von unserem Redaktionsmitglied 
Marian Hamacher

Höchstadt — Enttäuscht zeigt Angelika Ulbrich auf die leere Stelle an der grauen Pinnwand. "Da hätte eigentlich ein Artikel aus der Dienstags-Ausgabe hängen sollen", sagt die Konrektorin der Grundschule Höchstadt-Süd. Noch bis Ende der Woche nehmen die vierten Klassen am Schulprojekt "Klartext!" des Fränkischen Tags teil und beginnen in dieser Zeit jeden morgen mit der Lektüre der Zeitung - nicht jedoch gestern.
Denn erst lösten sich die Ausgaben und daher kurze Zeit später auch die geplante Deutschstunde in Rauch auf. Die 65 Exemplare, die jeden Morgen aus der Druckerei in Bamberg geliefert werden, lagen nicht wie üblich unter dem Pavillon auf dem Schulgelände. "Normalerweise nehme ich sie immer mit und bringe sie ins Sekretariat, wenn ich so gegen sieben Uhr ankomme", erzählt Hausmeister Franz Gulden. Seit 13 Jahren arbeitet er nun schon für die Grundschule, habe so etwas jedoch noch nie erlebt. Vier Schüler, die auf ihrem Schulweg gegen 7.30 Uhr am Spielplatz vorbeiliefen, bemerkten den noch rauchenden Aschehaufen. "Daneben lagen eine Zigarettenschachtel und einige Dosen eines Energiedrinks", erzählt einer von ihnen.
Sie informierten ihre Klassenlehrerin, die den entscheidenden Tipp wiederum an Gulden weitergab. "Es waren alles FT-Ausgaben und oben in der Ecke stand das passende Datum. Da war mir klar, dass es sich um die für uns bestimmten Exemplare handelt", sagt der 57-jährige Hausmeister.

Individuelle Rückseite

Von ähnlichen Fällen ist der Höchstadter Polizei derzeit nichts bekannt. Auch in den vergangenen Monaten sei so etwas nicht vorgekommen.
Nun werden sich die Viertklässler erst heute wieder auf die Suche nach einem Artikel machen, den ihre Lehrerin ihnen zuvor am Frühstückstisch ausgesucht hat. "Wenn sie ihn gefunden haben, schneiden sie ihn aus und kleben ihn auf ein Portfolio", sagt Ulbrich. Die Rückseite des Blatts sehe bei jedem allerdings anders aus, da dort jeder Schüler seinen Lieblingsartikel des Tages einkleben darf.

Keine weiteren Lücken

Gestern wäre ein Bericht aus dem Sportteil über die Wing-Tjung-Kung-Fu-Meisterschaft in Höchstadt, eine chinesische Selbstverteidigungskunst, vorgesehen gewesen. "Das ist besonders schade, weil eine unserer Schülerinnen daran teilgenommen hat", sagt Ulbrich, die die Lücke an der Pinnwand mit dem Artikel aus ihrer privaten Ausgabe schließen will. In den Portfolios der Schüler wird eine Seite dagegen leer bleiben.