Kreis Haßberge — Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) kritisiert das von den Staatsforsten für Ebrach nach der Abschaffung des Schutzgebietes angekündigte Trittsteinkonzept als reines Marketingkonzept. "Damit sollen auf 100 Prozent der Fläche kommerzielle Holznutzung gesichert und größere Naturwaldschutzgebiete verhindert werden. Der Staatsforst will nur kleinflächige Trittsteine schützen, um weiterhin auf dem größten Teil der Waldfläche Holz nutzen und dicke Altbäume einschlagen zu können", meint Richard Mergner, der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz, in einer Mitteilung seiner Organisation.
"Wir bedauern es sehr, dass die Staatsforsten hier ihrer umfassenden Verantwortung für die 800 000 Hektar Staatswälder nicht gerecht werden, weil sie versuchen, notwendige Schutzgebiete zu verhindern. Der Staatswald muss mehr sein als ein reiner Wirtschaftswald. Nur so gibt es auch eine Chance für ein Weltnaturerbe oder einen Nationalpark."
Selbst wenn die Anzahl und die Fläche der Trittsteine verdoppelt würden, würden dazwischen weiterhin in großem Stil Bäume eingeschlagen und mit schweren Forstmaschinen gefahren. Mit einem derartigen Nutzungskonzept werde eine Weltnaturerbebewerbung unmöglich gemacht. Zwar habe die Forstseite in der Vergangenheit mehrfach behauptet, man wolle sich mit dem Trittsteinkonzept für ein Weltnaturerbe bewerben. "Ein einfacher Anruf bei der Unesco reicht aus, um festzustellen, dass dies absolut unzureichend ist", sagt der BN-Waldreferent Ralf Straußberger. "Es ist offensichtlich, dass die Forstseite eine Weltnaturerbebewerbung und einen notwendigen Waldschutz verhindern will und zur Ablenkung versucht, eine Weltkulturerbebewerbung zu initiieren."
Mit der Aufhebung des Schutzgebietes "Hoher Bu chener Wald" drohe die vom Umweltministerium angekündigte Regionalkonferenz für den Steigerwald zur Farce zu werden. Denn dabei sollte über die Rahmenbedingungen für eine Weltnatur- oder Weltkulturerbebewerbung diskutiert werden, was schwierig werden dürfte, weil mit dem nutzungsfreien Waldschutzgebiet die Staatsregierung soeben eine zentrale Voraussetzung für eine Weltnaturerbebewerbung beseitigt habe.
"Wir begrüßen es, wenn der neue Vorstandsvorsitzende der Staatsforsten, Martin Neumeyer, mehr Naturschutz im Staatswald umsetzen will", so Mergner. "Wenn er glaubwürdig sein will, dann muss er sich dafür einsetzen, dass in ausgewählten Staatswaldgebieten auch größere, flächige Waldnaturschutzgebiete eingerichtet werden, in denen sich ein Naturwald entwickeln darf." Das Staatsforsten-Konzept, das auf ganzer Fläche zugleich "schützen und nutzen" will, sei nicht mehr zeitgemäß. Es stamme aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, als die Förster glaubten, mit einer "guten" Holznutzung würde der Wald schon alle Funktionen erfüllen. "Wer Bäume in jungen Jahren fällt, kann sie eben nicht schützen, bekommt keinen alten Wald und schon gar keinen Naturwald", meint Straußberger.
Der Bund Naturschutz wirbt dafür, dass es neben den Wirtschaftswäldern auf zehn Prozent der Staatswaldfläche auch Naturwälder ohne Holznutzung geben soll, für die die Förster die Verantwortung tragen sollen. Auch früher schon habe man in Bayern Naturwälder großflächig geschützt wie in den beiden Nationalparken im Bayerischen Wald und in Berchtesgaden und im Biosphärenreservat Rhön. "Wir appellieren an die Bayerische Staatsregierung, dass sie ihrer früheren Vorreiterrolle im Waldschutz unter Hans Eisenmann wieder gerecht wird und Teile der Staatswälder konsequent schützt, anstatt Waldschutzgebiete mit zweifelhaften Methoden aufzuheben", fordert Richard Mergner.
Die Freien Wähler begrüßen dagegen die Aufhebung des Schutzgebietes und unterstützen das Trittsteinkonzept sowie die Bewerbung des Steigerwal-des als Nachhaltigkeitsregion im Sinne des Unesco-Weltkulturerbes. Für die Freien Wähler kommt die Aufhebung des Schutzgebietes durch das Umweltministeriums nicht überraschend, wie die Wählergruppe deutlich macht. Landtagsabgeordneter Hans-Jürgen Fahn begrüßt es daher, dass die Nichtigkeit des Schutzgebietes "Hoher Buchener Wald" endlich offiziell bestätigt ist, was eigentlich seit Monaten überfällig gewesen sei.
Dies angesichts der Tatsache, dass der Sprecher des Umweltministeriums in der Sitzung des Umweltausschusses des Landtages im Frühjahr eindeutig erklärt habe, dass die Ausweisung durch den früheren Bamberger Landrat Günther Denzler von Beginn an nichtig gewesen sei, weil der Paragraph 29 des Naturschutzgesetzes nicht auf Schutzgebiete solcher Größenordnung anzuwenden sei. Insoweit kann Fahn die Skepsis der SPD und der Grünen wegen der schnellen Bestätigung durch das Umweltministerium nicht teilen. "Da das gesamte Verfahren im Vorfeld der Entscheidung durch die Regierung von Oberfranken eingehend geprüft und gewürdigt wurde, bin ich davon ausgegangen, dass die Bestätigung aus dem Ministerium schnell erfolgen müsste", sagt er.
"Jetzt von einem widerrechtlichen Verhalten des Ministeriums zu sprechen, weil dieses eine widerrechtliche Verordnung aufgehoben hat, ist für mich nicht nachvollziehbar", so Fahn in einer Pressemitteilung.
Die Freien Wähler sind überzeugte Vertreter des Trittsteinkonzeptes, das im Staatsforstbetrieb Ebrach entwickelt wurde. Gerade im "Hohen Buchenen Wald" begann Forstamtsleiter Ulrich Mergner mit diesem inte-grierten Waldschutzkonzept, dessen Ziel es ist, die Artenvielfalt zu fördern und den Wald dennoch als Lieferanten des wertvollen nachwachsenden Rohstoffs Holz zu nutzen: "Die Unterschutzstellung dieses Gebietes hätte das Ziel konterkariert, dieses Waldschutzkonzept auf großer Fläche in den bayerischen Staatswäldern umzusetzen und damit viel mehr für Wald- und Artenschutz zu erreichen als mit einem isolierten Schutzgebiet." Die Erfolge des Trittsteinkonzepts stoßen nach seinen Angaben national und international auf großes Interesse. Das integrierte Waldschutzkonzept solle ein wesentlicher Baustein dafür sein, den Steigerwald als Nachhaltigkeitsregion in die Bewerbung um den Titel eines Unesco-Weltkulturerbes zu schicken. Daran arbeite ein großes Netzwerk von Kommunen, Vereinen und Verbänden aus dem ganzen Steigerwald. ks