Die Corona-Pandemie schafft einige Probleme im Alltag: Zum Beispiel ist überall Hygiene gefordert. Aber wie soll man es vermeiden, Türgriffe anzufassen? Oder: Wie lassen sich 1,50 Abstand zu anderen einhalten, wenn die Gehwege eng sind, daneben Autos parken und sich auf der verbleibenden Fahrspur noch Autos drängeln?

Zwei Probleme, die für das Projekt "Coburg contra Corona" der Hochschule Coburg eingereicht wurden. Die Fragestellungen kamen von den Coburgern, die Lösungen auch - das ganze Projekt beruhte auf Mitmachen und Freiwilligkeit, wie Verena Blume erläutert. Sie arbeitet in der "Creapolis" der Hochschule, die allen die Möglichkeit bietet, mitzuarbeiten. Gleiches galt für "Coburg contra Corona": Anfang April waren die Coburger aufgerufen, Corona-bedingte Probleme zu nennen, die der Lösung bedürfen. Über 70 Vorschläge kamen so zusammen, berichtet Blume. Das Spektrum reichte von Alltagsfragen bis zu grundlegenden. Gleichzeitig fanden sich über 100 Freiwillige, die an der Lösung dieser Probleme arbeiten wollen. "Vom Schüler bis zum Unternehmer, Mitarbeiter der Hochschule und der Stadt", fasst Blume zusammen.

Lösungsvorschläge gibt es jetzt nicht nur für das Türgriff-Problem (per 3D-Druck einen Hebel fertigen, der es ermöglicht, die Tür mit dem Ellenbogen zu öffnen), sondern auch für die Frage, wie das mit dem Abstand zum Nebenmann verbessert werden könnte. "#raum spenden" hat sich die sechsköpfige Gruppe genannt, die dieser Frage nachging. Sie verfolgt zwei Ansätze: Zum einen sollten alle Menschen sensibilisiert werden, dass sie Abstand halten sollen. Zum anderen gehe es darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass man Abstand halten kann, sagt Marie Fischer, eine der Hochschulstudentinnen aus der Gruppe. Damit die Coburger die Hinweise freundlich, vielleicht gar mit einem Schmunzeln, aufnehmen, setzt die entsprechende Plakatkampagne auf Coburger Motive: Bratwürste, Klöße, Bierkrüge und Sambatrommeln dienen als Abstandsmaß.

Grafisch umgesetzt wurde das von Kathrin Planner, die sich als Kommunikationsdesignerin gerade selbstständig gemacht und Corona-bedingt derzeit nicht viel zu tun hat. Nun hängen 45 ihrer Plakate im Stadtgebiet, etwa 1000 Postkarten sollen in den Geschäften verteilt werden. Außerdem wurde ein "Werkzeugkasten" gestaltet, ein Leporello mit Tipps, wie jeder im Alltag dazu beitragen kann, dass Abstände eingehalten werden. Zum Beispiel, indem mit Kreide Kreise von 1,50 Metern Durchmesser auf den Boden gemalt werden, um zu signalisieren, in welchem Abstand man sich stehend unterhalten kann.

Aber manchmal reicht der Patz schlicht nicht, wie Marie Fischer und ihre Kommilitonin Alicia Madlangbayan in der Webergasse zeigen: Der Bürgersteig ist an manchen Stellen keine 1,50 Meter breit, und Fußgänger müssen zwischen parkenden Fahrzeugen auf die Straße ausweichen. Dann droht vielleicht nicht mehr die Gefahr der Infektion, aber der Kollision. Eine mögliche Lösung: So lange die Corona-Abstandsregeln im öffentlichen Raum gelten, werden die Parkplätze gesperrt. Zumindest in der Webergasse ist das nächste Parkhaus (Mauer) nicht weit weg. Oder: Die Straße wird als "Shared Space" ausgewiesen, wo alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind.

Mit Ina Sinterhauf ist zufällig auch ein Stadtratsmitglied in der Arbeitsgruppe. Sie wolle über die Grünen-Fraktion einen entsprechenden Antrag einbringen, sagt sie. In einem ersten Gespräch mit Oberbürgermeister Dominik Sauerteig habe dieser sich sehr offen für Anregungen gezeigt. Auch habe das Ordnungsamt der Stadt schnell und unbürokratisch genehmigt, dass die Plakate aufgehängt werden durften, lobt Sinterhauf.