Seit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" ist die Zahl der Bienenfans rasant gestiegen. Das große Interesse an den kleinen Tieren und an der Imkerei hat allerdings nicht nur Vorteile. Bienenfachberaterin Barbara Bartsch erklärt im Gespräch mit der dieser Zeitung, dass falsch verstandene Tierliebe für die Honiglieferanten sogar tödlich sein kann.

Bienen sind gerade richtig beliebt. Stimmt dieser Eindruck?

Barbara Bartsch: Die Beschäftigung mit Bienen in der freien Natur kann in unserer hektischen Zeit für viele eine Möglichkeit der Entspannung darstellen. Zudem wird immer wieder das Bienensterben in Erinnerung gerufen, so dass viele denken, sie müssten Honigbienen halten, um sie vor dem (Aus-)Sterben zu bewahren. Aber wir dürfen nicht vergessen: Honigbienen sind Nutztiere, die in der passenden Umgebung richtig gepflegt und versorgt sein müssen.

Die Beliebtheit müsste doch für die Imkervereine ein Grund zur Freude sein ...

Viele Vereine freuen sich wirklich über die hoffnungsvollen Neu-Imker und betreuen sie intensiv und gut. Aber leider landen nicht alle Anfänger wirklich in Vereinen.

Was raten Sie Leuten, die sich für Bienenhaltung interessieren?

Sie sollten sich einen Imker in ihrer Nähe suchen und zusehen, ob die Arbeit mit den Bienen wirklich etwas für sie ist.

Wie werden denn Anfänger-Kurse aktuell angeboten?

Online. Viele Imkervereine halten eigene Kurse mit Unterstützung von Fachreferenten. Das Institut für Bienenkunde und Imkerei mit seinen staatlichen Fachberatern stellen jedes Jahr im Herbst ein Lehrgangsprogramm für das Folgejahr zusammen, nachzulesen im Internet unter www.lwg.bayern.de. Dieses Jahr wurde es ergänzt um Online-Lehrgänge, da die Corona-Situation praktisch keine Präsenzveranstaltungen zulässt. Für Oberfranken haben wir eine Besonderheit: die Imkerschule im Wasserschloss Mitwitz. Sie bietet jedes Jahr ein eigenes Lehrgangsprogramm besonders für Anfänger in der Imkerei an. In normalen Jahren wird auch Praxis am Lehrbienenstand angeboten.

Welche Investition kommt auf jemandem zu, der noch nie Bienen hatte?

Man muss als Erstinvestition mit etwa 1000 Euro bei drei angestrebten Bienenvölkern rechnen. Darunter fallen die ersten Bienen, deren Wohnungen, das nötige Handwerkszeug und die Schutzkleidung. Eine Schleuder ist darin nicht inbegriffen, da man am Anfang besser mit Unterstützung erfahrener Imker den Honig gewinnen und sich dabei verschiedene Schleudertypen ansehen sollte. Eine Schleuder soll ein Imkerleben halten, deshalb kann der Griff zu einem Billigteil schnell teuer werden.

Mit der Anschaffung des ersten Volkes ist es aber nicht getan. Was kommt dann?

Man braucht noch vor der Anschaffung einen guten Standplatz, der den Bienen das ganze Jahr über ein reiches Nahrungsangebot liefert. Diesen muss man dann beim Veterinäramt melden, damit die Bienenhaltung bei Krankheitsausbrüchen berücksichtigt werden kann.

Viele Bienenfans, die neu anfangen, wollen Kästen einfach nur so aufstellen - nicht wegen des Honigs. Was sagen Sie dazu?

Honigbienen müssen betreut und versorgt werden, ansonsten gehen sie irgendwann ein und dienen dabei noch Nachbarbienenständen als mögliche Infektionsherde für Krankheiten. Letztes Jahr gab es in einigen Regionen, auch im Landkreis Kulmbach, Standorte, an denen die Bienen das ganze Jahr gefüttert werden mussten, weil die Pflanzen der Umgebung und/oder die Witterung sie daran hinderten, Vorräte anzulegen. Fallen weiterhin so wenig Niederschläge im Jahr, so werden diese Szenarien häufiger werden als uns lieb ist.

Behandlung ist also Pflicht. Gegen was eigentlich?

Ohne Varroabehandlung gehen Bienenvölker spätestens nach zwei Jahren ein. Laut Tiergesundheitsgesetz und Bienenseuchenverordnung hat jeder Imker seine Bienenvölker gegen die Varroamilben mit zugelassenen Mitteln zu behandeln. Hält man sich nicht daran, kann man belangt werden.

