Stephan Herbert Fuchs

Knapp 11 000 Euro soll eine 61-jährige Rentnerin aus Kulmbach vom Konto ihrer betagten Schwiegermutter abgeräumt haben. Weil ihr das nicht nachgewiesen werden konnte, musste das Gericht ein Verfahren gegen die Frau wegen Untreue einstellen. Die Frau hatte ihrem mittlerweile getrennt lebenden Ehemann die Tat in die Schuhe geschoben, während der angab, von nichts gewusst zu haben. "Gelogen worden ist da schon", sagte Richterin Sieglinde Tettmann. Die Frage ist, von wem.

Die an Demenz leidende Seniorin war im Herbst 2018 in ein Pflegeheim gekommen. Weil sich keiner der Angehörigen um sie gekümmert hatte und auch keinerlei Kosten übernommen wurden, wandte sich das Heim an das Gericht; dieses wiederum setzte eine Betreuerin ein. Die Betreuerin musste bei der Überprüfung der Vermögensverhältnisse der alten Frau bald feststellen, dass von deren Konto per EC-Karte regelmäßige Abhebungen in nicht unbeträchtlicher Höhe erfolgt sind. Da erstattete die Betreuerin Anzeige gegen Unbekannt. Infrage kamen allerdings nur der Sohn, der eine Kontovollmacht hatte, und die Schwiegertochter.

Nachdem alle Ermittlungen auf die Schwiegertochter hinausgelaufen waren, wurde sie wegen Untreue angeklagt. Sie habe damit nichts zu tun, beteuerte die Frau vor Gericht. Also vernahm das Gericht ihren getrennt lebenden Ehemann. Auch er gab sich ahnungslos: "Was mit dem Geld passiert ist, weiß ich nicht", sagte der 71-jährige Rentner. Niemals habe er unberechtigterweise Geld von seiner Mutter abgehoben.

Jahrelang habe seine Frau die Mutter gepflegt, irgendwann habe es dann aber nur noch Streit gegeben. Während der letzten eineinhalb Jahre, in denen die Frau zu Hause lebte, habe er dann die Pflege übernommen, bis es nicht mehr ging. Erst habe er seine Mutter zur Kurzzeitpflege gegeben, dann in die Obhut eines Pflegeheims. Er selbst habe erst von der Bank und dann von der Polizei von den Untreuevorwürfen erfahren.

Das bestätigte auch sein Sohn, der zugleich Stiefsohn der Angeklagten ist. Das Geld seiner Oma habe seine Stiefmutter verwaltet, behauptete der 38-jährige Arbeiter. Sein Vater habe sich schon deshalb nicht darum kümmern können, weil er gesundheitlich angeschlagen ist.

Ganz so harmonisch, wie geschildert, lief das Familienleben dann aber offensichtlich doch nicht ab. Die Betreuerin gab beispielsweise an, dass die alte Dame im Heim, auch schon während der Zeit vor Corona, nicht ein einziges Mal Besuch vom Sohn oder von der Stieftochter bekommen habe. Auch die Einlieferung in das Heim sei anders abgelaufen als geschildert. "Mit Sack und Pack wurde die alte Frau am Eingang abgestellt, das war es dann", schilderte die Betreuerin.

Eine Sache fehlte damals allerdings bei den Sachen der Seniorin, und das war ihre EC-Karte, mit der die Abhebungen getätigt wurden. Laut der Betreuerin sind die Heimkosten der alten Frau in mittlerweile beträchtlicher Höhe noch immer offen.

Schnell wurde allen Prozessbeteiligten klar, dass die Sache wohl nicht mehr aufzuklären ist. "Alles ist möglich, aber auch nicht möglich", beschrieb der Verteidiger Frank Stübinger die verfahrene Lage. "Gelogen worden ist auf jeden Fall, wir wissen halt nicht, von wem", sagte Richterin Sieglinde Tettmann bei der Verkündung der Einstellung des Verfahrens.