"Das Baugewerbe hat eine hohe Verantwortung", davon ist Professor Markus Weber überzeugt. Er leitet den Masterstudiengang Ressourceneffizientes Planen und Bauen an der Hochschule Coburg. Die Baubranche sei einer der größten Abfallproduzenten mit jährlich über 200 Millionen Tonnen in Deutschland. Die Verwertungsquote der Bauabfälle liege mit 92 Masseprozent sehr hoch und sei vergleichbar mit den Verwertungsquoten von Glas und Papier. Allerdings machten die rezyklierten Gesteinskörnungen nur circa 13 Masseprozent des Bedarfes an allen Gesteinskörnungen in Deutschland aus, resümierte Markus Weber bei der Veranstaltung "Innovation durch Dialog" der Hochschule Coburg. Bei der zweiten Ausgabe der Reihe setzten sich die Teilnehmer mit dem Thema "Ressourcenschonendes Bauen" auseinander.

Es gibt kaum Abnehmer

Hier bestehe Handlungsbedarf, zum Beispiel durch geringeren Materialeinsatz und Verwendung von Baustoffen mit niedrigem Schadstoffgehalt. Markus Weber erläuterte, erschwerend komme hinzu, dass die rezyklierten Gesteinskörnungen zwar die heutigen technischen Anforderungen und umweltrelevanten Maßgaben erfüllten, aber nur eine geringe Akzeptanz bei den Abnehmern hätten. "Das führt zu einem untergeordneten Einsatz im Erd- und Straßenbau", so Markus Weber.

Diese Problematik kennt auch Max Schultheiß, der bei Angermüller Bau, Untersiemau, die Oberbauleitung innehat. Die mangelnde Akzeptanz habe das Unternehmen allerdings nicht davor zurückschrecken lassen, innovative Möglichkeiten zu suchen, um Bauschutt wieder zu verwenden. In dem Zerkleinerer seines Unternehmens, der wie ein riesiger Nussknacker funktioniert, würden Betonteile, Stahlbetonbruch, Ziegel oder Keramik eingefüllt. Wie Schultheiß erklärte, zermalmt die Maschine das Material je nach Ausgangsstoff und gewünschtem Endprodukt stärker oder schwächer. Das Ergebnis reiche von Sand bis zu gröberem Material, das als Schotter-Ersatz verwendet wird. Das Material finde zahlreiche Einsatzmöglichkeiten im Tiefbau.

Auch für Hochbau verwendbar?

Den Einsatz im Hochbau erprobe Angermüller Bau in einer kooperativen Bachelorarbeit mit der Hochschule Coburg. Max Schultheiß ist stolz auf die vielversprechenden Ergebnisse: "Die Verwendung des rezyklierten Bauschutts ist günstig, weil eine teure Entsorgung entfällt, und ist gleichzeitig nachhaltig, weil Ressourcen geschont werden."

"Die Architektur ist per se ressourcenintensiv und nicht ressourceneffizient", stellte der Coburger Architekturprofessor Frank Lang bei der Veranstaltung fest. Dennoch könne Architektur sehr wohl auch auf Zeit und Sparsamkeit ausgelegt sein. Professor Lang sieht hier auch die Hochschulen in der Pflicht, die die Architektinnen von morgen ausbilden. Und sie seien auf einem guten Weg: "Wir bilden unsere Architektur-Studierenden als Problemlöser aus. Sie sollen den Mut haben, zu hinterfragen, ob neu bauen immer die beste Lösung ist", sagte Frank Lang.

Doch dafür brauche es neben Mut und einer Kultur des Experimentierens vor allem die Expertise, Baukonzepte ganzheitlich zu verstehen und sie in einem größeren ökonomischen, ökologischen und sozialen Rahmen zu denken.

So schlägt Frank Lang vor, zwischen zwei Bautypen zu differenzieren. Zum einen fixe Bauten, die auf eine dauerhafte Nutzung angelegt sind und einen hohen Ressourceneinsatz rechtfertigen. Und zum anderen Bauten mit einer begrenzten Lebensdauer. Sie sollten mit minimalem Ressourceneinsatz und der Möglichkeit zum Rückbau und zum Recycling realisiert werden.

An der zweiten Ausgabe der Veranstaltungsreihe "Innovation durch Dialog" nahmen gut 30 Personen teil. red