G ott sei Dank. Jetzt staubt es wieder auf den Feldern, die Mähdrescher fahren, und die Schnitternte kann eingebracht werden. Nach langer Trockenheit gab's dann viel Regen, aber jetzt ist es doch wieder gut, die Felder sind befahrbar, und es kann gedroschen werden, und viele Felder sind schon abgeerntet.
Bei aller Technisierung der Landwirtschaft und den Eingriffen des Menschen in die Abläufe der Natur, meine ich, sind wir dennoch abhängig von Gottes Wohlwollen, von seinem Segen. Sicher, in früheren Generationen war diese Abhängigkeit den Menschen viel bewusster, sie empfanden sie elementarer. Alte Leute erzählen aus ihrer Kindheit zum Beispiel dies: Wenn ein Gewitter heranzog, versammelte sich die Familie zum Gebet um gnädige Bewahrung. Und man vergas auch das Danken nicht, wenn es abgezogen ist, ohne Schaden anzurichten. Man dankte ebenso für das tägliche Essen und wusste, wie viel Arbeit dahinter steckt, dass Menschen sich satt essen können. Auch gab es in früherer Zeit die Tradition der Erntebitttage. Da wurden biblische Texte wie dieser gelesen:
Wenn du Gottes Gebote achtest, wird dich der Herr, dein Gott, segnen. Gesegnet bist du in der Stadt, gesegnet bist du auf dem Land. Gesegnet ist die Frucht deines Leibes, die Frucht deines Ackers und die Frucht deines Viehs, die Kälber, Lämmer und Zicklein.
Gesegnet ist dein Korb und dein Backtrog. Gesegnet bist du, wenn du heimkehrst, gesegnet bist du, wenn du ausziehst (5. Mose - Deuteronomium - Kapitel 28 i.A.).
Dieser Text ist aus der Zeit der sesshaft werdenden Israeliten, die als Nomaden mit ihren Viehherden unterwegs waren, abhängig vom Bestand der Herden und den Feld-
erträgen. Auch uns Heutigen tut es gut, die Dinge des täglichen Lebens mit Dankbarkeit dem Schöpfer und Erhalter der Welt gegenüber zu genießen, sie sorgfältig und achtsam zu gebrauchen. Das tägliche Brot, das Trinkwasser gehören dazu und unser Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen überhaupt. Die Wegwerfmentalität passt irgendwie nicht zu Erntebitt- und Erntedanktagen. Und sie ist höchst ungerecht im Blick auf die Weltbevölkerung.
Gottes Segen - in obigem Text wird er in Verbindung gebracht mit der Beachtung der Gebote. Irgendwie erscheint das einleuchtend: Wie kann ich mir ständig Gutes erwarten von einem, den ich ansonsten nicht beachte?
Und Gottes Gebote bringt Jesus Christus auf eine einzige kleine Formel: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst."

(Robert Hager ist evangelischer Diakon in der Kirchengemeinde Rügheim-Kleinmünster.)