Erklären Sie bitte, wann die Hauptarbeit anfällt?

Die Hauptarbeit steht jetzt ab Mitte April bis zur Sommersonnenwende an. Jetzt versuchen die Völker ihre Anzahl an Arbeiterbienen zu erhöhen und große Vorräte anzulegen, um sich dann durch Schwärmen teilen zu können, neue Königinnen zu erzeugen und so den Fortbestand der Art zu erhalten. Wir Imker können das Schwarmgeschehen in den Bienenvölkern so lenken und beeinflussen, dass wir keine Schwärme verlieren und auch der Friede mit den Nachbarn gewahrt werden kann. Das bedeutet aber, dass einmal pro Woche jedes Volk genau auf Schwarmanzeichen durchgesehen werden muss. Deshalb sollte sich jeder, der Bienen halten will, fragen, ob er auf 14 Tage Pfingsturlaub in der Ferne verzichten kann. Wenn er die Frage mit Nein beantwortet, so muss man ihm raten, die Finger von den Bienen zu lassen. Auch im Sommer müssen die Bienen speziell gepflegt werden mit Varroabehandlungen und Einfütterung. Aber diese Arbeiten lassen sich so legen, dass auch Urlaubsreisen möglich sind.

Welche Bienenkrankheiten gibt es aktuell?

Die Varroamilben gibt es an jedem Bienenstand und bei jedem Volk im hohlen Baum.Aber weit gefährlicher ist die Amerikanische Faulbrut, die einzige Krankheit, die ohne Handeln zum Absterben der Bienenvölker führt. Sie ist anzeigepflichtig. Momentan haben wir in Oberfranken bei Bamberg zwei Faulbrutsperrgebiete und eines bei Coburg.

Imker jammern, dass manche Menschen Bienen füttern wollen und ihnen dazu Honig aus dem Supermarkt hinstellen ...

Den Bienen Honig aus dem Supermarkt anzubieten, ist das Letzte, was man machen sollte. Die Gläser enthalten fast nur Auslandshonige, in denen Faulbrutsporen sehr häufig zu finden sind. Wenn wir Menschen den Honig essen, geschieht uns nichts, die Sporen verlassen unsere Verdauung einfach wieder. Aber wenn Bienen ihn an ihre Brut verfüttern, keimen die Sporen in deren Darm aus und vermehren sich dort. Die neuen Sporen bleiben am Haarkleid der Putz- und Pflegebienen haften, die den Stock säubern, gelangen in weiteres Futter und zu weiteren Larven, bis die gesamte Brut infiziert ist und das Volk eingeht, weil keine jungen Bienen mehr schlüpfen. Die Gefahr kann schon von nicht gespülten Gläsern im Glascontainer ausgehen.

Manche Imker schwören auf natürliche Bekämpfung. Welche Möglichkeiten gibt es da?

Das Ausschneiden von Drohnenwaben mildert den Milbenanstieg während der Saison sehr gut. Aber man kann damit nicht alle Milben aus den Völkern herausholen. Ende Juli/Anfang August ist auf jeden Fall eine Behandlung mit einem zugelassenen Mittel notwendig. Wir empfehlen organische Säuren, da sie in der Natur auch vorkommen, kaum Rückstände hinterlassen und bisher keine Resistenzen erzeugt haben. Zudem gibt es einige Maßnahmen in der Völkerführung, mit deren Hilfe man durchaus die Milbenlast reduzieren kann: das Bannwabenverfahren, die Brutentnahme und die Brutpause.

Was halten Sie von der neuen Generation der Online-Imker?

Das funktioniert vielleicht, wenn jemand vorher schon Kontakt zu Imkern und Bienen hatte und weiß, um was es geht. Wenn nicht, bin ich der Meinung, dass der Weg zum Real-Imker noch sehr weit ist. Bienen können nicht schreien, wenn man ihnen weh tut, oder sie sterben. Könnten sie das, würden es sich viele überlegen, ohne direkte Anleitung am Bienenvolk mit der Imkerei zu beginnen.

Was reizt sie persönlich an Bienen?

Ich erinnere mich immer noch gerne an den speziellen Duft im Bienenhaus meines Onkels. Mich reizt an den Bienen, dass jedes Jahr neu ist. Bei Bienen kann sich gar keine Routine einschleichen.

Die Fragen stellte Sonny Adam.