Mit dem Stück "Der Schimmelreiter" feierten die Schauspieler der Unterfränkischen Landesbühne Erfolge auf der Bühne, ein Jugendstück hatten sie bereits am Start. Doch dann kam die Corona-Krise. Was tun, wenn man nicht mehr spielen und proben kann, wenn nicht mal absehbar ist, wann die wegen der Pandemie angesetzte Theaterpause zu Ende sein wird? Da ist guter Rat teuer, macht Theaterchefin Anne Maar klar.

Schließlich hatte jemand aus dem Ensemble die Idee, einen Schauspiel-Blog auf der Homepage des Schlosstheaters einzurichten. Dort könnte man Vorstellungen aus dem Archiv zeigen, die die Theaterleute selbst mitgefilmt hatten. "Anna Karenina" war inzwischen schon zu sehen. Das Kinderstück "Max und Moritz" ist gerade online gegangen. "Wir wollten ein bisschen präsent bleiben", sagt Maar, wenngleich ihr klar ist: "Wir sind ja irgendwie Handwerker, wir leben vom direkten Kontakt zum Publikum, und können nicht so tun, als ob wir die Menschen jetzt so einfach online unterhalten werden."

Hoffen auf die Freilichtbühne

Alle hoffen jetzt, erklärt Anne Maar weiter, dass die Ausgangsbeschränkungen nicht zu lange greifen müssen, so dass man im Juni möglicherweise wieder Vorstellungen geben kann. "Wir würden gerne wenigstens auf der Freilichtbühne spielen." Vielleicht sei es bis dahin möglich, wenigstens 100 Zuschauer einzulassen, die in größerem Abstand auf der Tribüne Platz nehmen könnten. "Wir würden halt öfter spielen als sonst." Dann würde es auch nur zwei Sommer-Aufführungen geben, für die man freilich noch proben müsste.

Mit den Proben zu "Honig im Kopf" hatten die Schauspieler bereits vor Corona begonnen. Möglicherweise könne man dann in absehbarer Zeit das Stück wenigstens mit großen Abständen zwischen den Schauspielern auf der Bühne einüben. Das Gleiche gelte fürs Kinderstück, das man im Sommer vielleicht mit einer begrenzten Anzahl von Besuchern stattfinden lassen kann, sagt Anne Maar. Andererseits weiß sie von einem anderen Bundesland bereits, dass dort Schulen angehalten wurden, in absehbarer Zeit keine außerschulischen Veranstaltungen zu besuchen.

Soforthilfe bereits eingetroffen

Wie sie und ihre 40 Mitarbeiter nun finanziell über die Runden kommen? Die Theaterchefin atmet am Telefon hörbar durch. "Für einen Monat schaffen wir es jetzt auf jeden Fall erst mal", zeigt sie sich zuversichtlich. Das Theater habe zwar jetzt keine Einnahmen, aber der vom Freistaat angekündigte Zuschuss sei auf dem Konto eingegangen. Dann habe man in Berlin nachgebessert, ein zweites Soforthilfe-Programm wurde aufgelegt. "Wir werden dann für die Zeit nach dem 15. April einen weiteren Antrag stellen. Dass man für die nahe Zukunft nicht planen kann, sei "zermürbend", so die Theaterleiterin weiter. "Denn auch der Bühnenbildner will ja nun wissen, ob er die oder jene Kulisse nun bauen soll oder nicht." Zudem habe sie für das Kinderstück Gast-Schauspieler von auswärts engagiert. "Da stellt sich dann die Frage, gelten diese Verträge nun oder nicht?"

Die Sorge um die Zukunft beschreibt Anne Maar als Wellenbewegung: "Manchmal denke ich, ja, das wird schon alles klappen. Und dann wieder bin ich ratlos und überlege, ob dann die Insolvenz droht und ich alle Mitarbeiter entlassen muss." Denn schließlich habe sie als Theaterleiterin ja die Verantwortung für alle.

Als sie hörte, dass an anderen Theatern Corona-Masken für den Mund genäht werden, habe sie sich mit den Schneiderinnen in der Kostümwerkstatt beraten, so die Theaterchefin weiter. Alle hätten sich bereit erklärt mitzumachen. Über die sozialen Medien startete man einen Aufruf - mit durchschlagendem Erfolg, erzählt Maar. Denn einer der Abonnenten des Schlosstheaters erfuhr davon und erzählte es an seinem Arbeitsplatz, dem Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt, weiter. Inzwischen hat das Krankenhaus 1000 dieser Mundbedeckungen bestellt.

Gummibänder werden knapp

Auch der Landkreis habe angefragt und auch Stoff vorbeigebracht. Die drei Schneiderinnen Jutta Reinhard, Daniela Zepper und Daniela Schüller nähen, die Schauspieler helfen dann gelegentlich bei kleineren Arbeiten, sagt Maar. Maßbacher Bürger haben Etliches an Bettwäsche gespendet. "Bloß die Gummibänder und das weiße Schrägband werden allmählich knapp, weil wir auch nirgends etwas nachkaufen können."

Deshalb fände Maar es prima, wenn alle, die solche Näh-Zutaten zu Hause im Nähkorb haben, jetzt an die Maßbacher Schneiderinnen denken und vielleicht ihre Gummibänder spenden würden. Info: E-Mail: kasse@theater-massbach.de; Tel.: 09735/235.