Eine Ära ist zu Ende. In der vergangenen Woche hatte Herbert Roth nach 15 Jahren im Amt seine letzte Sprechstunde als Patientenfürsprecher im Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken. Vera Antonia Büchner, Vorstandsvorsitzende des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken, verabschiedete den früheren Krankenkassen-Direktor. Seine Aufgaben sind künftig in dem seit Juni 2018 bestehenden Büro für Patientenzufriedenheit angesiedelt, wie das Kommunalunternehmen Haßberg-Kliniken dieser Tage mitteilte.

"Man sollte aufhören, so lange man das noch selbst bestimmen kann." Herbert Roth schmunzelt. Der langjährige Patientenfürsprecher der Haßberg-Kliniken ist auch begeisterter Sportler. Er kennt also zur Genüge Geschichten vom Abschiednehmen im falschen Moment. Deswegen hat er großen Wert darauf gelegt, den passenden zu erwischen. "Ich habe das immer sehr gerne gemacht", blickt er auf seine Jahre als Patientenfürsprecher der Haßberg-Kliniken zurück. "Aber irgendwann muss halt mal Schluss sein."

Und irgendwann war - aus seiner Sicht - eben jetzt. "Mit dem Büro für Patientenzufriedenheit gibt es eine sehr gute Alternative", nennt er einen Grund. Dort kümmern sich seit Juni 2018 Natalja Kruppa und Nicole Fink-Bachnik um die Anliegen, Probleme und Anregungen der Patienten, Besucher oder Angehörigen. "Sie sind echte Expertinnen", lobt Herbert Roth die beiden Frauen, deren Büro sich zentral im Erdgeschoss des Haßfurter Krankenhauses befindet. Sie sind sachlich wie personell in die Organisation und die Arbeitsabläufe des Krankenhauses eingebunden und wollen helfen, wo es geht.

In der vergangenen Woche hatte der frühere Direktor einer Krankenkasse seine letzte Sprechstunde. Nach 15 Jahren. "Ich kenne in ganz Bayern niemanden, der so lange wie ich im Amt war", erklärt Herbert Roth. Wie lange, das zeigt auch ein kleiner Blick zurück. "Von den Chefärzten, die 2005, als ich angefangen habe, da waren, gibt es nur noch Hildrun Schättin."

Als Herbert Roths Posten 2005 auch auf Bestreben des damaligen Haßberg-Kliniken-Vorstands Stephan Kolck geschaffen wurde, "haben wir Neuland betreten". Ein Patientenfürsprecher in so kleinen Krankenhäusern wie es die damals drei Kliniken im Landkreis waren, sei "eine absolute Ausnahme" gewesen.

Schnell zeigte sich jedoch, dass die Arbeit des Theresers sehr gut angenommen wurde. Jährlich 25 bis 30 Fälle habe es gegeben, in denen er wirklich aktiv werden musste. Es ging dann um Behandlungsfehler, den Umgang mit Patienten, Angehörigen oder andere Kommunikationsschwierigkeiten. "Die Verantwortlichen der Haßberg-Kliniken haben immer sehr gut reagiert", lobt der Patientenfürsprecher den Umgang mit den Anliegen, die an ihn herangetragen wurden. Wichtig war Herbert Roth stets, dass versucht wurde, die Ungereimtheiten in gemeinsamen Gesprächen auszuräumen. "Das war oft der Knackpunkt", findet er.

"Es ist schade, dass er geht", erklärt Vera Antonia Büchner. In den wenigen Monaten der Zusammenarbeit hat die Nachfolgerin von Stephan Kolck Herbert Roth als einen Patientenfürsprecher kennengelernt, dem es immer um Ausgleich und nie darum ging, einen Konflikt mit allen Mitteln auszufechten. "Er wird gewiss fehlen. Aber wir sind mit unserem Büro für Patientenzufriedenheit in diesem Bereich auch weiterhin gut aufgestellt."

Natürlich gebe es Angenehmeres als einen - meist mit einer Krankheit oder Verletzung verbundenen - Aufenthalt in einem Krankenhaus. "Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist immer eine Ausnahmesituation", pflichtet Herbert Roth bei. Was für Ärzte, Pflegepersonal und andere Angestellte der Alltag ist, sorgt bei Patienten und Angehörigen für Verunsicherung, oft weil sie Abläufe nicht kennen.

"Wir möchten natürlich, dass sich bei uns Patienten, Angehörige und Besucher so wohl wie nur möglich fühlen", macht Natalja Kruppa klar. "Darum arbeiten wir ständig daran, die Abläufe in unseren Häusern in Haßfurt und Ebern zu verbessern." Dass es dennoch zu Situationen kommen kann, in denen sich Betroffene unwohl fühlen oder etwas nicht so läuft, wie sie es sich gedacht haben oder wünschen würden, weiß die Qualitätsmanagementbeauftragte der Haßberg-Kliniken. "Wir wollen genau aus diesen Situationen lernen, am besten zusammen mit den Betroffenen."

Das Büro für Patientenzufriedenheit, das sie gemeinsam mit Nicole Fink-Bachnik im Erdgeschoss des Haßfurter Krankenhauses, zentral gelegen zwischen dem Besucher- und dem Patienteneingang, besetzt, sei dafür eine wichtige Anlaufstelle. "Haben Sie keine Scheu, auf uns zuzukommen", appelliert Natalja Kruppa. Sie und ihre Kollegin sind sowohl persönlich im Büro als auch telefonisch oder per Mail zu erreichen. Wie bei Herbert Roth liegt auch für die beiden Frauen ein Fokus darauf, Unstimmigkeiten durch direkten Kontakt und Gespräche zu lösen. "Konstruktive Kritik trägt dazu bei, dass wir unsere Arbeit weiter verbessern können." Dafür bieten die auf den Stationen verteilten Patientenfragebögen eine weitere Möglichkeit, Lob, Anregung und Kritik auszusprechen, auf Wunsch auch anonym.

Herbert Roth wünscht seinen "Nachfolgerinnen" natürlich alles Gute. "Ich habe die 15 Jahre sehr genossen und nicht einen Tag bereut, dass ich das Amt angenommen habe." Was vielleicht auch an der einen oder anderen Geschichte liegt, die sicher keine große Sache war, aber dem Patientenfürsprecher dafür ein Lächeln ins Gesicht brachte.

"Manches war schon interessant", schmunzelt er und erinnert sich stellvertretend an einen Mann, der nach genau sechs Monaten erneut ins Haßfurter Krankenhaus eingeliefert wurde. "Er hat sich dann beschwert, dass es am Freitag exakt den gleichen Fisch gab wie vor einem halben Jahr", erzählt Roth. red