Deutschland ist in der WM-Vorrunde ausgeschieden, das mag viele treffen. Dass es jedoch noch andere Ereignisse in der deutschen Geschichte gibt und gab, die zutiefst berühren, beunruhigen und aufwühlen, das zeigte eine Lesung in der Kulmbacher Stadtbücherei.
Etliche Interessierte waren der Einladung der stellvertretenden Landrätin Christina Flauder und des Stadt- und Kreisrats Thomas Nagel gefolgt und ließen sich vom Berliner Autor Gunnar Kunz in die Weimarer Republik entführen.
"Schwarze Reichswehr" lautet der Titel seines nahezu druckfrischen Kriminalromans, in dem Kommissar Gregor Lilienthal im Jahr 1927 in einem Mordfall ermittelt. Durch die Umstände wird er gezwungen, sich noch einmal seiner Vergangenheit zu stellen: dem Schrecken des Ersten Weltkriegs und der Revolution von 1918/19.


Parallelen zur Gegenwart

100 Jahre sind seit der Gründung der Weimarer Republik vergangen, eine parlamentarische Demokratie, die mit der NS-Machtergreifung im Januar 1933 endete. "Es gab verschiedene Gründe für das Scheitern", sagte Thomas Nagel, allen voran der Versailler Vertrag, das antidemokratische Denken der Bevölkerung, die ökonomische Krise und die Spaltung der Arbeiterbewegung. "Dann kam der Aufstieg der NSDAP, und die anderen Parteien dachten, die könnten sie kontrollieren."
Dabei könne man durchaus Parallelen zur Gegenwart herstellen. "Wehret den Anfängen", sagte Nagel.
Auch Autor Gunnar Kunz nimmt nach seinen aufwendigen Recherchen die Gegenwart mit anderen Augen wahr. In seinem Roman schildert er die beklemmende Situation der Ausbreitung der Hakenkreuzträger, beschreibt die fragwürdigen Methoden bei der ärztlichen Behandlung von Soldaten. Damit seine Romane authentisch sind, kommen neben fiktiven Personen auch reale zu Wort.
Er recherchierte im Internet, in Bibliotheken oder im Zentrum für Berlinstudien. Auch mit Zeitzeugen konnte er spezifische Interviews führen, und in einer Dissertation fand er alle notwendigen Informationen über die Kosmetika in der Weimarer Republik. "Das war wichtig für Szenen in einem Friseursalon aus einem meiner vorherigen Bücher", erzählte er.


Zwölf Bände geplant

"Schwarze Reichswehr" ist inzwischen Band 6 einer Krimireihe, die Kunz bis ins Jahr 1934 fortführen will, insgesamt sind also zwölf Bände geplant. "Meine Figuren verändern sich über die Jahre, und jede muss irgendwann Farbe bekennen."
Von der unglaublichen Bildsprache des Autors zeigte sich Christina Flauder fasziniert: "Man hat das Gefühl, dass man den Weg mitgeht."