Schweren Herzens fiel bei der Hauptversammlung des Johannes-Zweigvereins Marktleugast-Marienweiher die Entscheidung zur Auflösung. Vor Weihnachten reichten Pfarrer Pater Adrian und Geschäftsführer Oswald Purucker den Löschungsantrag beim Notariat ein. Nach 112 Jahren endet damit eine soziale Erfolgsgeschichte, die am 8. November 1903 ihren Anfang genommen hatte.
An jenem Tag kam der allgemeine Wunsch aus der Bevölkerung, einen Verein zu gründen, der sich zum Ziel setzen sollte, Kinder in guter Obhut zu wissen, eine Haushalts- oder Nähschule für Mädchen aufzubauen und die ambulante Krankenpflege durchzuführen.


Massiver Rückschlag

Albertine Pezold, begeistert von dieser Idee, spendete spontan 1000 Mark, um die Gründung voranzutreiben. Bereits drei Monate später, am 4. Februar 1904, wurde unter dem Namen Johannes-Zweigverein dieser erste allgemeine Wohltätigkeitsverein in Marktleugast gegründet. Damit gehörte er zu dem bereits 1853 durch König Maximilian II. von Bayern gegründeten Johannesverein.
Wie der Chronik zu entnehmen ist, erlitt dieses soziale Werk durch den Ersten Weltkrieg, die schweren Nachkriegsjahre und die Inflation einen massiven Rückschlag. Erst am 6. Mai 1923 wurde der Verein wiederbelebt und mit der ambulanten Krankenpflege fortgefahren, einen Arzt gab es zu jener Zeit in Marktleugast nicht. Die Planung eines Schwesternheimes wurde ins Auge gefasst.
Als nimmermüder Verfechter dieses Projekts spendete Hans Titus das Grundstück am Antoniusweg, sorgte für eine günstige Zufahrt und beschaffte preisgünstiges Baumaterial. Unter großer Eigenleistung und dank vieler Spenden konnte das Haus im Frühjahr 1931 fertiggestellt werden. Mit weit über 600 Mitgliedern war der Verein auch der größte Zusammenschluss in der damaligen Zeit. Damit kam auch zum Ausdruck, welche Bedeutung die Aufgaben für die Menschen im Ort hatten.
Noch im selben Jahr zogen die Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen ein. Im Erdgeschoss unterrichteten sie die Mädchen in Hauswirtschaft, im ersten Stock war der kleine Kindergarten und im zweiten das Altenheim samt Schwesternwohnung untergebracht.


Mehrmals erweitert

Bereits 1955 wurde der großen Zahl von zu betreuenden Kindern Rechnung getragen und ein Erweiterungsbau angegliedert. Ein weiterer Wunsch im Jahre 1972, den Kindergarten grundlegend zu erneuern, konnte der Verein nicht erfüllen. Die Schwestern gaben aber ihr Einverständnis, auf dem ehemaligen Spielplatz und dem Gemüsegarten einen neuen Kindergarten zu errichten, der vom neuen Caritas-Kindergartenverein errichtet wurde. Durch neue Richtlinien des bayerischen Staatministeriums von 1975 kam es auch in der ambulanten Kranken- und Altenpflege zu wesentlichen Veränderungen. Die Krankenpflegeeinrichtung wurde 1981 auf den Caritasverband übertragen und ging später in die Sozialstation Stadtsteinach über. Diese unterstützte der Johannes-Zweigverein bis zuletzt durch Autospenden, Zuschüsse und den Unterhalt der Zweigstelle der Caritassozialstation in Mannsflur.
Von einst 600 Mitgliedern blieben am Ende noch 44 übrig. Die Tatsache, dass nicht mehr Eigeninitiative notwendig war, sondern die Krankenpflege heute von dem Gedanken getragen wird, dass die Krankenkasse ohnehin alle Kosten übernimmt, führte zum Austritt vieler Mitglieder. Die Vorstand bedauerte selbst den Schritt, einen der letzten Johannes-Zweigvereine endgültig zu schließen. Doch sah sie die einst so notwendige Arbeit für die Kinderbetreuung im Caritas-Kindergarten Arche Noah mit angeschlossener Kinderkrippe erfolgreich fortgeführt. Die häusliche Krankenpflege wird durch die Schwestern der Caritas-Sozialstation hervorragend geleistet, und mit dem Caritas-Seniorenheim in Stadtsteinach wird auch der einstigen stationären Altenpflege weiter Rechnung tragen.