Zu Gast in der 35. Literarischen Matinée im Kronacher Kunstverein e.V. war der Autor Gerhard Goldmann aus Rudolstadt, Vorsitzender des Autorenverbandes Franken, Förster und Umweltwissenschaftler, der zahlreiche Kurzgeschichten, Gedichte und Essays veröffentlichte.

Gerhard Goldmann stellte sein Buch "Deutscher Kaiser und Muslim: Über die Beziehungen Friedrichs II. von Hohenstaufen zum Islam" vor. In diesem Buch werden alle Informationen zusammengetragen, die zur Rolle des Islam in den drei Reichen unter seiner Krone überliefert sind.

Zusammen mit den steinernen Zeugnissen, dem königliche Palast in Lucera, der Torre de Frederico bei Castrogiovanni und dem Castel del Monte in Apulien, die der Staufer hinterlassen hat, ergeben sie ein neues und verblüffendes Kapitel der europäischen Geschichte des dreizehnten Jahrhunderts.

Spekulationen über die religiösen Anschauungen dieses Kaisers waren schon zu seinen Lebzeiten widersprüchlich und die Besorgnis des Papstes über einen Übertritt des Monarchen zum Glauben Mohammeds wird von christlichen Zeitgenossen überliefert.

Am Orient berauscht

Gerhard Goldmann informierte die Zuhörer anhand reichen Bildmaterials und ausgewählter Textstellen über die Zeit und das Leben Friedrichs II., beginnend bei seiner Geburt 1194 und endend mit dem Tod des Kaisers 1250. Eine von ihm durchgeführte genaue Analyse bekannter Tatsachen und Texte widerlegte Interpretationen westlicher Historiker. In seiner Schlussbetrachtung erläuterte der Autor die Tatsache, dass sich der Kaiser im Laufe seines Lebens langsam, aber stetig vom Katholizismus weg- und auf den Islam in seiner Gesamtheit bewegte. Was den Kaiser am Orient berauschte, waren die "alle scholastischen und kirchlichen Schranken aufhebende Weite und Unbegrenztheit des gelösten und freien Geistes".

Dem Felsendom ähnlich

Eine Schlüsselstellung in seinem Buch nimmt das Castel del Monte ein, das dem Felsendom in El Quds/Jerusalem sehr ähnlich war und viele Bezüge zum Islam aufweist. Goldmann erklärte, wie er die beiden Bauwerke, z.B. das Konstruktionsprinzip des Oktogons erkennend, miteinander verglich und deren Betrachtung auf ihr Umfeld ausdehnte. Friedrichs Verhältnis zum Islam betreffend forschte er in den zur Verfügung stehenden Quellen, die Aspekte der Astronomie über die Mathematik bis hin zu den Speiseplänen der kaiserlichen Küche mit einschließend.

Der Schlusssatz seines Buches lautet: "Im Orient aber, so heißt es, trügen die Frauen als Zeichen ihrer Trauer schwarze Gewänder, seit der Staufer sie verlassen hätte." red