"Die einzige Konstante ist die Veränderung." Was der griechische Philosoph Heraklit so treffend auf den Punkt brachte, heißt in den vorliegenden Fällen: Wo einst in Unterschleichach die Aurach floss, ist nun eine asphaltierte Straße. An der Stelle, wo früher ein Obelisk auf dem Zeiler Marktplatz stand, herrscht nun gähnende Leere, und die einstige Gaststätte von Friedrich Albert in Ebelsbach wurde zu einer Tankstelle umfunktioniert.

Wo die Ebelsbacher also heute Benzin zapfen, zapfte Albert im Jahr 1902 rund 450 Hektoliter Bier, sechs Hektoliter Wein und einen halben Hektoliter Branntwein für seine Gäste, wie aus einem Verzeichnis der Zugänge und Einkommenssteuerpflichtigen der Gemeinde hervorgeht.

Ein besonderer Brunnen in Zeil

Während die Marktplatzkulisse in Zeil quasi im Dornröschenschlaf lag, – der Kirchturm und das Rathaus sind gleich geblieben – ist der Platz selbst um ein Detail ärmer: Der 14 Meter hohe Brunnenobelisk wurde 1937 abgetragen.

Seit der Ersterwähnung der Stadt aus dem Jahr 1018 unterstand diese knapp 800 Jahre lang dem Bamberger Fürstbischof. Mit der Beseitigung des Hochstifts Bamberg wurde Zeil zu Beginn des 19. Jahrhunderts dem bayerischen Königreich einverleibt. 1824 beauftragte die Stadt den Steinmetz Ignatz Niebling mit dem Bau des Denkmals zu Ehren der Wittelsbacher. Am 25. Jahrestag der bayerischen Thronbesteigung durch dieses Herrschergeschlecht wurde dann der Grundstein für den Obelisken gelegt.

Im Stadtkern war an diesem Tag einiges geboten: Musik vom Stadtturm, Läuten der Glocken und "Geschützdonner" gaben den Startschuss für den Festtag, wie in einer Dokumentation "aus Anlaß des Regierungsjubiläums" berichtet wird. Später wurden "ohne vorhergegangene Verabredung die Häuser um den Marktplatz herrlich beleuchtet. Öffentliche Abendunterhaltungen schlossen das denkwürdige Fest". Also ein buntes Treiben auf dem Marktplatz.

Einen solchen gibt es in Unterschleichach nicht. Wenn, dann wäre der zentrale Platz vor dem ehemaligen Gaststättengebäude der Brauerei Neeb dafür wohl am geeignetsten gewesen. Dort befindet sich nun die Straßenkreuzung zwischen Spitalstraße, Michelsberg und der Hauptstraße. Die erinnert mit ihrem Namen – An der Aurach – noch an den früheren Verlauf des Baches, wie er auf der historischen Postkarte zu sehen ist.

Manches hat sich jedoch nahezu gar nicht verändert. So etwa das Stauffenbergsche Weingut in Schmachtenberg, nahe Ziegelanger. Hätte es die Farbfotografie schon in den 1920ern gegeben, wären beide Aufnahmen wohl kaum zu unterscheiden. Sogar das kleine Brunnenhäuschen neben dem Gebäude sieht fast noch so aus, wie hundert Jahre zuvor.