"Jeden Sonntag gab es Klöße und meistens dazu einen Karnikelbraten", erinnerte sich Edeltraud Gerlinger, als sie und ihr Mann mit allerlei Küchenutensilien bei Bernhard Sauermann, dem Museumsleiter im Mönchshof, ankam. Es waren ihr wertvolle Gegenstände aus ihrer thüringischen Heimat, von denen sie sich trennen wollte.

Im Gepäck hatte sie neben einem tönernen Topf zum Einmachen von Gurken, einem Honigtopf und einem Schmalztopf alles, was eine tüchtige thüringische Hausfrau zum Klößemachen braucht: die große Reibe und die Schüssel, in die am Sonntag die Kartoffeln gerieben wurden sowie die hölzerne Kartoffelpresse mit den dazugehörigen Säckchen für die geriebene Kartoffelmasse. "Oft sind es die kleinen Dinge, die große Geschichte schreiben", resümiert Bernhard Sauermann. "Sie berichten von Menschen, ihren großen und kleinen Nöten und ihrem Glück. Von daher sind sie es allemal wert, im Museum zu überdauern".

Die Familie lebte in Arnsbach, das liegt zwischen Saalfeld und Probstzella. Der Vater von Edeltraud Gerlinger, Walter Schütze, hatte dort ein Säge- und Hobelwerk mit Holzgroßhandlung, bis er im Juli 1949 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet wurde. Es war der 9. November 1949, als die Familie ihre Heimat verließ, um nach Westberlin zu gelangen. Wegen der Kontrollen auf dem Territorium der soeben gegründeten Deutschen Demokratischen Republik musste die Familie darauf verzichten, außer den Kleidern, die sie am Leib trug, irgendetwas mitzunehmen.

Von Westberlin führte ihre Flucht dann per Luftbrücke nach Frankfurt am Main und weiter nach Kulmbach in die Blaich. Der damalige Kulmbacher Polizeichef Ernst Pongratz und seine Familie gewährten den Flüchtlingen in ihrer Wohnung Unterkunft. Edeltraud Gerlinger erinnert sich noch dankbar an diese Zeit und an "die gute Blutwurst von Sauermann", was den Museumsleiter sehr freute.

Und wie kam der Hausrat dann doch noch nach Oberfranken? "Während des ersten Sommers in Kulmbach waren die Grenzen noch nicht überall durch Zäune gesichert, sondern es gab Patroullien. Unsere zurückgebliebene Verwandtschaft in Thüringen hatte ausgekundschaftet, dass es ein Zeitfenster von etwa einer Stunde gab, in der die thüringisch/bayerische Grenze an einer bestimmten Stelle bei Falkenstein unbewacht war."

Dorthin sei die Familie dann Sonntag für Sonntag gefahren. "Dabei hat meine Großmutter immer etwas aus unserer ehemaligen Wohnung mitgebracht, so viel sie tragen konnte. Auch die wichtige Kartoffelpresse war dabei. Nun konnte es Sonntags wieder Thüringer Klöße geben."