Seit zwei Jahren steht die Kirchengemeinde der Kulmbacher Kreuzkirche buchstäblich im Regen: Das Kupferdach des denkmalgeschützten Kirchenbaus ist undicht. "Bei starkem Regen müssen wir quasi vor jedem Gottesdienst erst einmal wischen", erklärte Pfarrer Jürgen Singer in einer Gemeindeversammlung am Sonntagvormittag. Zwar sei 1993 eine Renovierung mit Überholung des Flachdaches durchgeführt worden, aber es komme immer wieder zu Wassereintritten ins Mauerwerk, die deutlich als Wasserflecken im Innenraum sichtbar seien.

Um die Schadensursache festzustellen, wurden 2019 Voruntersuchungen durchgeführt, die ergaben, dass das Kupferblechdach defekt ist. "Hier geht es nicht um Schönheitsreparaturen oder darum, uns eine goldene Badewanne einzubauen, sondern es geht um den Erhalt unserer Kirche", sagte Pfarrer Singer. Und damit war er gleich beim Thema, denn die Kirchengemeinde sei aufgerufen, sich bewusst zu machen, dass es sich nicht einfach um irgendeinen Bau handele, sondern um ihre Kirche. "Die Kirche, in der sie vielleicht getauft wurden, in der sie konfirmieren oder einmal heiraten wollen."

Kosten 342 100 Euro

Die geschätzten Gesamtkosten für die notwendigen Renovierungsarbeiten belaufen sich nach Auskunft von Timo Simon, beratender Ingenieur beim beauftragten Architekturbüro Drenske Architekten, auf 342 100 Euro. "Wir erstellen aktuell die Ausschreibung, weshalb noch keine Ausschreibungsergebnisse vorliegen."

Fest steht jedoch der Baubeginn der Maßnahmen, und zwar direkt nach dem geplanten Gemeindefest am 20. Juni. "Die Goldene Konfirmation am 13. Juni kann noch stattfinden", erklärte Pfarrer Singer, und auch die Konfirmation am 18. Juli sei nicht gefährdet, da in zwei Bauabschnitten gearbeitet werde."Zunächst wird ab dem 21. Juni der hintere Teil der Kirche eingerüstet, sodass der vordere Kirchenteil noch genutzt werden kann." Im Anschluss werde das Gerüst in den vorderen Teil verlegt. "Vielleicht verlagern wir bei guter Witterung auch ein oder zwei Gottesdienste ins Freie, auf jeden Fall ist geplant, die Arbeiten bis Ende Oktober abgeschlossen zu haben."

Für die dringend notwendigen Renovierungen, darunter auch eine Erneuerung der veralteten Elektrik, erhält die Kreuzkirche zum einen 71 500 Euro aus Mitteln der öffentlichen Hand, darunter die Oberfrankenstiftung, die Bayerische Landesstiftung und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. 114 000 Euro steuert die Landeskirche bei.

"Das bedeutet, dass wir 90 000 Euro mit Darlehen und Spenden selbst finanzieren müssen, denn für den gesamten Restbetrag von 156 500 Euro reichen unsere Rücklagen nicht aus", erläuterte Singer. Seit 2019 habe es bereits diverse Benefizveranstaltungen zugunsten der Kirchensanierung gegeben, jedoch konnten 2020 aufgrund der Pandemie keine Konzerte oder sonstigen Veranstaltungen stattfinden.

Doch die Kirchengemeinde war kreativ und konnte zur Gemeindeversammlung mit verschiedenen Ideen zur Geldbeschaffung aufwarten.

Zum einen werden Konfirmanden und sonstige Gemeindemitglieder mit Spendendosen in ihrer Nachbarschaft um eine Gabe bitten. "Bei unserem Gemeindefest, so es denn stattfinden kann, sollen die Spendenbüchsen dann ‚geschlachtet' werden", erklärte Erich Hastreiter, Vertrauensmann des Kirchenvorstands.

Aktion "5 x 5 = 30 000"

Darüber hinaus habe man sich die Aktion "5 x 5 = 30 000" ausgedacht. "Wir haben 500 Karten drucken lassen, auf denen man eine Einverständniserklärung über einen Dauerüberweisungsauftrag von 5 Euro pro Monat über 5 Jahre unterschreiben kann". Wenn nur 100 Gemeindemitglieder sich beteiligten, würde das schon 30 000 Euro Einnahmen bedeuten. Weiterhin gibt es Spendenaktionen in Verbindung mit einem "Licht der Hoffnung", oder es ist eine Fahrradputzaktion geplant, bei der freiwillige Helfer gegen eine Gebühr Fahrräder säubern. "Uns ist bewusst, dass nicht jeder viel Geld beisteuern kann", sagte Erich Hastreiter, aber gemeinsam könnte man sicher viel erreichen.

Pfarrer Jürgen Singer bedankte sich bei seiner Gemeinde für deren Einsatz und nutzte die Gelegenheit der Gemeindeversammlung, sich auch noch bei Rainer Grampp offiziell zu bedanken. "Seit 20 Jahren versieht er seinen Dienst an unserer Orgel, das muss gewürdigt werden."