Vor ein paar Tagen läutete bei mir gegen Mittag das Telefon. Ich nehme ab und schon sprudelt es mir entgegen: "Ach, Oma, ich muss dir ganz dringend was erzählen! Aber versprich mir, dass du nichts davon weitersagst, auch meiner Mutter nicht, die regt sich doch immer so sehr auf!"

"Ach du bist's, Marlene", hab ich geantwortet, "ich denke, du bist jetzt in Warschau? Deine Stimme klingt so anders!" "Das muss das fremde Telefon sein!" Sie, meine Enkelin, Grundschullehrerin in München, wollte mit einer Freundin in den Faschingsferien nach Warschau fliegen.

"Ach, das hat sich zerschlagen! Ich bin jetzt in Nürnberg und das Grässliche ist, dass ich an mein Bankkonto nicht rankomme! Könntest du mir vielleicht aushelfen - nur für einen Tag! Wie viel Geld hast du denn zu Hause?" "No ja, so zwaahunnert Euro ungfähr." "Ach, das reicht nicht für meinen Einkauf. Aber du könntest doch was abheben?""Ja, aber heute hat die Zweigstelle der Sparkasse hier in der Nähe nachmittags geschlossen und um Dreia wollt mich a Bekannta zum Eikaafn obholn!""Also Oma, sag der Frau einfach ab. Ich komm dann bei dir vorbei, dann können wir Geld abheben und auch einkaufen. Du hast aber doch auch Schmuck!" "No, obä nix Kostbors, des waßt doch." "Aber eine Küchenwaage hast du, da könntest du ihn ... " Und mitten im Satz ist das Gespräch weg.

Ich wart nuch a weng, und dann wähle ich die Handynummer von der Marlene. Sie meldet sich schnell - aus Warschau! Ich erzähl ihr kurz von dem Telefongespräch. "Sag mal, Oma, hast du denn noch gar nichts von dem Enkeltrick gehört? Das musst du jetzt gleich der Polizei melden!" "Naa", sooch ich, "des mach i net!", und leg auf. Kurz darauf ein Anruf von Marlenes Mutter, meiner Tochter, die im Umland wohnt: " Ich hab's jetzt vorschriftsmäßig der Polizei mitgeteilt, in Kürze wird sich ein Kriminalbeamter bei dir melden!" Heiliches naa, des aa nuch!

Vorsicht ist oberstes Gebot

Gleich darauf ist ein freundlicher Kommissar am Telefon: "Es könnte sein, dass die Anruferin sich noch einmal bei Ihnen meldet. Dann bitte ich Sie, zum Schein mitzuspielen. Bestellen sie die falsche Enkelin in einer Stunde in ihr Haus. Wenn sie läutet, vorsichtig aus dem Fenster schauen, aber nicht aufmachen! Wir werden dann unauffällig in der Nähe sein und sie festnehmen!"

Also, bis etz is sie nuch net aufgekreuzt, Gott sei Dank! Obä der Kripo-Mann - sein genaua Titl waaß i net - hot mich nuch weiter aufgeklärt: Es gibt nämlich nicht nur den "Enkel-", sondern auch den "Polizisten-Trick": Zwei Männer kommen an die Wohnung, stellen sich als Polizisten vor und zeigen Ausweise. "Wir haben Hinweise, dass in Ihrer Wohnung etwas Verdächtiges versteckt ist!" Der eine geht in die Wohnung, um zu suchen, der andere unterhält sich an der Flurtür mit dem Opfer. Schließlich kommt der Mann aus der Wohnung. "Leider nichts gefunden, das war wohl eine Falschmeldung, Entschuldigung!" Es dauert nicht lange, bis die Wohnungsinhaberin merkt, dass Geld und Wertgegenstände verschwunden sind.

Mein Rat, nicht nur für Omas und Opas: Sän Sie fei vorsichtich!