Der in Niederfüllbach lebende Autor Andreas Pietsch bettet die größte Tragödie seiner Heimatstadt in eine fiktive Geschichte ein. "Wir freuen uns, dass jemand auf diese Weise die Erinnerung an das furchtbare Ereignis aus dem Jahre 1918 hochhält", sagt Thomas Jasper, Leiter des Stadtarchivs von Castrop-Rauxel. Die Stadt mit 75 000 Einwohnern liegt im Ruhrgebiet zwischen Dortmund und Bochum.

"Septembersonntag" heißt der Roman von Andreas Pietsch. In Castrop-Rauxel ist der tragische Ausgang einer Landverschickung zum Ende des Ersten Weltkrieges bekannt. Pietsch: "Viele der 40 Kinder, die wegen der schlechten Ernährungslage im Ruhrgebiet für den Sommer 1918 in die Provinz Posen geschickt wurden, kehrten nicht lebend zurück." Nun hat Andreas Pietsch das Geschehen in einen Roman eingebettet und eine fiktive Antwort auf die Wie-konnte-das-passieren-Frage gegeben. Was ihm das Stadtarchiv an historischen Fakten zur Verfügung gestellt hat, wusste Pietsch in seine Erzählung als roten Faden einzuweben: etwa die Namen der Toten, Details zum Aufenthalt in Posen sowie die fürchterlichen Folgen.

Der 58-jährige Andreas Pietsch hat Kindheit und Jugend in Castrop-Rauxel verbracht. Nach Abitur und Zivildienst ging er zum Germanistik- und Philosophiestudium nach Bonn. Seit 30 Jahren lebt er in Oberfranken, wo er als freier Autor und Ghostwriter im Bereich der Unternehmenskommunikation arbeitet. "Von der Tragödie habe ich bereits als Kind gehört. Schon früh hat es mich gereizt, mehr über die Hintergründe der Geschichte zu erfahren", sagt er in einer Pressemitteilung. Da die historischen Quellen wenig Auskunft gegeben hätten, habe er seine eigene Antwort gefunden. red