Eine gemütliche rote Couch zum Reinlümmeln, davor ein mit Blumen dekorierter Kaffee-Tisch. Es duftet nach heißem Kaffee sowie Apfel-Muffins mit viel Zimt. Dort, wo sonst Besucher der Kronacher Innenstadt ihre Fahrzeuge abstellen, steht an diesem Samstagmittag ein kleines "Open-Air-Wohnzimmer" - und das mitten im Herzen der Kreisstadt, auf den beiden Parkplätzen vor der Hypobank.
"Je weniger Autos herumstehen oder fahren, desto größer wird die Aufenthaltsqualität", erklärten die Mitglieder der Greenpeace-Gruppe Kronach, die die Parkplätze in der Schwedenstraße in Beschlag genommen hatten.
Gemeinsam mit Anwohnern demonstrierten sie dabei für mehr Lebensqualität in Städten durch eine Verkehrswende und eine gerechtere Verteilung des städtischen Raums.


"Weg von Asphaltstädten"

Mit ihrer Aktion erregten sie viel Aufmerksamkeit bei den Passanten, mit denen sie schnell - bei einer guten Tasse fair gehandelten Kaffees und leckeren Muffins - über die mit dem wachsenden Verkehr und Autoaufkommen in Städten einhergehenden Problematiken ins Gespräch kamen. Dabei untermauerten die Ehrenamtlichen ihre Forderungen nach einer Verkehrswende, einhergehend mit weniger Autos sowie mehr Platz für Fußgänger und Fahrradfahrer - weg von Asphaltstädten, hin zu grüneren Städten mit umweltfreundlicherer Mobilität, besserer Luftqualität und mehr Raum für Menschen. "Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv", freut sich der Koordinator für Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Carsten Walther.
Auch viele auswärtige Besucher, beispielsweise aus Mannheim, hätten sich laut Walther beklagt, wie schlecht die Luft in den Städten geworden sei.


Amsterdam als Vorbild

Für die geforderte Verkehrswende hat Greenpeace einen zehn Punkte umfassenden Maßnamenplan "Im Kern gesund" entwickelt. Kernpunkt ist eine gesunde Mobilität in Deutschlands Stadtzentren. Der Plan stellt Strategien für eine Verbesserung der Luftqualität in Städten vor. Im Vordergrund steht dabei die Notwendigkeit, Schadstoffe zu reduzieren - eine topaktuelle Thematik, wie die derzeitige Diskussion über ein innerstädtisches Fahrverbot von Diesel-Fahrzeugen belegt.


"Hustkonzert" geplant

Wie eine Verkehrswende funktionieren kann, machten andere Städte bereits eindrucksvoll vor, erklärte Carsten Walther: In Kopenhagen oder Amsterdam beispielsweise seien sehr weitreichende Maßnahmen zur Reduzierung des Autoverkehrs und zur Förderung alternativer Verkehrsträger umgesetzt worden - weg vom eigenen Auto, hin zu Radverkehr, Car-Sharing und mehr öffentlichen Verkehrsmitteln. Deutschlands Städte seien dabei, hier im internationalen Vergleich den Anschluss zu verlieren. In Zusammenhang mit der von Greenpeace anvisierten Verkehrswende wurde auch die Aktion "Hustet der Regierung was!" initiiert. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Bei der Mitmachaktion sammelt Greenpeace bundesweit aufgenommene Hustgeräusche. Die werden Politikern noch vor der Bundestagswahl bei einem großen "Hustkonzert" in Berlin vorgespielt, um sie zur Verkehrswende zu bewegen. Auch in Kronach erklärten sich viele Passanten bereit, für diesen Zweck zu husten. "Vor allem Jugendliche waren voller Begeisterung dabei", erklärte Walther. Mitmachen ist aber auch per Sprachnachricht auf WhatsApp oder Signal an die Nummer 0176 181 88 105 möglich.