von unserem Mitarbeiter Jürgen Grässer

Bamberg — Er dürfte fast so alt sein wie die Menschheit selbst, der Traum vom Fliegen. Nun stand er im Mittelpunkt des Musicals "Emelie voll abgehoben" aus der Feder von Andreas Schmittberger.
Die Premiere dieser Gemeinschaftsproduktion der Städtischen Musikschule und des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, in Szene gesetzt von Ruth Weisel und unter der Gesamtleitung von Michael Forster, wurde am frühen Samstagnachmittag im nahezu ausverkauften Großen Haus mit Begeisterung aufgenommen.
Schon zum vierten Male hatten sich die Musikschüler an ein Musical gewagt, jetzt aber wechselte man vom Joseph-Keilberth-Saal ins Theater. Dadurch stand ganz selbstverständlich eine professionelle Ausstattung vom Bühnenvorhang über die Beleuchtung und die Tontechnik zur Verfügung. Was sich auszahlte. Denn so wurde der Traum der Königstochter Emelie (gesanglich und schauspielerisch sehr fein dargestellt von Pauline Wiegandt) tatsächlich wahr, und sie konnte zumindest für kurze Zeit in den Bühnenhimmel entschwinden.

Doppelt besetzte Hauptrollen

Eine schöne Idee war es im Übrigen, die Hauptrollen doppelt zu besetzen. So kam anderntags beispielsweise statt Wiegandt Franka Mayer zum Zuge, statt Arved Ritter in der Rolle des Inselkönigs Philomena Schreiber.
Auf so einer Insel kann es ganz schön langweilig werden. Immer nur Muscheln, Strand, Kokosnüsse und vor allem: das Meer, das Meer, das Meer. Kein Wunder, dass Emelie da nichts anderes im Kopf hat, als aus den Wrackteilen eines Schiffes eine Flugmaschine zu bauen. Zunächst verspottet, wird sie am Ende gefeiert.
Was auch für die Premiere galt. Neben vereinzelten Solonummern waren es vor allem die großen Chöre, die gefielen. Auch in Sachen belebt-bewegend-bunter Choreographie, die Ruth Weisel geschuldet war, war man beeindruckt.
Das knapp besetzte Instrumentalensemble unter der Leitung von Martin Erzfeld begleitete so aufmerksam wie feinfühlig. In einem minimalistischen Stück à la Steve Reich ließ Markus Uttenreuther am Marimbaphon aufhorchen.
Nicht vergessen sei das großartige Engagement der Eltern des Kinderchores, die für farbenfrohe Kostüme, für Maske und Requisiten verantwortlich zeichneten. Naturgemäß wimmelte es nicht nur auf der Bühne von Kindern, sondern deren Geschwister oder Nichten waren in großer Zahl auch im Publikum zu finden.

Raphaela nicht zitierfähig

Die vielleicht dreieinhalbjährige Raphaela auf dem Schoß der Mutter war so hin und weg von "Emelie", dass ihr die Worte fehlten, sie hier mithin nicht zitiert werden kann. Wir nehmen ihr staunendes Schweigen als Lob und sagen: bravo, Michael Forster, bravo Ruth Weisel, bravo Martin Erzfeld.

Höchstvergnüglich

Und ein Bravissimo, verbunden mit dem Dank für eine hochvergnügliche Musiktheaterstunde, an Chor und Orchester, an das Ensemble insgesamt.