Stephan Herbert Fuchs

Ein 53-jähriger Handwerker aus Kulmbach war einkaufen gegangen und hatte seinen Wohnungsschlüssel vergessen. Also trat er beim Nachhausekommen kurzerhand seine eigene Wohnungstür in einem Kulmbacher Mehrfamilienhaus ein. Seiner Vermieterin gefiel das gar nicht: Weil der Mann ohnehin mit der Miete im Rückstand war, erstattete sie Anzeige. Wegen Sachbeschädigung hat ihn das Amtsgericht jetzt zu 600 Euro Geldstrafe verurteilt.

Schaden von rund 250 Euro

Er habe noch versucht, seine Vermieterin zu erreichen, sagte der Angeklagte bei der Hauptverhandlung. Doch vergebens, die 82-jährige Wohnungseigentümerin war gerade nicht da. Also trat er kurzerhand mit dem Fuß mehrmals so heftig gegen sie Wohnungstür, dass ein Schaden von rund 250 Euro entstand.

"Ist doch alles längst wieder gerichtet", sagte der Angeklagte. Er habe ein neues Türschloss angebracht, neue Griffe und eine Verblendung.

"Nichts ist gerichtet", sagte dagegen die Wohnungseigentümerin in ihrer Zeugenaussage. So könne man das nicht lassen, da sei schon eine neue Tür notwendig.

Die Baumärkte seien die ganze Zeit geschlossen gewesen. Wo hätte er denn da eine neue Tür besorgen sollen, argumentierte der Angeklagte.

Ganz offensichtlich ist die beschädigte Wohnungstür bei dem Mietverhältnis nur eines von vielen Problemen. Nach Aussage der Vermieterin lautet der Mietvertrag gar nicht auf den Angeklagten, sondern auf dessen Bruder. Trotzdem bewohne der Angeklagte die Räumlichkeiten.

Ein Polizeibeamter berichtete außerdem von einer angeblich gestohlenen Satellitenschüssel, deren Verbleib bislang nicht geklärt werden konnte. Auch eine Urkundenfälschung stehe im Raum, sagte der Beamte der Polizei-Inspektion Kulmbach.

Mehrere Vorstrafen

In seinem Vorstrafenregister waren beim Angeklagten bereits mehrere Strafen wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hehlerei und Körperverletzung aufgelistet. Sogar eine dreijährige Haftstrafe musste er bereits wegen schweren Diebstahls in zahlreichen Fällen absitzen.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte deshalb eine Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro (800 Euro). Die Höhe des Tagessatzes ist mit zehn Euro deshalb relativ niedrig angesetzt, weil der Mann derzeit nur einer geringfügigen Beschäftigung nachgeht. Der Anklagevertreter hielt ihm dabei zugute, dass er die Beschädigung zugegeben und die Tür zumindest provisorisch wieder repariert hatte.

Verteidiger Ralph Pittroff aus Kulmbach sah 40 Tagessätze zu zehn Euro (400 Euro) als ausreichend an. Sein Mandant bereue die Sachbeschädigung und habe Schuldeinsicht gezeigt.

Nicht nur weil es die "goldene Mitte" ist, sondern auch, weil sie es für angemessen hielt, entschied Richterin Sieglinde Tettmann auf 60 Tagessätze zu jeweils zehn Euro. Der Angeklagte habe alles zugegeben, es habe sich um eine Spontantat gehandelt und er habe sogar noch versucht, die Vermieterin zu erreichen. Wenn der Schaden auch noch nicht wieder gutgemacht wurde, so habe der Angeklagte doch die Funktionsfähigkeit der Wohnungstür mittlerweile selbst wiederhergestellt.