Bei allen etablierten Parteien werden die Weichen langsam in Richtung Bundestagswahl gestellt - so auch bei den Kulmbacher Grünen. Am Dienstagabend wählten sie nicht nur ihren Vorstand und die Delegierten für Bezirk, Land und Bund, sondern stellten auch ihren Wunschkandidaten für das Direktmandat im Bundestag vor. Es ist der Wahl-Kulmbacher Markus Tutsch, Unternehmer aus dem Textilbereich mit 40 Angestellten.
Tutsch kann auf jahrelange praktische Erfahrung im In- und Ausland zurückblicken. Zuletzt war er für die Grünen als Sprecher des Kreisvorstandes Hof zwei Jahre lang tätig, nun stößt er zum Kreisverband Kulmbach und wird mit Rückendeckung der Vertreter des Wahlkreises am 13. Oktober zur Kandidatenwahl antreten.
Seine Hauptthemen, denen er sich widmet, sind Wirtschaft, Energie und Bildung, Bereiche, die jeden Bürger betreffen. Tutsch ist dabei ein Anhänger der kleinteiligen Wirtschaft, er ist großer Anhänger von Vielfalt und in Teilen auch EU-kritisch. "Diese Gleichmacherei und die Vermessung von Tomaten oder Gurken - das geht gar nicht", sagte Markus Tutsch in seiner Vorstellung.


Gegen TTIP und CETA

Viel eindeutiger noch spricht er sich gegen TTIP und CETA aus, "das sind Abkommen, die in jeden Lebensbereich eingreifen", und die er für extrem demokratiefeindlich hält. "Mit solchen Abkommen gibt ein Volk seine Souveränität über die eigenen Entscheidungen auf", erklärte er. Selbst Unternehmer ist er ein großer Fan von nachhaltiger Wirtschaft, ein Befürworter des Mittelstandes, der am liebsten keine Multistruktur haben möchte. Nachhaltigkeit sei natürlich auch in Sachen Energie geboten.
Festgefahrene Meinungen sind ihm zuwider, und er ist ein Mann, der die damalige Entscheidung von Kanzlerin Merkel in der Flüchtlingskrise bewundert hat. Dabei verwies er auf das Beispiel Balkan, denn auch damals hätte Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen, die heute, in ihr Heimatland zurückgekehrt, wichtige Botschafter für die deutsche Wirtschaft seien. An der EU kritisiert Tutsch, dass sie in vielen Fällen nicht auf das Problem antwortet, "die EU ist wirtschaftlich stark, aber politisch schwach", sagte der mögliche Bundestagskandidat. Europa müsse stärker zusammenrutschen. Als ganz wichtigen Bereich sieht der Grünenvertreter die Bildung, die Förderung von Krippen, Kindergärten und Ganztagsschulen steht dabei ebenso auf seinem Programm wie die Chancengleichheit. "Wie eine Gesellschaft mit ihren Kindern und alten Leuten umgeht, daran muss sie sich messen lassen."


Vorstand bestätigt

Unterstützt wird Markus Tutsch in seinem Wahlkampf vom Kreisverband der Grünen, der am Dienstagabend den bisherigen Vorstand in seinem Amt bestätigte. Dagmar Keis-Lechner übernimmt weiterhin den Vorsitz, begleitet von Edith Knorr als Kassiererin, Gabi Diller als Schriftführerin und den beiden Kassenprüfern Erich Luthardt und Claus Gumprecht.