Gleicher Lohn
für gleiche Arbeit? Davon ist ein Großteil der arbeitenden Frauen im Landkreis Haßberge weit entfernt. Zum internationalen Frauentag am morgigen 8. März fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (kurz NGG), mehr für die Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu tun.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verdienen Frauen im Schnitt für dieselbe Tätigkeit noch immer sieben Prozent weniger als Männer, andere Faktoren wie niedrigere Arbeitszeiten nicht mitgerechnet. Nach Einschätzung von NGG-Geschäftsführer Ibo Ocak ist der Unterschied, den allein das Geschlecht ausmacht, in vielen Branchen sogar noch deutlich größer.
"Frauen bekommen aber nicht nur einen geringeren Stundenlohn. Sie arbeiten auch noch überdurchschnittlich oft in prekären Jobs", betont Ocak. So waren nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zuletzt 88 Prozent aller Teilzeit-Beschäftigten im Kreis Haßberge weiblich. Und auch bei den Minijobs sei der Frauenanteil dort mit 64 Prozent hoch. Ocak: "Die Folgen davon bekommen viele Frauen spätestens im Rentenalter zu spüren. Wegen niedriger Einkünfte und Unterbrechungen im Erwerbsleben sind weibliche Beschäftigte besonders oft von Armutsrenten betroffen und dann auf Stütze vom Staat angewiesen. Aber auch bei Arbeitslosigkeit oder nach einer Scheidung steht ein Großteil der Frauen mit leeren Händen da."
Das Modell des männlichen Hauptverdieners sei weiterhin stark verbreitet - und damit die finanzielle Abhängigkeit der Frauen. Diese tragen laut einer neuen OECD-Untersuchung in Deutschland gerade einmal 22,4 Prozent zum Familieneinkommen bei, wie aus der Mitteilung der Gewerkschaft zum Frauentag am morgigen Mittwoch weiter hervorgeht.
Die NGG Unterfranken sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Politik. "Das geplante Gesetz zur Lohntransparenz reicht nicht aus", sagt Ocak. Denn der individuelle Anspruch darauf zu erfahren, was Männer in vergleichbaren Tätigkeiten im Durchschnitt verdienen, solle danach auf Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten beschränkt bleiben. "Für den Großteil der Hotels, Gaststätten oder Bäckereien im Kreis Haßberge greift das Gesetz damit zu kurz", meint der Gewerkschafter. Nötig sei stattdessen ein verbrieftes Recht auf die gleiche Bezahlung für die gleiche Tätigkeit. "Mann oder Frau - dieser Unterschied darf in einer modernen Arbeitswelt keine Rolle mehr spielen", sagt Ocak. red