von unserem Mitarbeiter Quirin Sackmann

Bamberg — Den Einstieg in den Beruf und die erfolgreiche Teilnahme am alltäglichen Leben findet wohl jeder schwer, der sich in einer neuen Gesellschaft zurechtfinden muss. Vielen der Flüchtlinge in Europa fehlt aber eine wichtige Grundlage, um sich in den jeweiligen Ländern integrieren zu können und dann auch ihre Talente in den Dienst der Gesellschaft stellen zu können: Nur sehr wenige sprechen die Landessprachen.
Vor allem Deutsch, das in den wenigsten Herkunftsländern der Flüchtlinge auf dem Lehrplan steht, können die allermeisten weder sprechen noch verstehen.


Intensivkurs in Bamberg

Für eine kleine Gruppe junger Männer und Frauen im Alter von 18 bis 23 Jahren wurde in Bamberg die Möglichkeit geschaffen, Deutsch so zu lernen, dass sie in der Lage sind, eine Ausbildung anzufangen, oder sogar das Abitur machen können. Am Bildungszentrum der Industrie- und Handelskammer (IHK) sind den jungen Menschen, in Kooperation mit der Stiftung Evangelischer Verein und der Arbeiterwohlfahrt (Awo), in den vergangenen acht Monaten die Grundkenntnisse der deutschen Sprache vermittelt worden.
Deutschkurse werden zwar auch vom Bund für die Flüchtlinge angeboten, aber erst nachdem über ihr Bleiberecht entschieden wurde - beim privaten Bamberger Projekt nehmen viele Menschen teil, die schon länger auf eine Entscheidung über ihren Antrag warten.
Bei Wartezeiten von über ein oder zwei Jahren entsteht darüber nicht nur bei den wartenden Flüchtlingen Frust. Die meist jungen Menschen verlieren nicht nur wichtige Zeit in ihrer Jugend mit untätigem Herumsitzen, sondern sind dann auch schwerer vermittelbar. Sprachkurse bieten nicht nur eine sinnvolle Beschäftigung, sondern helfen bei der Integration.


Berufschancen bieten

Durch die Zusammenarbeit von IHK und Bildungseinrichtungen wird den Flüchtlingen zum einen das Lernen der deutschen Sprache ermöglicht, zum anderen auch der Einstieg in das Berufsleben entschieden erleichtert. Mit ihren guten Beziehungen in die Wirtschaft hat die IHK bereits erfolgreich den Kursteilnehmern Praktika und Ausbildungsplätze vermittelt.
Die Initiatoren hoffen darauf, dass ihr Projekt Nachahmer findet und Flüchtlinge aus allen Ländern durch Sprachunterricht die Integration überhaupt erst ermöglicht wird.
Beim Abschlusstreffen der Kursteilnehmer mit Spendern, Organisatoren und Vertretern der Politik am Dienstag hat Heribert Trunk, Präsident der IHK Oberfranken, denn auch die Wichtigkeit von Sprachkenntnissen betont: "Sprache bedeutet Teilhabe an der Gesellschaft."
Landrat Johann Kalb (CSU) bezeichnet die Aufgabe, die Flüchtlinge auch mithilfe von solchen Kursen "integrierbar" zu machen, als eine der großen Aufgaben unserer Gesellschaft.


Positive Kursbilanz

Wie sehr es sich auszahlen kann, den vielen jungen Menschen, die oft ohne Angehörige in Deutschland ankommen, eine Ausbildung zu ermöglichen und auch eine Betreuung zur Seite zu stellen, beweisen die Kursteilnehmer eindrucksvoll. In nur acht Monaten haben sie Deutsch so weit gemeistert, dass alle eine kurze Dankesrede halten können vor den versammelten Offiziellen.
Für die Hilfe, die sie im Kurs an der IHK bei ihren (erfolgreichen) Bewerbungen bei Unternehmen in der Stadt erhalten haben, bedanken sie sich allesamt. Und wenn junge Menschen wie Babucarr Cham aus dem Senegal nach einem so kurzen Kurs in einer Rede aus dem Stegreif (!) voll des Lobes sind für alle Organisatoren und auch begeistert sind von den freundlichen Menschen in der Stadt, dann zeigt das, wie Integration funktionieren kann.