Er hatte so schwere Entscheidungen zu treffen wie die Schließung des Hofheimer Krankenhauses. Er stand hinter einem zeitweise rigorosen Sparkurs bei den Haßberg-Kliniken. Mit 62 Jahren tritt der Haßfurter Stephan Kolck in die Freistellungsphase der Altersteilzeit ein. Statt in Besprechungen will der Hobbyfotograf nun möglichst viel Zeit draußen in den Haßbergen und im Steigerwald verbringen.Wir sprachen mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Haßberg-Kliniken über seine Dienstzeit. Herr Kolck, wenn Sie zurückblicken: Was war die größte Herausforderung, der Sie sich stellen mussten - und warum?

Stephan Kolck Besonders herausfordernd war die permanente Prüfung der Krankenhausstruktur des Einzugsbereiches. Es geht dabei darum, das jeweils richtige Angebot für die Bevölkerung zu machen und dabei die Wirtschaftlichkeit im Blick zu behalten. Besonders problematisch war die Entscheidung zur Umwidmung des Krankenhauses Hofheim in ein ambulantes Gesundheitszentrum. Die Ärzte und das Pflegepersonal in Hofheim haben ausgezeichnete Medizin betrieben und eine sehr patientennahe Pflege praktiziert. Es war schmerzlich, dennoch die Krankenhausstruktur ändern zu müssen.

Können kleinere Krankenhäuser auf dem Land - wie die Haßberg-Kliniken - Ihrer Meinung nach auf lange Sicht überleben?

Kleine Krankenhäuser können dann überleben, wenn sie das richtige Angebot machen und sich mit überregional tätigen Schwerpunktkrankenhäusern vernetzen. Das haben wir im Landkreis Haßberge getan. Wir haben unser eigenes Angebot angepasst: Konzentration der planbaren Operationen im Krankenhaus Ebern, Spezialisierung in der Altersmedizin durch Aufbau einer Hauptabteilung für Akutgeriatrie. Auch die Aufteilung der großen Fachrichtungen in Haßfurt, nämlich der Inneren Medizin in Kardiologie sowie Gastroenterologie und der Chirurgie in Unfallchirurgie, Viszeralchirurgien und Gefäßchirurgie gehören in diesen Zusammenhang.

Und die Geburtshilfe, die wirtschaftlich nicht mehr darstellbar war, konnte aufgrund der Förderung durch den Freistaat gehalten werden.

Außerdem haben wir frühzeitig unser ambulantes Angebot ergänzt. Die Haßberg-Kliniken kooperieren eng mit den niedergelassenen Hausärzten (zum Beispiel in Form der Bereitschaftspraxis am Krankenhaus Haßfurt für den ärztlichen Notdienst) oder mit anderen Fachärzten, wie das über Jahrzehnte in Hofheim erfolgte.

Wenn es aber derartige Möglichkeiten nicht gab, haben wir die Lücken mit unseren Medizinischen Versorgungszentren in Ebern, Eltmann, Hofheim und Haßfurt geschlossen. Und wir haben den Schulterschluss mit den benachbarten Schwerpunktkliniken gesucht. Darüber hinaus haben wir uns mit über 60 bayrischen Kliniken in der "Klinik-Kompetenz-Bayern e.G" zusammengeschlossen. Hier geht es um Wissenstransfer und gemeinsame Strategien beispielsweise beim Einkauf oder in der Krankenhaushygiene.

Die finanziellen Nöte der Haßberg-Kliniken waren/sind ein Dauerthema. Wie schafft man es Ihrer Meinung nach aus dem Dilemma heraus?

Wir waren recht erfolgreich im Heben von Synergieeffekten und sind effizienter geworden. Die schlechte Nachricht für meine Nachfolgerin Dr. Vera Antonia Büchner: Kosteneinsparungen durch Erhöhung der Effizienz sind nur noch begrenzt möglich. Es gibt aber wieder neue Ideen zu bedarfsgerechten Leistungen, die die Auslastung der Haßberg-Kliniken optimieren. Da verlasse ich mich auf das Gespür und die Tatkraft von Dr. Büchner.

Ich glaube auch, dass wir auf Landkreisebene während der Pandemie im Gesundheitswesen gezeigt haben, dass die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten, Rettungsdienst, Pflegeeinrichtungen, Krankenhaus und nicht zuletzt dem öffentlichen Gesundheitsdienst gut funktioniert hat und wir gemeinsam die Herausforderungen besser bestanden haben, als wenn es diese regionalen Netze auf Kreisebene nicht gegeben hätte. Vielleicht steigt dadurch die Einsicht, dass dieser Infrastruktur auch finanzielle Mittel zugestanden werden müssen und dass das nicht einfach auf den Landkreis als Träger der Krankenhäuser abgeschoben werden kann.

Wie sah Ihr Arbeitsalltag aus?

Der Chef einer Krankenhausverwaltung ist vergleichbar mit einem Fußballtrainer: Er selber steht nicht auf dem Platz. Seine Aufgabe ist es, funktionierende Teams aufzustellen und ihnen die Arbeit so einfach wie möglich zu machen. Das bedeutet, dass er jeden Tag mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Krankenhauses sprechen muss, um zu hören, welche Probleme auftreten, die es zu lösen gilt. Und natürlich heißt das auch, die vielfältigen Regelungen im Gesundheitswesen zu beachten und in den Krankenhausbetrieb einzubringen. Von morgens um 9 Uhr bis nachmittags um 17 Uhr habe ich also Gespräche geführt und Sitzungen geleitet. Abends stand dann die Arbeit am Schreibtisch an, denn die Ergebnisse der Besprechungen mussten ja in Aktion umgesetzt werden.

Wie hat sich die Arbeit während Ihrer Amtszeit verändert?

Kreiskrankenhäuser waren 1992 eine selbstverständliche Einrichtung der Daseinsvorsorge - wie Schulen oder Polizeistationen. Heute sind sie Wirtschaftsbetriebe, die sich nach Angebot und Nachfrage zu richten haben und den Marktmechanismen gehorchen müssen.

Da die Kommunalpolitiker aber in den vielen Jahren immer auch zu ihrer Verantwortung gegenüber den Einwohnern des Landkreises Haßberge gestanden haben, die Gesundheitsversorgung zu sichern, waren wir in der Lage, auch unwirtschaftliche, gleichwohl aber notwendige Leistungen anbieten zu können. Das Interview führte unser Redaktionsmitglied Katja Müller.