Vordergründig ging es in der Verhandlung vor dem Kulmbacher Amtsgericht um den Diebstahl eines Mobiltelefons, in Wirklichkeit aber stand ein erbitterter Familienstreit im Raum, der in den zurückliegenden Jahren immer wieder Familien-, Straf- und Zivilgerichte beschäftigt hatte.

Ein 20-Jähriger aus dem Landkreis Kulmbach soll seiner Schwester das Handy gestohlen haben, das sich die 17-Jährige vom gemeinsamen Vater angeblich geliehen hatte. Jedenfalls erstattete der Vater Anzeige. "Das ist schon ungewöhnlich, dass der Vater Strafantrag gegen seinen Sohn stellt", sagte Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner.

Schnell stellte sich in der Verhandlung heraus, dass es nicht um das Handy, sondern um völlig zerrüttete Familienverhältnisse ging. "Wir haben kein gutes Verhältnis zueinander", sagte der 20-Jährige. Seit dem angeblichen Vorfall habe er überhaupt keinen Kontakt mehr zum Vater, der mittlerweile außerhalb Bayerns lebt. Nicht einmal zu seinem Geburtstag habe sich der Vater gemeldet. Ziel der Anzeige sei wohl, ihn "eins reinzudrücken", so der Angeklagte.

Schwere Geschütze

Noch schwerere Geschütze fuhr der Großvater des Angeklagten auf, der als Zeuge aussagen musste. Sein Schwiegersohn lüge nicht zum ersten Mal, der Angeklagte sei unschuldig, so der Opa, der von anhaltenden Schwierigkeiten innerhalb der Familie seit vielen Jahren berichtete.

Der Großvater bestätigte auch die Version seines Enkels, nach der die Schwester das Telefon vom Vater zu Weihnachten geschenkt bekam. Weil sie aber nichts mit dem Handy anfangen konnte, beauftragte sie ihren Bruder, also den Angeklagten, das Mobiltelefon zu verkaufen. Gesagt, getan! Zwischen 100 und 150 Euro soll der Angeklagte dafür erhalten haben. Das Geld habe er umgehend seiner Schwester gegeben, die sich damit ein Handy nach ihren Wünschen gekauft habe.

Für Richter Berner und nach einigem Hin und Her auch für den Vertreter der Staatsanwaltschaft ein klarer Fall für eine Einstellung des Verfahrens. Den Vater von weither zu laden, bezeichnete das Gericht als gigantischen Aufwand, der in keinem Verhältnis zum entstandenen Schaden stünde. Die Einstellung erfolgte ohne Auflagen, die Kosten des Verfahrens fallen zu Lasten der Staatskasse.