Dass die Front immer näher rückte, war für jeden durch den Wehrmachtsbericht in den Zeitungen offensichtlich. Besonnene Bürger Herzogenaurachs überlegten sich daher, wie man sich in der Stadt beim Nahen der feindlichen Truppen verhalten sollte.

Das Oberkommando der Wehrmacht gab am 6. April bekannt, dass Pressburg und Gotenhafen verloren waren, Breslau und Königsberg wurden zu Festungen erklärt. Die US-Amerikaner standen an der Westfälischen Pforte, bei Rinteln, Hameln und Siegen. "Zwischen Fulda und dem Main-Dreieck, südöstlich Würzburg, erwehren sich unsere Truppen zäh des überall vordrängenden Feindes." Die gegnerischen Streitkräfte standen ebenfalls bei Heilbronn und Karlsruhe.

Wenn jemand den lauten Kanonendonner, der bereits in Herzogenaurach zu hören war, als Frontschießen bezeichnete, dann "wurde er gemaßregelt und die Antwort lautete: ,Das ist Übungsschießen.‘", notierte eine Maria-Ward-Schwester in ihren Aufzeichnungen.

Lebensbedrohlich wirkte sich dagegen die Überlegenheit der alliierten Streitkräfte in der Luft aus. Dies bekamen auch die Einwohner der Aurachstadt hautnah zu spüren: "Die Flugüberfälle mehrten sich unheimlich, man war auf dem Felde, auf der Straße seines Lebens nicht mehr sicher. Wer es ja einmal wagte, am Sonntagnachmittag spazieren zu gehen, kam gewöhnlich mit unliebsamer Verspätung heim, weil man bei Bordwaffen-Beschuss durch Tiefflug oft lange Zeit in einem Wald verbrachte oder sich in den Straßengraben legen musste."

Selbst der Weiße Sonntag am 8. April 1945 wurde in Herzogenaurach erheblich von Fliegern gestört. "Es konnte kein feierlicher Auszug aus dem Gotteshaus sein, ganz still verließen sie gleich nach Beendigung der heiligen Messe die Kirche und gingen mit ihren Angehörigen heim; nicht ohne Gefahr war das für die Auswärtigen. Man meinte, die ,Terror-Flieger, hätten es gerade auf die Kinder abgesehen, und immer wieder mussten sie sich in Deckung begeben."

Volkssturm musste antreten

In Anbetracht dieser Tatsachen wurden in Herzogenaurach die letzten Kräfte mobilisiert, um die Stadt beim Näherrücken des Feindes verteidigen zu können. Am 8. April 1945 musste der Volkssturm im Weihersbach antreten. Kreisleiter Wachsmuth und Ortsgruppenleiter Markus Sehring ordneten die Verteidigung der Stadt an. Andere, die offensichtlich zu "laut" über eine kampflose Übergabe nachgedacht hatten, wurden am selben Tag nachts um 23.30 Uhr verhaftet und ins Gefängnis verbracht, das sich damals noch in einem eigenen Gebäude innerhalb des Schlossareals befand. Dazu gehörten Bürgermeister August Wirth und Stadtamtmann Hans Schürr. Lehrer Georg Barnikel hatte sich abgesetzt und entging dadurch der Verhaftung in Herzogenaurach. Offensichtlich wurde er jedoch in Forchheim arrestiert. Die Betreffenden wurden außerdem am 8. April 1945 aus der Partei ausgestoßen.

Wie sich Stadtamtmann Hans Schürr erinnerte, wurden er und August Wirth eine Woche später, am Samstag, 14. April, gegen 14.30 Uhr vernommen und gegen 22.30 Uhr in den Hausarrest entlassen. Dass in der Zeit vom 8. bis 14. April der Zweite Bürgermeister August Wirth, Stadtinspektor Hans Schürr und Hauptlehrer Barnikel verhaftet worden waren, weil sie den Vorschlag machten, die Stadt kampflos dem Feind zu überlassen, blieb den Herzogenaurachern nicht verborgen. Aber auch, dass nur wenige Tage später Ortsgruppenleiter Apotheker Markus Sehring und der nunmehrige Zweite Bürgermeister Hans Sieder die Stadt heimlich verließen.

Noch kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner rückten deutsche Panzer über Herzogenaurach in Richtung Westen aus. Der Herzogenauracher Heinrich Krumm wurde in Erlangen als Funker einem "Panther" zugewiesen. Dieser hatte fünf Mann Besatzung. Am 12. April 1945 hieß es "ausrücken", niemand wusste wohin. Die Kolonne fuhr nachts um 23.30 Uhr durch die Hauptstraße von Herzogenaurach. Zum Fahrer sagte Heinrich Krumm, als sie an die Engstelle beim "Ziggler" kamen: "Fahr aweng nach rechts", worauf der Fahrer erwiderte: "Das können wir rechtfertigen, die Ecke nehmen wir mit, da kommen wir sowieso nicht durch." Der Unfall musste natürlich durch die Polizei aufgenommen werden, diese Zeit nutzte Krumm, um bei seiner Verlobten vorbeizuschauen.

Abschuss bei Buchheim

Nach den Formalitäten mit der Polizei ging der Weg weiter nach Neustadt/Aisch und über Bad Windsheim bis nach Buchheim. Dort hatte die Einheit am 13. April 1945 Feindkontakt mit den Amerikanern. Zwischen der Kirchhofmauer und einer großen Eiche stand gut getarnt ein amerikanischer Panzer, lediglich das Geschützrohr schaute heraus. Er ließ die Deutschen Kettenfahrzeuge bis auf 20 Meter herankommen und feuerte dann den ersten Schuss - zu kurz. Der zweite traf allerdings. Die Haftgranate (mit Phosphor) fraß sich durch die Stahlwand und detonierte im Inneren des Panzers.

Lediglich der Funker und der Fahrer, die im vorderen Teil des Fahrzeugs gesessen hatten, konnten durch ihre Luken aussteigen, trugen aber schwere Verbrennungen an Händen und Gesicht davon. Mit einem deutschen Kübelwagen wurden die beiden Verletzten über Mausdorf nach Herzogenaurach ins Lazarett im Liebfrauenhaus gebracht, wo sie ärztlich versorgt und gepflegt wurden. Der ausgebrannte Panzer stand noch lange an der Stelle seiner Vernichtung, Familie Krumm besuchte ihn sogar in den 1950ern.