In der 110-jährigen Geschichte des Geflügelzuchtvereins Hassenberg gab es immer Höhen und Tiefen. "Derzeit durchleben wir das größte Tief unserer Vereinsgeschichte, und das Ende ist ungewiss", bedauerte bei der Hauptversammlung Vorsitzender Ulrich Rampel. Dennoch wollten sich die Mitglieder weiterhin den Herausforderungen stellen.

Durchschnittlich werden pro Jahr rund 30 Veranstaltungen besucht. Wegen Corona und der Vogelgrippe waren es 2020 nur sieben. Trotzdem gibt es im Verein weiterhin aktive Züchter.

Zum zweiten Mal in Folge musste der Kükenmarkt abgesagt werden. Als im Frühjahr letzten Jahres der erste Lockdown kam, waren die Vorbereitungen für diese weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Veranstaltung getroffen. Fast 500 Küken galt es anderweitig gut unterzubringen, was durch das Engagement von Heinz Kalter und Anton Sommer auch gelungen ist. Weil heuer abzusehen war, dass sich an der Lage nichts ändert, wurde lediglich vereinsintern für die Züchter gebrütet. Ob die Veranstaltung im kommenden Jahr wieder abgehalten werden kann, ist derzeit noch fraglich. Ebenso, ob in der kommenden Saison Tiere ausgestellt werden. Dennoch werde versucht, auf lokaler Ebene Schauen durchzuführen, wenn dies möglich sei, sagte der Vorsitzende. Unter anderem soll seitens der Gruppe Sonnefeld und Umgebung in Weidhausen am 6. November eine Schau mit den angeschlossenen Vereinen abgehalten werden.

Rampel bat alle Mitglieder, gemeinsam zu versuchen, auch Jüngere für das gemeinsame Hobby und den Verein zu begeistern. Erfreulich sei, dass es in der sechsköpfigen Jugendgruppe fünf Züchter gebe.

Verkorkste Saison

"Letztes Jahr wurden zwar Ausstellungen genehmigt, am Ende wurden sie aber abgesagt", erinnerte Heinz Kalter aus Sicht der Geflügelzüchter an die verkorkste Ausstellungssaison. Heuer haben viele Züchter ihre Tierzahlen massiv reduziert.

Allgemein sei ein Trendwandel erkennbar. "Aus Geflügelzüchtern werden Geflügelhalter", sagte Rampel. Allerdings müssten einige von ihnen sich die Frage stellen, woher sie künftig ihr Frühstücksei aus dem eigenen Stall bekommen, wenn krähende Hähne unerwünscht sind, weil sie für Ärger in der Nachbarschaft sorgen könnten.

Aus Sicht des Gruppenvorsitzenden Jörg Faber ist für alle Vereine eine schwere Zeit angebrochen: "Die Strukturen beginnen schneller zu bröckeln als befürchtet." Er machte klar, dass noch mehr zusammengerückt werden müsse, um das gemeinsame Hobby weiterhin erhalten zu können. Gründe seien nicht nur die Vogelgrippe und die Corona-Einschränkungen, sondern auch neue Tierschutzgedanken. Beispielsweise treffe das diskutierte Verbot von Wildtieren in der Heimtierhaltung auch die Ziergeflügelzüchter sowie viele Vogelhalter, sie trügen aber durch die Zucht zur Artenvielfalt bei. Faber rechnet mit strengeren Haltungsvorschriften für die Züchter.

Auf Beschluss des Vorstands wurden Gerhard Oberender, Jürgen Schader und Ulrich Rampel zu Ehrenmitgliedern ernannt. Oberender und Schader sind seit 46 Jahren Mitglieder und stellten sich für verschiedene Vorhaben helfend zur Verfügung. Während Jürgen Schader unter anderem Fränkische Trommeltauben züchtete, begann Gerhard Oberender etwas später mit Zwerg-Australorps. Seit 38 Jahren hält das ehrenamtliche Wirken von Ulrich Rampel für den Verein an. Er lenkt seit 29 Jahren als Vorsitzender die Vereinsgeschicke und kann einiges aus seiner fast 40-jährigen Zuchtarbeit berichten. ake