Seit 60 Jahren treffen sich im Fünfjahresrhythmus die Angehörigen des Schuljahrgangs 1937, zu denen auch die ehemaligen Schüler im heutigen Stadtteil Krum gehören.
Das diesjährige Klassentreffen begann mit einem Empfang durch den Zweiten Bürgermeister Dieter Köpf (CSU), der in einer sehenswerten Präsentation alte und neue Bilder von Zeil zeigte und kommentierte. Dabei stellte er auch Ereignisse heraus, die im Geburtsjahr in Zeil geschehen sind: Auf dem Marktplatz wurde 1937 der 1825 errichtete Brunnenobelisk zu Ehren des Hauses Wittelsbach abgetragen, da er nicht mehr zur freigelegten Fachwerkkulisse passte. In die einstige Bäckerei und Weinstube "Zum scharfen Eck" zog in diesem Jahr der Bäcker Franz Kolb ein. Es wurden die zwei Pflasterzollstellen am Bach und in der Oberen Torstraße abgeschafft, die bis dahin Zeil für durchfahrende Fahrzeuge zu einem "teuren Pflaster" gemacht hatten. Jedes frisch vermählte Ehepaar erhielt in Zeil erstmals auf Kosten der Stadt Hitlers Buch "Mein Kampf" zum Geschenk und die Ordensschwestern in der Volksschule mussten auf Anordnung des Nazi-Gauleiters Hellmuth ihren Dienst quittieren, den sie nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wieder aufnehmen durften.


In der Annakapelle

   Nach dem Mittagessen in einem Biergarten besuchten die 80-Jährigen die Annakapelle, in der die Gottesdienstbeauftragte Marianne Mahr einen eindruckvollen Wortgottesdienst gestaltete. Zum Gedenken an die verstorbenen Mitschüler brannten 39 Lichter, die veranschaulichten, wie verletzlich das Leben ist.
In der Stadtpfarrkirche Sankt Michael erzählte der Heimatforscher Ludwig Leisentritt, der dem Schülerjahrgang angehört, interessante Details. So erfuhr die Gruppe, dass 1884 nach einem Gutachten des damaligen Kunstexperten und königlichen Galeriedirektors der alten Pinakothek, Franz von Reber, weder den Deckengemälden noch dem Künstler ein erheblicher Wert zukommt. So wurden die beiden Fresco-Bilder übermalt und mit einer Leimschicht überzogen.
Auf Empfehlung des Bayerischen Kunstkonservatoriums stellte dann 1912 der Münchner Kunstmaler Josef Albrecht die 1760 entstandenen Deckengemälde wieder her.
Heute gilt der Maler Johann Peter Herrlein als unterfränkischer Rubens. Schließlich wird der Malstil mit dem des Venezianers Tiepolo verglichen, der das imposante und weltberühmte Treppenhaus in der Würzburger Residenz ausgeschmückt hat.


Mit Humor

Nach einem Friedhofsgang trafen sich die Teilnehmer traditionell im Restaurant Warmuth. Dort hielt Ludwig Leisentritt eine nachdenkliche, aber auch humorvolle Rede, die mit einem Vers von Goethe schloss: "Fürwahr, es wechselt Pein und Lust. Genieße, wenn du kannst, und leide, wenn du musst." LL