Eine von der Bundesregierung geförderte Wanderausstellung über die Geschichte und Integration der Russlanddeutschen macht Halt in Forchheim. Die Ausstellung "Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart" ist noch bis zum 30. Januar in den Forchheimer Rathaushallen zu sehen.
"Wurzeln schlagen und die Gesellschaft stärken" - das ist nach Angaben der Veranstalter der Leitgedanke der Wanderausstellung. Sie wird präsentiert von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland mit Sitz in Stuttgart.
Diese Wanderausstellung ist Teil eines bundesweiten Integrationsprojektes, das gefördert wird vom Bundesministerium des Innern und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Nürnberg (BAMF). Die Ausstellung selbst zeigt mit Tafeln und Schaubildern, Vorträgen und Filmen das wechselvolle Schicksal und illustriert die Historie und die kulturellen Verknüpfungen der Russlanddeutschen mit dem riesigen Land Russland.
Die Ausreise der Deutschen aus verschiedenen deutschen Kleinstaaten nach Russland hängt mit dem Manifest der Zarin Katharina II. zusammen, die von 1762 bis 1796 das russische Zarenreich regierte.


Unbeschreibliches Leiden

Die Auswanderung erfolgte angefangen von 1764/1765 bis 1862 mit der Gründung von 3536 deutschen Siedlungen an der Wolga, in der Ukraine, im Kaukasus, Wolhynien und Bessarabien.
Diese deutschen Kolonien wurden streng nach der Religionszugehörigkeit in den von Russland neueroberten Gebieten der ehemaligen Weltreiche der Mongolen und Osmanen angelegt. Doch bereits im Mittelalter siedelten Deutsche im Baltikum, ab dem 16. Jahrhundert in Moskau und ab 1703 in St. Petersburg. Die Ausstellung zeigt diese interessante Geschichte, aber auch die Kriegsfolgenschicksale der Deutschen aus Russland, welchen Vorurteilen die Russlanddeutschen in Deutschland begegneten und begegnen und wie ihre Integration gelingt.
Die heimisch gewordenen und seit fast 200 Jahren hochgeachteten Russlanddeutschen mussten jedoch nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Jahr 1941 dort einen unbeschreiblichen Leidensweg antreten. Zigtausende Russlanddeutsche verloren ihr Leben durch Deportation, Verschleppung und Ermordung, weil der sowjetische Diktator Stalin sie der Kollaboration mit Hitler-Deutschland verdächtigte. Hunderttausende kamen in den 1990er-Jahren zurück in das Land ihrer Vorfahren, das für sie als Synonym für Hoffnung und Gerechtigkeit stand - Deutschland.


Geduldige Diplomatie

Vorurteile und Ablehnung schlugen vielen von ihnen entgegen, von Menschen, denen alles Fremde fremd ist.
Seit 1950 konnten rund 2,8 Millionen deutsche Aussiedler aus der ehemaligen UdSSR nach Deutschland zurückkehren, dank geduldiger Diplomatie und erfolgreicher Entspannungspolitik besonders nach 1990. red