Lanzendorf — "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken". Dieser Ruf Jesu war der Wochenspruch des gestrigen Sonntags - und er passte nach den Worten der Regionalbischöfin Dorothea Greiner in besonderer Weise zum Glockenjubiläum der St.-Gallus-Kirche. Denn die Glocken riefen "Komm".
Der eindrucksvolle Festgottesdienst wurde vom Kirchenchor und dem Posaunenchor mit mächtigen Chorälen musikalisch begleitet. Bei einem Gemeindefest wurde das Jubiläum am Nachmittag gebührend gefeiert. Bei strahlendem Sonnenschein herrschte ein buntes Treiben rund um den Kirchplatz.
Hätten nicht Menschen diesen Ruf Jesu über die Jahrhunderte gehört, "dann wären Kirche und Glockenstuhl schon lange verfallen", sagte Dorothea Greiner. Die Lanzendorfer Kirche sei ein besonderes Kleinod unter den Markgrafenkirchen. "Sie ist ja nicht in der Markgrafenzeit erst entstanden, da wurde sie barockisiert. Vielmehr ist sie wohl eine der ältesten Kirchen unseres Kirchenkreises Bayreuth beziehungsweise Oberfrankens." Ihre Anfänge lägen gewiss schon im ersten Jahrtausend nach Christus, denn es sei belegt, dass die Pfarrei zum Bistum Würzburg gehörte, so die Regionalbischöfin.
Die Lage der Kirche nah der Flussfurt könnte bedeuten, dass dort unten im Weißen Main ein alter Taufort war. "Zudem weist der Name St. Gallus auf den Wanderprediger und Missionar Gallus, der um 600 lebte. "Diese alte Kirche hat so viele alte Juwelen: Den Kanzelaltar von Elias Räntz, den Taufstein und die Apostelfiguren, "die sogar noch fünf Jahre älter sind als unsere Jubiläums-Glocken".
Dorothea Greiner meinte, es sei heute Aufgabe der Christen, andere, die am Rand stehen, an der Hand zu nehmen und zu sagen: "Komm mit. Der Glaube an Christus trägt auch in unserer Zeit." Die Kirchenrätin hielt es für eine besondere Gnade, dass die Lanzendorfer Glocken der Gemeinde in diesen 500 Jahren nie genommen wurden. Andernorts sei dies oft anders gewesen: "Gegossen für Friedensgebete wurden sie eingeschmolzen für den todbringenden Donnerknall der Kanonen."
Am Glockengeläut wird laut Regionalbischöfin unüberhörbar, dass Christsein keine Privatangelegenheit ist: " Christlicher Glaube gestaltet unsere Kultur, ist öffentlich und ruft im öffentlichen Raum zu Gebet und Gottesdienst."
Die Reihe der Grußworte eröffnete stellvertretende Landrätin Christina Flauder, die auch für MdL Martin Schöffel sprach. Für das Dekanat Bad Berneck übermittelte Dekan Thomas Guba, für die Gemeinde Himmelkron Bürgermeister Gerhard Schneider Glückwünsche. Pfarrerin Almut Weisensee bezeichnete das Glockenjubiläum als etwas ganz Besonderes.