Waldtraud Klöpsch ist nicht nur den Garnstadtern als Wirtin des Gasthauses "Zur Post" bekannt. Ihren Eltern gehörte schon das Wirtshaus, in dem auch die Familie wohnte. Waldtraud Klöpsch führte mit ihrem Mann Emil, der 1995 gestorben ist, das Gasthaus im Nebenerwerb zur Landwirtschaft weiter. Ihr ganzes Leben verbrachte die Seniorin dort und wohnt noch heute in ihrem Elternhaus. Am 3. Dezember wurde sie 100 Jahre alt.

Auf die Frage, welche Wünsche sie im Alter von 100 Jahren habe, antwortet Waldtraud Klöpsch deshalb: "Ich kam im Wirtshaus auf die Welt und will dort auch sterben."

Als Köchin und Wirtin hatte sie immer viel zu tun und möchte die Zeit im Wirtshaus nicht missen. Gerne erinnert sie sich an diese Zeit zurück, als aus so manchem schnellen Feierabendbier eine gesellige Runde wurde, die bis zur späteren Stunde in der Wirtsstube saß. "Wenn ich noch könnte, würde ich heute noch arbeiten", verrät die Großgarnstadterin. Sie lernte von ihrer Mutter das Kochen und hat im Laufe der Jahrzehnte unzählige Klöße eingelegt, die sich die Gäste gerne zu den unterschiedlichsten Braten schmecken ließen. "Es waren sicherlich weit mehr als 50 000", schätzt die Seniorin, die von sich selbst sagt, dass ihre Hände genau richtig zum Klöß‘ machen seien. Von den vielen Kartoffeln ganz zu schweigen, die sie roh gerieben beziehungsweise gekocht habe. Eine weitere Spezialität Klöpschs waren ihre Linsen. Diese gab es immer an Weihnachten und zwar für die ganze Familie, die locker 30 Personen umfasst.

Viele Feiern und Veranstaltungen wurden im Laufe der Jahrzehnte im Wirtshaus abgehalten. Außerdem gab es öfters Tanzvergnügen. "Wir hatten damals einen extra Raum dafür. Wenn sich die Jüngeren auf der Tanzfläche vergnügten, saßen die Älteren auf den Bänken drum herum und haben zugesehen", erzählt sie. "Ich mochte das Treiben bei uns im Wirtshaus, ebenso die Kirchweihen. Da wurde groß aufgekocht." Und es gab - wie könnt es anders sein? - mittags und abends Klöße. Unzählige Schnitzel habe sie gebraten und riesige Schüsseln Kartoffelsalat vorbereitet, um die Gäste zufriedenzustellen. Diese schätzten die Kochkünste und die Herzlichkeit im Wirtshaus "Zur Post" und sorgten für einen florierenden Betrieb.

Damals wurde nicht nur am Stammtisch Schafkopf gekartet. Wenn ein "vierter Mann" fehlte, sprang Waldtraud Klöpsch ein und lernte so die Regeln des beliebten Kartenspiels. Bis heute geht sie dieser Leidenschaft nach. Im Ebersdorfer BRK-Tagestreff, den die Seniorin seit seiner Öffnung zweimal in der Woche besucht, hat sie nämlich mit Wolfgang Reinhardt, Edgar Engel und Roland Pumpert drei Gleichgesinnte gefunden, die mit ihr immer gerne "Schafkopfen". Waldtraud Klöpsch kann locker mithalten. Meist steckt sie die drei Männer "in den Sack", was die akribisch geführten Punktestände belegen.

Neben drei Kindern und acht Enkeln hat Waldtraud Klöpsch mehrere Urenkel. Sie freut sich schon auf den kommenden Februar, dann soll nämlich das zehnte Urenkelkind geboren werden. Trotz ihres stolzen Alters ist Waldtraud Klöpsch noch vielseitig interessiert an Politik und Gemeindegeschehen. Lediglich ihre Beine wollen nicht mehr so, wie sie will, deshalb nutzt Waldtraud Klöpsch den Rollstuhl oder nimmt sich zu Hause ihren Rollator zur Unterstützung, "um nicht ganz einzurosten", wie es die Hundertjährige formuliert.