Gertrud Glössner-Möschk

Das Anwesen Kirchschletten 1 befand sich im Jahr 2004 in einem erbarmungswürdigen Zustand: Büsche wuchsen durch die Wände, die Westseite des Wohnhauses war grün vor Moos, die Fußböden brachen ein, die "Sanitäranlagen" bestanden aus einem Plumpsklo im Hof und einem einzigen Wasserhahn in der Küche - aus dem natürlich nur kaltes Wasser floss. Trotzdem wurde das marode Häuschen zum Objekt der Begierde für Iris und Matthias Jacob.


Als wär's die Toskana

Lange hatten die beiden aus Kronach und Hof stammenden Eheleute, die sich aus Studienzeiten in Coburg kennen, nach einem Haus für sich und die künftige Familie gesucht. "Aber irgendwas hatte immer nicht gepasst."
In Kirchschletten hat dann endlich alles gepasst: das schöne Häuschen, der Stall, in den sich ein großes Wohnzimmer einbauen ließ, die Scheune und die Nebengebäude, die Platz für eine kleine Schreinerei und eine Schmiede bieten, der große Innenhof, die ruhige Lage, die bezaubernde Obstwiese hinter den Gebäuden, der Blick auf die Getreidefelder, die weite, hügelige Landschaft: "Als wär's in der Toskana", schwärmt Iris Jacob - und man muss ihr Recht geben.


Ein Fachmann am Werk

Als gelernter Schreiner und Architekt mit Aufbaustudium Denkmalpflege brachte ihr Mann Matthias die nötige Vorstellungskraft mit: Er wusste sofort, was sich aus dem heruntergekommenen Anwesen, das vier Jahre lang leer stand, machen ließ.
Zudem brachte er handwerkliches Know-how, Geschick und die Freude am Arbeiten mit. Zusammen mit seinem Schwiegervater hat er das Haus größtenteils in Eigenleistung renoviert. Nur für spezielle Gewerke wie die Heizung - die Wandheizung bezieht ihre Energie aus einer umweltfreundlichen Wärmepumpe - wurden Handwerker verpflichtet.
Ein Jahr nach dem Kauf konnte die Familie einziehen; zu dieser Zeit war der älteste Sohn Julian schon auf der Welt. Seitdem geht die Arbeit am Haus weiter. Renovierung und Ausbau erfolgen Stück für Stück. Erst im vergangenen Jahr ist das große Wohnzimmer fertig geworden, das sich im ehemaligen Stall befindet und Zugang zur Terrasse hat, die auf die ehemalige Mistgrube gebaut wurde. Die alten Viehtränken stehen rings um den Freisitz, denn alles, was die Jacobs in dem alten Haus gefunden und für schön befunden haben, wird aufbewahrt und weiterverwendet.
Auch mehrere alte Bauernschränke und Truhen durften bleiben. Die Hausmadonna hat ihren neuen Platz an der seitlichen Fassade. Nur von den Einmachgläsern mit altem Obst - noch eingeweckt von der verwitweten Bäuerin, die den Hof bis zum Jahr 2000 bewirtschaftet hat - haben sich die Jacobs getrennt.
Der Schwiegervater von Matthias Jacob hat schon das eine oder andere Mal gesagt: "Für dasselbe Geld hätte man einen Neubau hinstellen können." Sein Schwiegersohn gibt ihm prinzipiell Recht, sagt aber auch: "Man muss sehen, was wir als Gegenwert bekommen haben."
Er und seine Familie freuen sich über enorm viel Platz und die weiteren Ausbaumöglichkeiten. In Kürze können die Eltern ein großes Schlafzimmer beziehen und Adrian, der jüngste Sohn, bekommt sein eigenes Zimmer.
Und dann gibt es noch die herrliche Apfelwiese hinter dem Haus mit Baumhaus, Sitzplatz, Spielecke und so viel Atmosphäre, wie sie ein neues Haus nie bieten könnte.