Manfred Wagner

Nicht immer, wenn vor dem Amtsgericht in Haßfurt eine Verhandlung wegen Körperverletzung angesetzt ist, handelt es sich um eine Schlägerei in einer Diskothek oder Kneipe. Mitunter geht es um häusliche Gewalt. Auf der Anklagebank saß diesmal ein Familienvater (52), weil er seine 13-jährige Tochter mit einer Leichtmetallstange auf den Oberschenkel geschlagen hatte. Wegen dieser gefährlichen Körperverletzung wurde der Mann zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe und 2500 Euro Geldauflage rechtskräftig verurteilt.
Am Nachmittag des 24. Juli letzten Jahres eskalierte die Situation in der Familie. Rechtsanwalt Alexander Wessel verlas im Auftrag seines Mandanten eine Erklärung. Darin gestand dieser die Tat und schilderte sein Motiv. Demnach gab es zwischen dem Vater und seinen beiden Töchtern einen heftigen Streit, in dessen Verlauf die Tür zum Kinderzimmer zu Bruch ging. Darüber war der Angeklagte so erzürnt, dass er nach seinen eigenen Worten "die Beherrschung verlor".


Völlig verstört

Er schnappte sich eine Leichtmetallstange, wie sie zur Aufzucht von Tomaten benutzt wird, und warf sie auf sein Kind. Dabei verletzte er das Mädchen am Oberschenkel. Gleich danach, erklärte er in seiner Einlassung, habe er seine Tat bereut. "Ich habe mich geschämt", bekannte der Angeklagte.
Die Töchter flüchteten damals verzweifelt zu zwei Nachbarsfrauen. Diese erinnerten sich im Zeugenstand, dass die Mädchen seinerzeit völlig aufgelöst und verstört waren. "Sie haben geweint und gezittert", sagte eine der Nachbarinnen. Daraufhin alarmierte sie die Polizei, die kurz darauf mit einer Streife eintraf und alles aufnahm.
So kamen in der Folge die Staatsanwaltschaft und das Jugendamt ins Spiel. Weil eine Metallstange als "Tatwerkzeug" benutzt wurde, ermittelte die Anklagebehörde wegen einer gefährlichen Körperverletzung. Das Jugendamt ordnete an, dass die Töchter in einer Pflegefamilie untergebracht wurden. Seit wenigen Tagen, erfuhr man im Gerichtssaal, sind die Mädchen wieder in ihrer ursprünglichen Familie bei Vater und Mutter.
Amtsrichter Martin Kober, der auch langjährige Erfahrung als Familienrichter hat, warnte den Beschuldigten davor, nochmals derart "katastrophale Erziehungsmethoden" anzuwenden. Wenn Väter gegen ihre eigenen Kinder gewalttätig werden, erläuterte er das gängige Prozedere, beurteilt ein Sachverständiger im Auftrag des Jugendamtes, ob die Schutzbefohlenen nicht besser in einer Pflegefamilie oder in einem Heim aufgehoben sind. Zu ihren Eltern kommen die Kinder nur dann zurück, wenn gewährleistet ist, dass sie nicht wieder geschlagen werden, betonte Kober. Da der Mann bislang keine Vorstrafe hat, hofft der Vorsitzende, dass es sich bei dem Vorfall um einen "einmaligen Ausrutscher" handelt.
Durch das umfassende Geständnis ersparte der Angeschuldigte seinen Töchtern, in den Zeugenstand treten zu müssen. Sein letztes Wort nutzte er reumütig dazu, sich bei allen Beteiligten zu entschuldigen und zu versprechen, dass so etwas nie wieder passieren werde. Seitens der Staatsanwaltschaft forderte Andrea Götz eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten, während der Verteidiger sieben Monate für angemessen hielt. Der Richterspruch lag dazwischen, und die damit verbundene Geldauflage von 2500 Euro entspricht einem Monatslohn. Die Geldsumme muss bis spätestens 10. Juni an den Jugendhilfefonds Haßberge überwiesen werden.