Harald Peetz ist der neue Kulmbacher Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband. Bei den Neuwahlen des Kreisvorstands wurde der Zweite Bürgermeister von Himmelkron, der bislang stellvertretender Kreisobmann war, mit 34 von 35 möglichen Stimmen bei einer Enthaltung gewählt. Der 55-Jährige löst Wilfried Löwinger ab, der aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl stand.

Löwinger war 15 Jahre lang stellvertretender Kreisobmann und anschließend ebenfalls 15 Jahre Kreisobmann.

Damit gibt es auch einen neuen Stellvertreter, wobei die Versammlung sich für ein absolutes Novum aussprach und gleich zwei Stellvertreter wählte. Ein Mann wie Wilfried Löwinger sei nicht so einfach zu ersetzen, hieß es, und so wurden Martin Baumgärtner (39) aus Zaubach und Harald Unger (52) aus Leesau zu neuen stellvertretenden Kreisobmännern gewählt. Statt wie bisher fünf gibt es dafür allerdings nur noch vier Beisitzer im erweiterten Vorstand. Es sind dies Christian Schneider (Mainleus), Wolfgang Goller (Elbersreuth), Hermann Grampp (Melkendorf) und Jochen Bär (Buch am Sand). Sie alle waren schon bisher in der Führungsmannschaft tätig.

Löwinger sprach von einer Zeitenwende, die der Krieg in der Ukraine ausgelöst habe. Jetzt erst werde vielen deutlich, wie wichtig, die Sicherstellung der Nahrungsproduktion im eigenen Land ist. Der Plan der Bundesregierung, vier Prozent der Produktionsfläche aus ökologischen Gründen stillzulegen, passe da längst nicht mehr in die Zeit. Löwinger ging aber noch weiter. Er forderte, die Neuausrichtung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) komplett zu überdenken und die Ernährungssicherung ins Grundgesetz aufzunehmen.

Eine weitere Forderung des scheidenden Kreisobmanns zielte auf eine Herkunftskennzeichnung für Fleisch unter dem Motto "made in Germany" ab. Die jetzt diskutierten Haltungsstufen seien ungeeignet, unter anderem deshalb, weil sie nur für Frischfleisch und nicht für Verarbeitungsware gelten. Die derzeitige Situation zeige aber auch: "Wenn das Geld beim Verbraucher knapp wird, dann wird zuerst am Essen gespart."

Viele Menschen hätten mittlerweile erkannt, dass die Versorgung eines Landes mit Nahrungsmitteln substanziell ist, sagte der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif. Die von Bundesagrarminister Cem Özdemir favorisierten Flächenstilllegungspläne seien deshalb völlig fehl am Platz. Diese Art der Politik stamme noch aus der Zeit der "Butterberge" und "Milchseen", also einer Zeit, in der die Überproduktion hoffnungslos war. "Aber das ist heute nicht mehr unser Problem", sagte Greif.

"Wir hoffen, dass die Pläne einer Pflichtbrache noch einmal auf den Prüfstand kommen", sagte BBV-Direktor Wilhelm Böhner. Auch er sprach von "nicht ganz leichten Zeiten" in der Arbeit des Bauernverbands während der zurückliegenden Jahre. Es sei aber ein gutes Zeichen für die Verbandsarbeit, wenn die größte Zahl an Ortsverbänden im Kulmbacher Land erhalten und auch wieder besetzt werden konnte.

18 neue Ortsobmänner

Der scheidende Kreisobmann hatte zuvor ein positives Fazit über die zurückliegenden Wahlen im Bauernverband auf Ortsebene gezogen. So gibt es in Stadt und Landkreis Kulmbach aktuell 85 Ortsverbände, acht weniger, als in der zurückliegenden Wahlperiode. Grund ist, dass sich acht kleine Ortsverbände im Zuge von Fusionen den Nachbarverbänden angeschlossen hatten.

Bei drei Ortsverbänden konnte kein Nachfolger für den amtierenden Ortsobmann gefunden werden.

Dafür gibt es aber auch 18 neue Ortsobmänner. Neu ist auch, dass bei vier Ortsverbänden eine Frau als Ortsvorständin an der Spitze steht. Alles in allem zeigten die Zahlen, dass die Bereitschaft, Verantwortung in den Dörfern zu übernehmen noch immer groß ist, sagte Löwinger. Genau das sei auch die Stärke des Bauernverbands.