für die Wasserkunden der Köttweinsdorf-Gruppe" geworden. Gab es bisher keine Förderung mehr, so gibt es durch dieses Pilotprojekt in Verbindung mit der interkommunalen Zusammenarbeit mit der Juragruppe und den beteiligten drei Gemeinden insgesamt einen Zuschuss vom Freistaat in Höhe von einer Million Euro.

Dauernde Probleme

Die noch nicht genau feststehenden Restbaukosten, die bisher mit einer weiteren Millionen Euro geschätzt werden, übernimmt komplett die Juragruppe, die dafür auch das Kostenrisiko trägt.
Im Gegenzug wird die Juragruppe neuer Eigentümer des Wasserwerks, der Treibwerksanlage und der Grundstücke der Köttweinsdorf-Gruppe. Der noch amtierende Verbandsvorsitzende Baptist Knörl blickte zunächst auf die wechselvolle Geschichte der Köttweinsdorf-Gruppe zurück, die 1921 mit dem Bau des Wasserwerks der früheren Gemeinde Rabeneck begann. Baubeginn der Wasserversorgung war dann 1924. 1952 erfolgte die Netzerweiterung für die Orte Eichenbirkig, Schönhof und Rabeneck, 1954 wurde Oberailsfeld angeschlossen und 1971 wurde der Wasserzweckverband in seiner heutigen Form gegründet. 1974 wurden dann die drei Quellen neu gefasst. "Die Köttweinsdorf-Gruppe war ein Zweckverband, der noch nie problemlos lief", so Knörl.
Schon der Bau der Wasserversorgung im Jahre 1924 war ein Schwarzbau, für den der damalige Köttweinsdorfer Bürgermeister Strafbescheide bekommen hatte, es aber dennoch durchsetzte. Die Köttweinsdorf-Gruppe hatte bis heute kein Wasserschutzgebiet und daher auch nur eine Ausnahmegenehmigung zur Wasserentnahme aus ihren Quellen.
Außerdem gab es in der Vergangenheit auch immer wieder Beanstandungen der Trinkwasserqualität bei den Wasserproben. Da die Behörden ein riesiges Schutzgebiet forderten, in dem auch die Ortschaften Eichenbirkig und Köttweinsdorf lagen, wäre dies für die Wasserabnehmer nicht bezahlbar gewesen, so Knörl. Deshalb beschloss der Verbandsrat bereits 2009 die Einstellung der Wasserversorgung. Durch die Bundesuniversität München wurde dann ein Gutachten erstellt, das seit 2013 vorliegt. Mit diesem Gutachten war es nun möglich, in das Sonderförderprogramm aufgenommen zu werden. Die Wasserabnehmer haben nun durch die Übernahme durch die Juragruppe und dieses Sonderförderprogramm eine Kostensicherheit für die Anschlussbeiträge, egal wie hoch die Baukosten sein werden, so Knörl.

50 Cent mehr

Der derzeitige Wasserpreis der Juragruppe mit 1,80 Euro pro Kubikmeter deckt die Abschreibungen mit ab. Für die Kunden der bisherigen Köttweinsdorf-Gruppe bedeutet dies aber auch, dass sie künftig 50 Cent mehr für den Kubikmeter Trinkwasser bezahlen müssen als bisher.
Pro Quadratmeter Grundstücksfläche müssen die Kunden der Köttweinsdorf-Gruppe außerdem mit 1,30 Euro und für den Quadratmeter Geschossfläche mit fünf Euro als Herstellungsbeiträge zum Anschluss an die Juragruppe rechnen.