von unserem Mitarbeiter Andreas Welz

Vierzehnheiligen — Auch der Landkreis Lichtenfels ächzt unter dem Asylbewerberstrom in die Bundesrepublik. Das machte Landrat Christian Meißner am Donnerstag bei der Kreisdelegiertenversammlung der CSU in der Gaststätte "Goldener Stern" deutlich. Derzeit seien weit über 200 Asylsuchende im Landkreis. Dank der Mithilfe der Bevölkerung und der Kommunen konnten neben Weismain neue Unterbringungsmöglichkeiten gefunden werden.
"Doch weil die Anzahl wöchentlich wächst, müssen unbedingt neue Unterkünfte gefunden werden", appellierte er an die Delegierten. Bisher gebe es zwei Gemeinschaftsunterkünfte in Lichtenfels und Weismain mit insgesamt 178 verfügbaren Plätzen. Seit August seien außerdem Ferienwohnungen in Reundorf und das ehemalige Lichtenfelser Altenheim "Maiacher Stiftung" für neue Asylbewerber angemietet. Auch in einem früheren Gasthaus in Michelau finden Asylsuchende eine Unterkunft.
Er wies darauf hin, dass der Landkreis für Gemeinschaftsunterkünfte mit mehr als 50 Personen nicht in die Zuständigkeit des Landratsamtes falle, sondern das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Ausschließen dürfe sich niemand, Ausnahmen könne er nicht akzeptieren, sagte er. Der Landrat wünschte sich eine neutrale Beurteilung der Lage. "Bleibt bei der Diskussion sachlich", sagte er. "Die Not ist groß, keine Gemeinde wird verschont, es gibt keine Sonderregelung", unterstrich der Landkreischef vehement. Nach seiner Einschätzung werde sich im Jahr 2015 die Anzahl der Bewerber verdoppeln.
Lob als leuchtendes Vorbild erhielten die Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen, die Unterkünfte zur Verfügung stellten. Das bestätigte Generalvikarin Martina Selmaier: "Wir haben eine ukrainische Familie mit Eltern und drei Kindern aufgenommen." Im Gästebereich des Mutterhauses könne noch eine weitere Familie untergebracht werden, eine entsprechende Information sei an die offiziellen Stellen weitergegeben worden.
In einem Rückblick nahm der Kreisvorsitzende den Wechsel auf dem Sessel des Bürgermeisters in Lichtenfels gelassen hin. "Wir machen dort keine Totalopposition", sagte er. In seinem Rechenschaftsbericht gab der Landrat bekannt, dass der Neubau des Krankenhaues zügig voranschreite. "Wir sind in der Zeit und bei den Kosten im Plan", sagte er. Die ersten Gewerke in zweistelliger Millionenhöhe seien bereits vergeben. Die Sanierung der Obermainhalle in Burgkunstadt mit über vier Millionen Euro stehe jetzt an. Der Tourismusverein Landkreis Lichtenfels solle Träger eines neuen Gebietsausschusses im Tourismusverband Franken werden, nachdem der Ausschuss Oberes Maintal-Coburger Land aufgelöst wurde, erklärte Meißner. Die touristische Trennung von Coburg sei auch damit begründet, dass der Landkreis Lichtenfels und sein Tourismusverein keine Erweiterung nach Thüringen wolle. Das bedeute aber nicht, dass die guten Beziehungen zum Nachbarlandkreis getrübt seien. Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner ging besonders auf das Thema Asyl ein. "Jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Unsere Herausforderung sind die verschiedenen internationalen Konflikte und die damit einhergehenden Flüchtlingsströme", so Zeulner.